Lebensweg

25-jährige Essenerin freut sich auf ihr Leben im Kloster

Katharina Welz hat ihren Weg gefunden. Sie will ihr Leben im Kloster verbringen.

Katharina Welz hat ihren Weg gefunden. Sie will ihr Leben im Kloster verbringen.

Foto: Essen

Essen-Holsterhausen.   Katharina Welz wohnt seit August im BMV-Kloster in Holsterhausen. Sie ist überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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Zum Jahreswechsel denken viele Menschen darüber nach, ob und wie sie ihr Leben verändern könnten. Katharina Welz hat diesen Schritt bereits getan. Die 25-Jährige lebt seit August im BMV-Kloster und will in den Orden eintreten. Das Konvent an der Bardelebenstraße gehört der deutschsprachigen Föderation der Augustiner Chorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis (BMV) an.

Katharina Welz begrüßt uns freudestrahlend. Die junge Frau in Jeans wirkt wie eine Studentin. Der Abschluss an der Uni Siegen, wo sie Englisch und Religion auf Lehramt studiert hat, ist geschafft. Doch das Referendariat an der Schule hat sie erst einmal aufgeschoben – zugunsten ihrer Ausbildung im Kloster der Augustiner Chorfrauen, der Schwestern der BMV-Schule, an der Katharina Welz 2009 Abitur gemacht hat. Dort will sie nicht nur unterrichten. Katharina Welz will Ordensschwester werden. Seit August ist sie Postulantin im Kloster, eine Art Anwärterin, der erste Schritt in Richtung ewige Profess.

Teilnahme am Weltjugendtag änderte die Einstellung

„Die ersten Monate hier waren sehr gut. Ich freue mich auf mehr“, sagt Katharina Welz, die bereits jetzt überzeugt ist, den Weg weiterzugehen und in einigen Jahren die ewigen Gelübde abzulegen. Dass ehemalige Schülerinnen als Lehrerinnen an die BMV zurückkommen, passiert häufiger; dass das Kloster Nachwuchs bekommt, eher selten. Katharina Welz wird die 13. Schwester im BMV-Kloster sein. „Vier von uns sind unter 70“, beschreibt sie die Altersstruktur.

Wer vermutet, Katharina Welz komme aus einer sehr religiösen Familie, liegt falsch. Ihr 1996 verstorbener Vater wollte nicht, dass sie getauft wird, ihre Mutter, die heute noch ganz in der Nähe der BMV wohnt, überließ die Entscheidung der Tochter. „Ich habe immer mal wieder überlegt, mich taufen zu lassen, mich aber letztendlich erst mit 17 dazu entschlossen und bin dann in der BMV-Kirche getauft worden“, berichtet sie. Als ihre Freundinnen zur Erstkommunion gingen und sich vor allem auf die Geschenke freuten, erschien ihr das kein vernünftiger Grund zu sein, sich taufen zu lassen. Erst ihre Teilnahme am Weltjugendtag 2005 in Köln veränderte ihre Einstellung. Sie ließ sich von der Begeisterung anstecken: „Da habe ich gemerkt, dass Kirche sehr wohl etwas für junge Leute ist.“ Ihren ersten Kontakt mit dem Kloster hatte sie an einem Sonntag, den sie im Kreise der Schwestern verlebte. „Das ist ein Angebot, um das Leben hier kennenzulernen. Ich war neugierig, aber allein habe ich mich nicht getraut, eine Freundin musste mitkommen“, erinnert sie sich.

Mutter akzeptiert ihre Entscheidung

Danach nahm sie noch mehrfach an der sogenannten „Ora et labora“ (Bete und arbeite)-Woche im Kloster teil, bei der Schülerinnen das Klosterleben ausprobieren können. Was sie erlebte, gefiel ihr: Sie sei begeistert gewesen, habe die Atmosphäre als sehr anrührend erlebt. „Und ich habe erfahren, dass die Schwestern ein sehr lebenswertes Leben führen, dass sie lachen, quatschen, fröhlich sind und sich keineswegs abschotten“, sagt die 25-Jährige. Regelrecht verliebt habe sie sich in das Stundengebet.

