Geschichte

Als Margarethe Krupp der Stadt einen Waldpark schenkte

Christian Henkes, Autor Jürgen Malone und Grafiker Manfred Raub (v.l.) von der Bürgerschaft Margarethenhöhe stellen das neue Buch vor.

Christian Henkes, Autor Jürgen Malone und Grafiker Manfred Raub (v.l.) von der Bürgerschaft Margarethenhöhe stellen das neue Buch vor.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Margarethenhöhe.  Täler um die Margarethenhöhe ließ Margarethe Krupp aufforsten und schenkte sie der Stadt. Neues Buch widmet sich dieser unbekannten Geschichte.

Zugewucherte Wege voller Schlaglöcher, umgestürzte Bäume, kaputte Geländer – der Zustand des Mühlbach- und Nachtigallentals und der Sommerburg lassen zu wünschen übrig. Was die wenigsten wissen: Einst hat Margarethe Krupp die drei Grünflächen rund um die historische Margarethenhöhe erworben und 1907 der Stadt Essen geschenkt. Mit der Auflage, den Waldpark nicht zu bebauen und als Naherholungsgebiet für die Essener Bürger zu pflegen.

Über die Geschichte dieser „Promenadenschenkung“ hat nun Jürgen Malone von der Bürgerschaft Margarethenhöhe ein Buch herausgebracht. „Mein Motiv, darüber zu recherchieren, ist natürlich der schlechte Zustand des Waldparks“, sagt Malone, „ich wollte einfach wissen und aufzeigen, wie die Schenkung vonstatten ging und wer heute für diese Fläche zuständig ist.“

1904 hat Margarethe Krupp zeitgleich mit dem Kauf des Stiftungsgrundstücks für die Gartenstadt Margarethenhöhe die umliegenden Wiesen und Wälder erstanden. 500.000 Mark gab sie aus ihrer Privatschatulle dafür aus, und zusätzliche 100.000 Mark für die Aufforstung des Geländes. Ihre Absicht: Die neue Siedlung sollte in eine grüne, gesunde Umgebung eingebettet sein.

Waldpark hat die gleiche Größe wie die Siedlung

50 Hektar groß ist der so entstandene Waldpark, die gleiche Größe hatte übrigens auch das Baugelände. Dank dieser Zugabe konnte Georg Metzendorf, Erbauer der Margarethenhöhe, Stadt und Landschaftsraum bereits bei der Planung als Einheit behandeln – ein Vorgang, der in der Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts einmalig ist. Zwölf jeweils unterschiedliche Zugänge verknüpfen die Siedlung mit der umliegenden Landschaft – damit wurde der Waldpark zum festen Bestandteil der Margarethenhöhe.

Genau auf diese Besonderheit will Jürgen Malone in seinem Werk aufmerksam machen. „Über die Jahrzehnte scheint es in Vergessenheit geraten zu sein, dass die drei zur Kruppsiedlung Margarethenhöhe gehören und quasi künstlich angelegt wurden.“ Die Stifterin ließ die damals spärlich bewachsenen Ländereien nicht nur aufforsten, nach ihrem Wunsch wurden auch Wege angelegt und Bäche zu Teichen aufgestaut. 1918 wurde die Sommerburg, und erst 1920 das Nachtigallental für die Öffentlichkeit freigegeben.

Ein Erholungsgebiet von seltener Schönheit, befand damals die Stadt

„Damals wuchs die Essener Bevölkerung rasant. Wohnraum war dringend nötig. Die Menschen mussten irgendwie untergebracht werden. Von großen Erholungsflächen, Parks oder Wäldern war die Stadt weit entfernt“, so Malone. Umso höher sei die Weitsicht von Margarethe Krupp zu bewerten.

Und schon damals erkannten die Stadtverantwortlichen den Wert dieses Kaufs: „Dieses Gebiet, dass sich im Besitz von Frau Krupp befindet, wurde durch diese eine glückliche Fügung der Bodenspekulation gänzlich entzogen“, schrieb der Essener Beigeordnete Paul Brandi 1912 in einem Aufsatz und rühmt das so entstandene „Erholungsgebiet von seltener Schönheit, dass der arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeit gewährt, sich in Wald und Feld zu erfrischen.“

Die Schönheit ist in allen drei Siepentälern immer noch da, doch von einer Waldparkanlage, wie sie sich Margarethe Krupp vorgestellt hat, ist der Grüngürtel um die Gartensiedlung weit entfernt. „Es gab mal städtische Pläne zur Renaturierung des Nachtigallentals, aber die sind in der Versenkung verschwunden“, sagt Christian Henkes, Vorsitzender des Bürgervereins.

Grün und Gruga vernachlässigt die Pflege

Immer wieder habe der Verein Grün und Gruga angeschrieben und auf den verwilderten Zustand hingewiesen. „Die Stadt muss endlich handeln. Doch es fehlt an Geld und Leuten“, weiß Henkes. So werde der Waldpark weiterhin sich selbst überlassen und verwildere zunehmend.

„Wir hatten ja schon die Hoffnung, dass der Titel Grüne Hauptstadt etwas bewirkt und die Stadt tätig wird“, seufzt Malone. Weit gefehlt. Nun hoffen die engagierten Bürger auf die Internationale Gartenausstellung. Die kommt allerdings erst 2027 ins Ruhrgebiet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben