Kultur

Studio Bühne Essen: Das Dorffest als Gesellschaftsstudie

Sehenswerte Konfusionen: Szenenfoto (v. li.) mit Frauke Souren (Milly), Armin Goertz (Gosforth), Kirsten Fenner (Mrs. Pearce) und Ralph Evers (Pfarrer).

Foto: Nolde

Sehenswerte Konfusionen: Szenenfoto (v. li.) mit Frauke Souren (Milly), Armin Goertz (Gosforth), Kirsten Fenner (Mrs. Pearce) und Ralph Evers (Pfarrer). Foto: Nolde

Essen.   Die Essener Studio-Bühne startet mit „Konfusionen“ in die neue Spielzeit. Dabei stehen die menschliche Schrullen im Mittelpunkt.

Eine Übermutter kurz vor dem Burnout, ein lüsterner Geschäftsmann auf Partnersuche, Szenen einer Ehe im Nobelrestaurant und ein Dorffest außer Rand und Band – mit dem Titel „Konfusionen“ macht die Studio-Bühne in Essen ihrer ersten Premiere in der neuen Spielzeit alle Ehre.

Das Stück, bestehend aus vier Einaktern, stammt aus der Feder des englischen Dramatikers Sir Alan Ayckbourn – vielfach als „britischer Loriot“ tituliert. Und tatsächlich gibt es Momente im Stück, die an glanzvolle Auftritte von Vicco von Bülow und Evelyn Hamann erinnern.

Sechs Schauspieler schlüpfen in 17 Rollen

Wenn das Genre der Sketchkomödie auch bereits zahlreich bedient worden ist – die Studio-Bühne muss sich hinter den großen Namen nicht verstecken. Stefanie Beckmann lässt sechs Schauspieler in 17 Rollen schlüpfen und beweist, dass gekonnt inszenierter, feinsinniger Humor boulevardhafte Kalauerei in den Schatten stellt.

Wenn Stephanie Kissing in der Rolle einer mehr oder minder alleinerziehenden Hausfrau zu den Waffen einer Mutter greift und den Streit des Nachbarehepaars schließlich mit Kasperletheater und Co. schlichtet, wenn Ralph Evers als liebestoller Geschäftsmann nach einem hinreißend stümperhaften Flirt seinen Zimmerschlüssel unverhohlen promiskuitiv als „faires Angebot“ auf dem Bartisch liegen lässt oder ein Ober (Armin Goertz) den Ehestreit privilegierter Paare ausbaden muss, kann eigentlich kein Auge trocken bleiben. Immer wieder sind es auch die stillen Rollen, die den Szenen eine besondere Komik verleihen. Da rechtfertigt beinahe allein schon Michael Steinhorsts Mimik als Barkeeper den Theaterbesuch.

Schrulliger Kosmos des Dorffestes wird zum Humorfeuerwerk

Der Höhepunkt ist unzweifelhaft der letzte Akt – Stefanie Beckmann inszeniert darin ein Dorffest, das sich von einer Katastrophe zur nächsten hangelt. Wohl jeder, der schon einmal ein solches Fest besucht hat, wird etwas wiedererkennen: Die schmierige Lokalpolitikerin (Kirsten Fenner), die zwar angeekelt von ihren proletenhaften Wählern ist, eben diese aber auch um keinen Preis vergraulen will, eine untreue Landpomeranze (Frauke Souren) und erbarmungsloses Regenwetter.

Somit ist es neben einem hervorragenden Ensemble auch die Detailverliebtheit der Inszenierung, die den schrulligen Kosmos des Dorffestes zum wahren Humorfeuerwerk werden lässt und dem Publikum die Komik aufzeigt, die manche Errungenschaften menschlicher Kultur unweigerlich in sich tragen. Termine: 29./30.9., 24./25./26.11..

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