Ehrenamt

Bibliothek der Essener Gemeinde Christus König wird 85

Gabriele Lathe-Schwarz (vorne), Leiterin der Bücherei: Unterstützt wird sie dabei von  Angelika Hauptmann, Irmgard Schmidt, Marianne Voss und Theresia Burggraf (v.r.). Sie gehören zum insgesamt 20-köpfigen ehrenamtlichem Büchereiteam.

Gabriele Lathe-Schwarz (vorne), Leiterin der Bücherei: Unterstützt wird sie dabei von Angelika Hauptmann, Irmgard Schmidt, Marianne Voss und Theresia Burggraf (v.r.). Sie gehören zum insgesamt 20-köpfigen ehrenamtlichem Büchereiteam.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Kostenlose Ausleihe, aktuelles Angebot und ein engagiertes Team: Die katholische Pfarrbücherei in Haarzopf ist ein Anlaufpunkt für Leseratten

Als Kind war die örtliche katholische Bücherei mein kleines Himmelreich: Jeden Sonntag verließ ich sie mit stapelweise Büchern, die ich in der Woche verschlang. Enid Blyton, Mark Twain, Astrid Lindgren und Jules Verne waren meine Favoriten in den späten 1960er Jahren und erfreulicherweise war schon damals die Pfarrbücherei gut sortiert. Und das Wichtigste: Den Lesestoff gab es umsonst.

Gut sortiert und kostenfrei sind die Pfarrbüchereien in der Stadt noch heute: Das ist ganz allein der Verdienst der ehrenamtlichen Kräfte, die viel Arbeit investieren, um das Angebot attraktiv zu halten. So auch in der katholischen öffentlichen Bücherei der Christus-König-Gemeinde in Haarzopf. Die hat vor genau 85 Jahren zum ersten Mal ihre Türen für Leseratten geöffnet.

Die Nazis erlaubten 1941 nur noch katholisch-religiöse Bücher

Natürlich waren es zunächst vorwiegend christliche Literatur, die 1934 in den Regalen der Borromäusbücherei (so benannt nach dem christlichen Borromäusverein, über den die Bücher bezogen wurden) zu finden waren. Aber auch der ein oder andere gute Roman konnte ausgeliehen werden – bis die Nazis 1941 die Belletristik gänzlich verboten und nur noch religiöse Bücher erlaubten.

Nach dem Krieg wurde die Bücherei langsam wieder aufgebaut und mit passender Literatur aufgefrischt. Lange bestimmte der Pastor oder Kaplan, was moralisch einwandfrei ist, mit dem katholischen Glauben vereinbar und gelesen werden darf. Das hat sich geändert: Heute ist das 20-köpfige ehrenamtliche Team – 19 Frauen und ein Mann – für das Angebot, das ständig aktualisiert wird, zuständig.

Besonders Familien mit kleinen Kindern nutzen das Angebot

„Wir schauen auf die Bestsellerlisten, nehmen Anregungen von unseren Lesern auf und steuern auch eigene Vorschläge bei“, erklärt Gabriele Lathe-Schwarz. Die pensionierte Lehrerin, die als Jugendliche immer davon geträumt hat, Bibliothekarin zu werden, hat sich erst im Alter den Wunsch erfüllt: Seit neun Jahren ist sie Leiterin der Pfarrbücherei, die im Souterrain der 1979 eingeweihten Christus-König-Kirche am Tommesweg zu finden ist.

Noch immer wird die meiste Literatur über den Borromäusverein bezogen; dazu komplettieren Gesellschaftsspiele, Hörbücher und Filme das Ausleihangebot. Das nutzen vor allen Familien mit kleinen Kindern; die Bilderbuchabteilung ist immer gut frequentiert. Das Geld für Neuanschaffungen erhält die Bücherei vom Bistum, dazu kommen noch Spenden und Kollekten. Es reicht auf jeden Fall, um den Tisch mit den aktuellen Büchern immer wieder zu füllen.

Leseabende und Märchenspaziergänge durch Haarzopf

Dass das Team fast ausschließlich aus Frauen besteht, ist nicht ungewöhnlich: Fast alle katholischen Pfarrbüchereien sind in weiblicher Hand. „Wir sind eine gute, harmonische Truppe“, sagt Irmgard Schmidt. Die 67-Jährige ist mit Marianne Voss am längsten dabei. Ihr Steckenpferd sind die Märchenspaziergänge durch Haarzopf, die sie regelmäßig anbietet. „Ute Hampel hat Haarzopfer Märchen zusammengestellt. Diese Geschichten, die allesamt im Stadtteil spielen, erlaufen wir uns gemeinsam“, erzählt sie.

In Zweier-Teams wird die Pfarrbücherei zwei Mal die Woche betreut. Mehr ist nicht möglich. „Gerne würden wir mehr Leseabende anbieten oder mehr Zeit für Kontakte und Gespräche haben, um zum Beispiel Bücher zu empfehlen“, wünscht sich Gabriele Lathe-Schwarz. Doch dafür bräuchte man zusätzliche Ehrenamtliche: „Jeder ist willkommen.“

Zum Geburtstag wünscht sich das Team neben mehr Unterstützung eigentlich nur eins: dass ihre Bücherei, die übrigens die einzige in ganz Haarzopf ist, noch lange erhalten bleibt. Dafür bräuchte es aber auch eine sichere Zukunft für die Christus-König-Kirche.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben