Stadtwerke

Bohrer Georg I. frisst sich im Wolfsbachtal durch die Erde

Ein riesiges Loch klafft im Waldboden. Mit 22,5 Metern Durchmessern und 16 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend.

Ein riesiges Loch klafft im Waldboden. Mit 22,5 Metern Durchmessern und 16 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Bredeney.  Die Stadtwerke verlegen gigantische Abwasserkanäle zwischen Bredeney und Werden. Kosten: über 20 Millionen Euro. Ein Besuch im Wolfsbachtal

Da immer mehr städtische Flächen versiegelt werden, kann selbst in Außengebieten das Regenwasser nicht mehr so versickern wie früher. Die Ansprüche ans Kanalnetz werden dadurch immer größer. Zurzeit erneuern die Stadtwerke Essen den Abwasserkanal längs des Wolfsbachtals.

Der rund 80 Jahre alte Vorgänger entspricht nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Hier wird nicht nur auf 2,7 Kilometern komplett neu verlegt, sondern auch mit deutlich größeren Rohrdurchmessern.

Im August 2018 wurde die Baustelle in Bredeney eröffnet, angedacht ist eine Bauzeit bis Ende 2020. Über 20 Millionen Euro werden hier investiert. Ein riesiges Loch klafft im Waldboden. Mit 22,5 Metern Durchmessern und 16 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend.

Die Grube wird auf 32 Meter abgesenkt

Doch Projektleiter Hans-Georg Gottschol klärt auf: „Da ist noch lange nicht die unterste Sohle erreicht. Wenn in gut zwei Wochen auch der zweite der beiden kleineren Äste fertiggestellt ist, wird die Grube auf 32 Meter abgesenkt, um den in rund drei Monaten einfahrenden Georg I. dann bergen zu können.“

Er meint die nach ihm benannte Tunnelbohrmaschine. Später wird diese Baugrube zu einem Regenrückhaltebecken umgebaut. Mit viel Technik, die wie eine gigantische Schaltzentrale wirkt. Große Schieber können bei Überlastung die Wasserzufuhr unterbrechen. Gottschol betont: „Natürlich läuft alles automatisch, aber immer unter menschlicher Kontrolle.“ Im Prinzip werde hier ein komplettes „Hochhaus“ unter die Erde gebaut.

Gab es bereits böse Überraschungen? Bisher wurden die Stadtwerke weitgehend verschont, sagt Hans-Georg Gottschol: „Beim Ausschachten dieser Grube sind wir auf Kohleflöze gestoßen. Das hat uns wenig gestört. Sollten wir aber unterwegs auf eine Wasserlinse stoßen oder einen Hohlraum durch alten Bergbau, könnte uns das schon aufhalten.“

Der zweite Kanal bis zum Meckenstocker Weg ist schon fertig

An dem einen Stollenmund wird zurzeit hochgepresst in Richtung Taunusbogen. Der zweite Kanal bis zum Meckenstocker Weg ist schon fertig geworden. Mit 1,6 Metern Innendurchmesser liegen hier schon dicke Rohre. Doch es geht noch gewaltiger.

Talwärts kommen gar 2,6 Meter starke Kanalrohre ins Erdreich. Hier frisst sich der Tunnelbohrer aus Werden kommend eine fünfprozentige Steigung hoch, mit einer Geschwindigkeit von sieben bis acht Metern pro Tag. Projektleiter Gottschol blickt sich in der Grube um und schnalzt mit der Zunge: „Schauen Sie mal, wie die Spezialfirma arbeitet. Eine eingespielte Fünf-Mann-Kolonne mit blindem Verständnis. Da braucht es keine Kommandos, da sitzt jeder Handgriff.“

Dennoch benötigen die Arbeiter rund eine Stunde, um ein einziges Rohrelement aus Stahlbeton so vorzubereiten und dann vorzupressen, bis es an Ort und Stelle liegt.

Beeindruckendes technisches Gerät zieht die Blicke auf sich

Das sind sehr effektive, aber auch sündhaft teure Spezialmaschinen, die die Stadtwerke da bestellt haben, sagt ihr Sprecher Roy Daffinger: „Da wir sie nur selten benötigen, ist eine Leihe sehr viel günstiger.“

Der nächste Laster fährt vor. Stößt das in dieser wirklich sehr ruhigen Wohngegend nicht auf Widerstände? Daffinger erklärt: „Natürlich gibt es immer Anwohner, die sich beschweren. Doch wir haben die Aufgabe der Daseinsvorsorge.“ Die Anwohner wurden im Vorfeld informiert und die Lkw-Fahrer sind angewiesen, größtmögliche Rücksicht walten zu lassen.

Der unterirdische Vortrieb schont Flora, Fauna und Kasse

In dem Moment donnert ein Flugzeug über die Baustelle und Daffinger zieht den Vergleich: „So ein Flieger ist auf jeden Fall deutlich lauter als unsere Maschinen.“ Der unterirdische Vortrieb schont Flora, Fauna und die Kasse. Da der neue Kanal unterirdisch per Vortrieb verlegt wird, können das Wolfsbachtal und die dort beheimatete Pflanzen- und Tierwelt weitgehend geschützt werden. Selbst an kleine Zäune zum Schutz wandernder Kröten haben die Stadtwerke gedacht. Darüber hinaus betont Sprecher Roy Daffinger, dass die unterirdische auch die deutlich wirtschaftlichere Variante ist. In offener Bauweise hätten rund 30 Meter tiefe Gräben abgestützt und mehr Bäume gefällt werden müssen.

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