Selbsthilfe

Sucht-Probleme: Austausch für Betroffene über Videokonferenz

Sucht hat häufig etwas mit Alkohol zu tun, doch auch Medikamenten- und Drogensucht sind regelmäßig Themen in Selbsthilfegruppen.

Sucht hat häufig etwas mit Alkohol zu tun, doch auch Medikamenten- und Drogensucht sind regelmäßig Themen in Selbsthilfegruppen.

Foto: Alexander Heinl / picture alliance/dpa

Essen.  Die Corona-Pandemie setzt Suchtkranke unter erheblichen Druck. Eine Videokonferenz-Reihe will Abhilfe schaffen.

Eine vierteilige Videokonferenz lädt alle interessierten Bürger ab Mitte August dazu ein, über das Thema Sucht zu sprechen. Die Selbsthilfekoordination „Wiese e.V“. lädt Betroffene, Angehörige und Fachleute zum Informationsaustausch ein. Die Reihe „Sucht - wir reden darüber“ startet am 12. August.

Es ist die dritte Veranstaltung der Reihe „Wir reden darüber“, die sich mit dem Thema Sucht beschäftigt; zum Thema Depression gab es die Reihe bereits neunmal - immer mit regem Zuspruch, immer als echter Treff mit richtigen Begegnungen. „Erstmals wegen Corona verlegen wir die Veranstaltung jetzt ins Internet“, sagt Gabriele Becker von „Wiese e.V.“ Mit dem Videokonferenzprogramm „Zoom“ können sich alle interessierten Bürger zu den festgelegten Terminen und nach vorheriger Anmeldung einwählen.

Corona-Isolation stellt Suchtkranke vor erhebliche Probleme

Wie schon die „Suchthilfe direkt“ der Stadt Essen festgestellt hat, führt die Isolation durch Corona zu einer erheblichen Zahl an Rückfällen unter Suchtkranken. „Vereinsamung ist das große Problem, denn die meisten Treffen von Selbsthilfegruppen finden noch nicht statt“, sagt der ehemalige Alkoholiker Uwe, der heute trocken ist und für den Kreuzbund e.V. arbeitet. Auch das Blaue Kreuz, Al-Anon und Einrichtungen wie das Haus St. Augustinus sind an der Organisation der Veranstaltung beteiligt. Das Haus St. Augustinus in Heidhausen kümmert sich um Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen - darunter sind viele ehemalige Suchtkranke. „Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in den Einrichtungen wächst die Zahl der Schwierigkeiten von Suchtkranken wegen der Corona-Krise“, sagt Klaus Sander, der Einrichtungsleiter.

Angst, Depression, Sucht sind die großen Themen - seit Corona mehr denn je

Die Videokonferenz-Reihe will Abhilfe schaffen: Am Anfang jeder Runde steht ein Impulsvortrag – Fachleute sprechen kurz über verschiedene Aspekte der Sucht, dann können sich die Teilnehmer austauschen. Dass Corona grundsätzlich vielen Menschen auf die Psyche drückt, weil gewohnte Treffen, auch mit Freunden, nicht mehr stattfinden, stellt Gabriele Becker von „Wiese e.V.“ seit vielen Wochen fest: „Wir bekommen Anrufe mit Fragen nach Selbsthilfegruppen, und es gibt nur noch die Themen Sucht, Depression und Ängste.“ Die „Wiese“ koordiniert die Arbeit von etwa 300 Selbsthilfegruppen in Essen, und die meisten Treffen können derzeit noch nicht stattfinden, weil sonst häufig Krankenhäuser ihre Räume den Selbsthilfegruppen zur Verfügung stellen. In den Kliniken sind die Hygiene-Vorschriften am strengsten; die Besucherzahl wird weiter so niedrig wie möglich gehalten.

Wer an den Videokonferenzen der Reihe teilnehmen möchte, muss sich spätestens zwei Tage vorher per E-Mail anmelden: selbsthilfe@wiesenetz.ruhr.

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