Deutsche Bahn

Streit um Bahn-Werbung mit Essener Sternekoch Nelson Müller

So sieht der Kopf der neuen Bahn-Homepage aus. Links: Nelson Müller, dritte von links. Nazan Eckes.

So sieht der Kopf der neuen Bahn-Homepage aus. Links: Nelson Müller, dritte von links. Nazan Eckes.

Essen.   Bahn AG wirbt mit Bürgern mit Migrationshintergrund. Tübingens OB Boris Palmer findet das nicht repräsentativ – und entschuldigt sich bei Müller.

Der Essener Fernsehkoch Nelson Müller steht im Zentrum einer Multi-Kulti-Debatte um die neu gestaltete Internet-Seite der Deutschen Bahn. Ausgelöst hat die Diskussion der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (Grüne), am Dienstag.

„Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Seit Mitte April sind auf der Startseite der Bahn mehrere Zugreisende mit unterschiedlicher Hautfarbe zu sehen. Dazu zählen neben Nelson Müller, Sohn ghanaischer Einwanderer, auch die türkischstämmige Schauspielerin Nazan Eckes sowie der deutsch-finnische Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. „Ich finde es nicht nachvollziehbar“, hatte Boris Palmer im Netzwerk Facebook geschrieben, „nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Nelson Müller fühlte sich „persönlich diskriminiert“

Damit löste er eine heftige Debatte aus, die sich ab Dienstag binnen weniger Stunden durch das Internet zog. Und prompt Reaktionen auslöste: Er fühle sich „persönlich diskriminiert“, schrieb Nelson Müller in sein Profil im Netzwerk Instagram. Er sei „tief bestürzt, dass ein Mensch in so einer verantwortlichen Position diese Diskussion erneut auf so eine negative Art und Weise anfeuert.“

Restaurantbetreiber Müller, in Stuttgart aufgewachsen, seit Jahren im Ruhrgebiet zu Hause und Verfasser des Buches „Heimatliebe – meine deutsche Küche“, will auf Anfrage unserer Redaktion sich nicht weiter zum Thema äußern: „Dazu ist jetzt alles gesagt.“ Auch die Bahn reagierte schnell auf die Kritik des Tübinger Oberbürgermeisters: „Herr Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab“, twitterte die Pressestelle des Konzerns am Dienstag.

Entschuldigung, „dass ich Sie nicht gekannt und erkannt habe“

Mittlerweile hat sich Palmer bei Müller entschuldigt: „Ich fühle mich als Schwabe wie Sie“, schrieb Palmer am Mittwochmittag bei Facebook.

Er frage sich nur, welche Gesellschaft die Bahn abbilden will, wenn Menschen ohne Migrationshintergrund nicht mehr vorkämen. „Wenn Bilder den Eindruck erwecken, dass ich nicht mehr Teil der Gesellschaft bin oder sein soll, dann möchte ich Gründe dafür kennen.“

Palmer entschuldigte sich bei Nelson Müller auch dafür, „dass ich Sie nicht gekannt und erkannt habe. Das war eine Bildungslücke“.

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