Wohnbebauung

Autowerkstatt muss nach 71 Jahren neuen Wohnungen weichen

Stehen vor einer ungewissen Zukunft: (v.l.) Dirk Rottko, Fabian Klose, Robert Naczynski,Jens Kallidat, Inhaber der 1a Autowerkstatt Kallidat und Alexander Mähl auf dem Hof der Werkstatt am Lehnsgrund. Die Autowerkstatt muss einer neuen Wohnbebauung auf der Margarethenhöhe weichen.

Stehen vor einer ungewissen Zukunft: (v.l.) Dirk Rottko, Fabian Klose, Robert Naczynski,Jens Kallidat, Inhaber der 1a Autowerkstatt Kallidat und Alexander Mähl auf dem Hof der Werkstatt am Lehnsgrund. Die Autowerkstatt muss einer neuen Wohnbebauung auf der Margarethenhöhe weichen.

Foto: Kerstin Kokoska

Margarethenhöhe.   Auf der Margarethenhöhe in Essen sind knapp 40 Wohnungen und ein Bürohaus geplant. Für die Autowerkstatt Kallidat bedeutet dies wohl das Aus.

Vor knapp 71 Jahren wurde das Familienunternehmen Kallidat gegründet, gilt auf der Margarethenhöhe längst als Institution. Nun will die Margarethe-Krupp-Stiftung (MKS) am Lehnsgrund/Ecke Altenau rund 40 Wohnungen plus Bürogebäude bauen. Für die KFZ-Werkstatt von Jens Kallidat könnte dies das Aus bedeuten.

Spätestens seit Anfang des Monats, als die MKS ihre Pläne – wie berichtet – öffentlich machte, gilt: Auf der Margarethenhöhe stehen gravierende Veränderungen an. Für die neuen Wohnungen müssen am Lehnsgrund neben der Autowerkstatt Kallidat auch der angrenzende Garagenhof sowie Bauhof weichen. Gleiches gilt für die Wohnhäuser Lehnsgrund 40-44 mit acht Wohnungen. „Ich wusste von den Plänen der MKS bereits seit August 2018, hatte aber vorerst Stillschweigen vereinbart, da es Gespräche über einen neuen Standort auf der Margarethenhöhe gab“, erklärt Jens Kallidat, der die Werkstatt im Januar 2008 von seinen Eltern übernahm.

Wohnhäuser werden nicht mehr neu vermietet

Vorher gab es nur Gerüchte und einzelne Indizien, die auch seine Kundschaft hellhörig werden ließen. Am 1. April zogen Kallidats Eltern aus dem Haus, das nun abgerissen werden soll. „Die Wohnungen wurden nicht mehr vermietet“, sagt Kallidat. Mittlerweile steht das Haus bis auf zwei Wohnungen leer.

Verlief die Umsiedlung der Altmieter laut Kallidat reibungslos („Ich denke, alle Mieter sind mit ihren neuen Wohnungen sehr zufrieden“), gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Werkstatt-Standort schwierig. „Ich selbst habe als Alternative den Schotterplatz neben der Feuerwache an der Sommerburgstraße und Lührmannwald ins Gespräch gebracht“, sagt Kallidat. Dieser Vorschlag sei von der MKS sofort akzeptiert worden. Dies bestätigt MKS-Vorstand Michael Flachmann: „Auch wir hatten schon an diese Lösung gedacht, weil es der einzige Platz auf der Margarethenhöhe ist, der geeignet wäre. Eine weitere Alternative vor Ort können wir nicht anbieten.“

Erste Bauanfrage für Alternativ-Standort abgelehnt

Wohl deshalb brachte die MKS einen weiteren Standort in Holsterhausen in die Diskussion ein. Von dem habe man, so Flachmann, „von einem unserer Unternehmer erfahren.“ Gemeinsam mit seinem Vater nahm Jens Kallidat das Grundstück an der Kämpenstraße nahe der Shell-Tankstelle bereits in Augenschein. „Doch wenn ich ehrlich bin, ist dieser Platz für uns eher die C-Lösung.“ Das Areal steht möglicherweise zur Pacht oder sogar zum Verkauf. Doch genau sagen kann dies derzeit niemand, „weil der Eigentümer seit Monaten nicht erreichbar ist“, erklärt Michael Flachmann.

Noch schlimmer: Die Chance für den Standort auf der Margarethenhöhe ist alles andere als gut. Kallidat: „Die MKS hat zwar eine Bauvoranfrage für das Grundstück neben der Feuerwache gestellt, doch diese wurde in erster Instanz bereits abgelehnt.“ Eine Autowerkstatt füge sich nicht in die Umgebungsbebauung ein und sei deshalb planungsrechtlich unzulässig, teilte Essens OB Thomas Kufen nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachbereich per Brief mit.

Anfang Juni soll die Stadt in der Sache entscheiden

Die MKS hat bereits Einspruch erhoben, doch auch Michael Flachmann gibt zu: „Wenn sich die Stadt an die Buchstaben des Gesetzes hält, hat der Antrag keine Chance. Wenn sich heute ein ähnliches Unternehmen dort ansiedeln wollte, würde es wohl krachend scheitern.“ Deshalb hoffe die MKS auf eine Sondergenehmigung, weil das Familienunternehmen schon so lange im Quartier verwurzelt ist. Eine Antwort der Stadt wird Anfang Juni erwartet, so Flachmann.

Im Hause Kallidat wächst die Zukunftsangst: „Ich habe vier Angestellte in Vollzeit und eine 400-Euro-Kraft“, sagt Jens Kallidat. „Die fürchten um ihren Arbeitsplatz.“ Auch für ihn sei ein Neustart nicht einfach. „Und mit 45 Jahren kann ich ja noch nicht in Rente gehen.“

Auch seine Kunden sind besorgt, wollen wissen, ob sie sich Gedanken über Garantiezeiten von Reparaturen machen müssen. Oder ob es sich überhaupt noch lohnt, etwas in Auftrag zu geben. Bislang konnte Jens Kallidat die Gemüter beruhigen. „Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2020 beginnen, die MKS will jedoch nicht direkt vor meinem Laden anfangen. Noch ist also etwas Zeit.“

>> MKS BIETET HILFE BEIM UMZUG AN

  • Das Familienunternehmen wurde 1948 von Albert Eickmeier, dem Urgroßonkel, gegründet – damals mit Aral-Tankstelle, der zweiten in Essen überhaupt.
  • Wohin die Reise geht, ist noch offen. Die MKS hat Hilfe angeboten: „Herr Kallidat soll uns mitteilen, welche Investitionen er plant. Wir versuchen, ihn dann beim Wechsel zu unterstützen.“

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