Pfarreientwicklung

Beim Pfarreientwicklungsprozess gibt es auch Unzufriedene

Die Zukunft der katholischen Kirche Christus König in Haarzopf ist noch ungeklärt.

Foto: Lutz von Staegmann

Die Zukunft der katholischen Kirche Christus König in Haarzopf ist noch ungeklärt. Foto: Lutz von Staegmann

Essen-Haarzopf.   Nicht alle Mitglieder von Christus König sind mit dem Verlauf des Pfarrentwicklungsprozesses zufrieden. Sie fürchten den Verlust der Kirche.

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Der Pfarreientwicklungsprozess geht in die Endphase, doch in der Haarzopfer Gemeinde Christus König macht sich bei einigen Mitgliedern Unmut breit. Sie fühlen sich zu spät einbezogen in den Vorgang, bei dem die Pfarreien im Bistum Essen dem Bischof bis zum Jahresende Vorschläge machen müssen, wie sie notwendige Einsparungen realisieren wollen.

In der Pfarrei St. Ludgerus wurden in der vergangenen Woche in den einzelnen Gemeinden vier Veranstaltungen abgehalten, bei denen die Gläubigen über das vorläufige Entwicklungskonzept diskutieren konnten. Sehr unzufrieden mit dem Ablauf des gesamten Prozesses in der Pfarrei St. Ludgerus, zu der die Gemeinde Christus König gehört, ist etwa Bernd Grotegut.

Gemeindemitglied hat bereits Briefe geschrieben

Der 72-jährige pensionierte Lehrer war viele Jahre Gemeinderatsvorsitzender von Christus König. Er habe gemeinsam mit einem weiteren engagierten Gemeindemitglied bereits mehrere Beschwerdebriefe geschrieben, zuletzt an das Bischöfliche Generalvikariat. Dort sei seine Beschwerde abgelehnt worden, so Grotegut. Er setze weiterhin auf ein klärendes Gespräch, ziehe aber auch andere Wege in Betracht.

„Ich habe den Brief für die nächste Instanz schon im Entwurf fertig. Durch die Eingaben möchte ich den Prozess verlängern, weil noch viele Dinge aufgearbeitet werden müssen“, sagt Grotegut. Er hoffe natürlich, dass ein Verkauf oder Abriss von Christus König verhindert werden könne. Das erst 1975 erbaute Gotteshaus multifunktional angelegt und deshalb vielseitig nutzbar. Seiner Ansicht nach habe die Gemeinde schon mit dem Abriss der Filialkirche St. Maria Königin einen großen Beitrag zu den geforderten Einsparungen geleistet.

Konzept wurde erst nur im Internet veröffentlicht

„Die aktive Arbeit ist in St. Ludgerus zu spät angelaufen“, beklagt sich Grotegut. Erst im Oktober 2016 habe man sich zum Beispiel bei einer Versammlung in St. Kamillus eintragen können, um sich an den Arbeitsgruppen zu beteiligen. Er selbst habe an der Arbeitsgruppe Ökumene teilgenommen, berichtet der Haarzopfer. Die habe als erste ihre Arbeit Ende Februar 2017 aufgenommen, die anderen hätten sich erst im März getroffen.

Grotegut ist auch über die Tatsache befremdet, dass das Konzept, das die Gemeindemitglieder in der letzten Woche diskutieren sollten, zunächst nur im Internet veröffentlicht worden sei. „Die Gläubigen, die sich für die Zukunft ihrer Gemeinden interessieren, sind zum großen Teil älter und haben oft gar keinen Internetanschluss“, sagt der pensionierte Lehrer. Er selbst dagegen verfüge über einen Internetzugang und habe im Netz viel darüber gelesen, wie der Pfarreientwicklungsprozess in anderen Pfarreien angegangen wurde. „Da hat man ganz anders gearbeitet“, sagt Grotegut. Die Gemeinde warte bis heute auf eine Antwort der Pfarreileitung auf die gestellten Fragen zu Finanzdaten.

Gesprächsangebot von Bistum und Propstei

Das Generalvikariat bestätigt, dass Bernd Grotegut schriftlich nachgefragt habe, ob nicht die Verpflichtung zur Einberufung einer Pfarrei-Versammlung bestehe. Das sei nicht der Fall gewesen, weil der gesamte Prozess sowieso transparent angelegt sei, erläutert Thomas Rünker von der Pressestelle des Bistums. „Bei uns wird jede Beschwerde beantwortet. Ein Gesprächsangebot mit Herrn Grotegut steht, um bestehende Missverständnisse auszuräumen. Da bedarf es nur noch der Terminabsprache“, versichert Rünker.

Propst Jürgen Schmidt, Leiter der Pfarrei St. Ludgerus, zu der Christus König gehört, betont, dass der Prozess der Pfarreientwicklung der Propsteipfarrei St. Ludgerus in der Spur liege, die der Bischof für alle Pfarreien des Bistums vorgegeben habe. Den Verantwortlichen des Bischöflichen Generalvikariates werde regelmäßig über die einzelnen Schritte vor Ort berichtet. Für die Prozessgestaltung sei ein externer Begleiter durch das Bistum beauftragt worden.

Propst sieht den Prozess auf einem guten Weg

Den Vorwurf, die Arbeit am Pfarreientwicklungsprozess habe zu spät begonnen, weist Schmidt zurück. Bereits im Jahr 2015 seien den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates und der Gemeinderäte sowie des Kirchenvorstandes und des Pastoralteams die Daten und Fakten zu den demografischen, wirtschaftlichen und personellen Entwicklungen der Pfarrei vorgestellt worden. Im April 2016 seien die Mitglieder der Pfarrei in den Sonntagsgottesdiensten der Gemeinden über die Pfarreientwicklung informiert worden.

Im Oktober 2016 und Mai 2017 habe es laut Schmidt zwei weitere öffentliche Veranstaltungen gegeben, in denen interessierte Pfarreiangehörige Einblicke in den Stand des Prozesses erhalten konnten und Rückmeldungen ausdrücklich erbeten waren. In der vergangenen Woche hätten in vier gut besuchten Gemeindeversammlungen lebendige Diskussionen stattgefunden, die bei aller Kontroverse eine Vielzahl an konstruktiven Anregungen vermittelt hätten, so Schmidt.

Seitens der Pfarrei sei mit Bernd Grotegut und Vertretern des Bistums ein zeitnahes Treffen geplant. „Wir hoffen, dass sich bei dieser Gelegenheit die offenen Fragen und kritischen Punkte klären lassen“, so Jürgen Schmidt.

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