Während des Studiums in Siegen sei der Kontakt zum BMV-Kloster weniger geworden, aber nie eingeschlafen. Die Studentin besuchte auch andere Klöster, doch der Gedanke, bei den Augustiner Chorfrauen einzutreten, ließ sie seit dem Abitur nicht mehr los. Als sie das Latinum nachholen musste, habe das erst einmal ihre ganze Kraft erfordert. „Als ich es geschafft hatte, habe ich das als eine Art Zeichen gesehen, dass es so sein soll.“

Als sie 2013 nach Essen zurückkehrte, führte sie viele Gespräche im Kloster, nutzte ein neunwöchiges Praktikum 2014, bei dem sie mit den Schwestern lebte, als Probezeit für sich – und wollte immer noch. Ihre Mutter habe sich langsam an den Gedanken gewöhnt, dass ihr einziges Kind ins Kloster gehen möchte. „Sie fand es komisch, dass ausgerechnet ich das will, hat aber letztlich akzeptiert, dass dies mein Weg ist und schließlich sogar gesagt: Dann geh’ endlich!“, blickt Katharina Welz zurück. „Sie hat gemerkt, dass das Gefühl nicht mehr weggeht und hat zugestimmt, dass ich die geerbte Eigentumswohnung verkaufe und komplett ins Kloster ziehe. Aber ich darf auch gern zurückkommen, hat sie gesagt.“ Das ist jedoch zurzeit kein Thema für die 25-Jährige, die keine Angst davor hat, auf viele Dinge, zum Beispiel Einkaufen, zu verzichten. „Ich war eh keine Shopping-Queen.“ Ja, sie habe auch über das Thema Familie nachgedacht. Durch ein Auslandssemester in den USA habe sie das Ganze mit dem nötigen Abstand betrachtet. „Natürlich hätte es sein können, dass ich mich verliebe. Aber da der Richtige nicht gekommen ist, habe ich auch das als Zeichen gesehen.“

Bis Katharina Welz die Gelübde zur ewigen Profess ablegt, dauert es noch einige Jahre. Seit August ist sie Postulantin, wohnt offiziell in einem Einzelzimmer im Kloster an der Bardeleben­straße, lernt die Abläufe kennen. „Inzwischen darf ich vorbeten und die Messe mit vorbereiten“, sagt die 25-Jährige. Derzeit unterrichtet sie nicht, beteiligt sich aber an der Hausaufgabenbetreuung. Diese Phase ihrer klösterlichen Ausbildung könnte bald beendet sein, sie dauert zwischen sechs Monaten und zwei Jahren – „je nachdem, wie viel Zeit ich für mich brauche“.

Danach folgt in Absprache mit der Oberin das einjährige Noviziat. Dieses ist mit der Einkleidung mit der Ordenstracht, genannt Habit, als äußerliches Zeichen verbunden. Zur Einkleidung gebe es eine Feier, an der auch ihre Mutter teilnehmen könne. Dass ihre halblangen blonden Haare dann fallen müssten, sei nur ein Gerücht. „Ich kann die Haare tragen, wie ich möchte. Aber natürlich macht eine praktische Frisur Sinn, die auch unter die Haube passt“, erklärt die junge Frau. Die in der Regel maßgeschneiderte Tracht bekomme man in zwei- bis dreifacher Ausführung.

Ordenstracht und neuer Name

„Zu dem Zeitpunkt bekomme ich auch meinen Namen“, sagt die 25-Jährige. Das könne der eigene Vorname sein oder der Name einer Heiligen, die ihr nahe sei und deren Ziele sie teile. Da ihr Vorname Katharina im Kloster schon vergeben sei, werde sie auf jeden Fall einen anderen Namen bekommen. Während des Noviziats verbringe man die meiste Zeit im Kloster, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. „In dieser Zeit wäre auch das Referendariat, meine weitere Ausbildung an der Schule, nicht möglich“, erläutert Katharina Welz. Ans Noviziat schließe sich die dreijährige zeitliche Profess an, in der man sich bereits zu Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit und im speziellen Fall der Augustiner Chorfrauen zur Erfüllung des Bildungsauftrags verpflichte. Nach der zeitlichen kommt die ewige Profess. „Das ist dann eigentlich endgültig. Man ist sich sicher, sein gesamtes Leben im Kloster verbringen zu wollen“, sagt die 25-Jährige lächelnd und wirkt dabei, als könne sie sich das durchaus vorstellen. Sollte eine Schwester später dennoch den Orden verlassen wollen, müsse der Papst entscheiden.

Der Weg bis zu den ewigen Gelübden sei relativ weit und biete genug Zeit, Klarheit zu finden, sich zu entwickeln. „Auch andere junge Frauen in meinem Alter erleben eine Zeit der Veränderung, gründen vielleicht eine Familie. Für mich ist das Leben im Kloster die Veränderung. Und zwar eine gute, denn ich bin sehr gern hier.“

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