Bezirksvertretung Altenessen

Streit über nicht barrierefreien Tagungsort der Politiker

Der Saal des Friedrich-Ebert-Seniorenzentrums in Altenessen (unten rechts) steht derzeit für die Bezirksvertretung V nicht zur Verfügung.

Der Saal des Friedrich-Ebert-Seniorenzentrums in Altenessen (unten rechts) steht derzeit für die Bezirksvertretung V nicht zur Verfügung.

Foto: Rüdiger Hagenbucher

Essen-Altenessen.   Das Friedrich-Ebert-Seniorenzentrum steht als traditioneller Tagungsort derzeit nicht zur Verfügung. Nun trifft sich das Gremium im alten Rathaus

Seit 30 Jahren ist Hans-Wilhelm Zwiehoff nun schon Mitglied der Bezirksvertretung V in Altenessen, davon viele Jahre als Bezirksbürgermeister an erster Stelle. Doch so heimatlos wie derzeit fühlte sich der 65-jährige SPD-Politiker bisher selten. Der Grund: Seine Bezirksvertretung kann derzeit nicht im großen Saal des Friedrich-Ebert-Seniorenzentrums an der Schonnefeldstraße tagen. Dort werden derzeit die Doppelzimmer nach den Vorgaben des Pflegegesetzes abgeschafft, so dass wegen des erhöhten Pflegebedarfs nicht genügend Personal zur Vorbereitung der Sitzungen bereit steht. Die Bezirkspolitiker treffen sich deshalb vorübergehend in der Bezirksverwaltungsstelle an der Altenessener Straße 196 – und das hat für ernsthaften Unmut gesorgt.

Denn dort steht nur der Besprechungsraum in der 1. Etage zur Verfügung, das denkmalgeschützte Haus hat keinen Fahrstuhl. Ahmad Omeirat, Bezirksvertreter der Grünen, stellte deshalb den Antrag, „wie bei der Mehrzahl der anderen Bezirksvertretungen in Essen üblich, künftig nur Tagungsorte (zu) nutzen, die über einen ebenerdigen Zugang oder Aufzug verfügen.“

Heftiger Schlagabtausch

Walter Wandtke, Ratsherr der Grünen, schlägt als Ausweichorte die Gesamtschule in Vogelheim oder die Zeche Carl vor. Doch die übrigen Parteien sprachen sie für die Bezirksverwaltungsstelle als Tagungsort aus. Die Ablehnung des Grünen-Antrags führte zuletzt noch zu einem äußerst heftigen verbalen Schlagabtausch in der Bezirksvertretung zwischen Ahmad Omeirat und Stefan Patrick Kutzner (CDU).

Doch Hans-Wilhelm Zwiehoff verteidigt das Ausweichquartier. Es sei nicht nur für die Mitarbeiter der Verwaltung dank der kurzen Wege im eigenen Haus günstiger, sondern es strapaziere auch nicht so sehr die Stadtkasse. Während der Saal im Awo-Seniorenzentrum für eine „unspektakulär“ niedrige Summe von 50 Euro überlassen werde, koste der Raum in der Zeche Carl ein Vielfaches. „Wir wissen, dass Walter Wandtke hinter der Zeche Carl steht, aber das tun die anderen Bezirksvertreter auch“, sagt Hans-Wilhelm Zwiehoff. Rabatte seien dort aber nicht möglich:„Die Zeche Carl soll und darf bei der Miete keine Ausnahme machen.“ Außerdem sei in all den Jahren kein Rollstuhlfahrer in die Bezirksvertretung gekommen. Ahmad Omeirat beharrt dagegen darauf, dass „wir die politische Teilhabe aller Menschen ermöglichen möchten“.

Warten auf die Rückkehr ins gewohnte Umfeld

Auf die Rückkehr ins Friedrich-Ebert-Seniorenzentrum wartet aber auch der Bezirksbürgermeister sehnlichst. Schließlich biete es bei langen Sitzungen eine Bewirtung an, und die Nachbesprechung könne am Tresen stattfinden.

Wenn es mit der Rückkehr in den ersten beiden Monaten 2019 nicht klappt, dann könnte er sich eine Visite im neuen interkulturellen Zentrum an der Karl-Denkhaus-Straße vorstellen. „Das habe ich Willi Overbeck versprochen“, lacht Hans-Wilhelm Zwiehoff.

Sahle ist Eigentümer – Awo die Betreiberin

Eigentümer des Seniorenheims an der Schonnefeldstraße ist „Sahle Wohnen“, das Anfang der 1960er Jahre von dem Schuhproduzenten Paul Sahle im münsterländischen Greven gegründet wurde.

Betrieben wird das Seniorenheim von der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Das Haus verfügt über 140 vollstationäre Pflegeplätze sowie zehn Kurzzeitpflegeplätze.

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