Klangperformance

„Stomp“ im Colosseum: Konzertereignis mit alter Küchenspüle

Akustische Altreifenverwertung: Bei „Stomp“ wird auf ganz unterschiedlichen Alltagsgegenständen herumgetrommelt.

Akustische Altreifenverwertung: Bei „Stomp“ wird auf ganz unterschiedlichen Alltagsgegenständen herumgetrommelt.

Foto: Steve McNicholas

Essen.   Klangperformance zwischen Streichholz-Serenade und Abflussrohr-Ouvertüre: Die Percussion-Formation „Stomp“ begeistert im Colosseum Essen.

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Der hämmernde Rhythmus gibt auch dann noch den Herzschlag vor, als die letzte Verbeugungswelle schon lange vorbei, das Klatschen im voll besetzten Colosseum verklungen ist. Dort hat „Stomp“ 100 Minuten lang das Publikum geradezu elektrisiert: mit einer Klangperformance, die ihresgleichen sucht. Ob Besen, Streichholzschachteln, Plastikeimer oder die Zeitung vom Vortag – alles, was die acht Performer zwischen ihre Finger bekommen, verwandeln sie in hin- und mitreißende Klänge und Rhythmen.

Denn das ist das Markenzeichen dieser Show, die Luke Cresswell und Steve McNicholas erfunden und im Mai 1990 im englischen Brighton zur Uraufführung gebracht haben: „Wir verwenden Dinge, die jeder täglich benutzt. Man muss nur ihr Potenzial erkennen“, bringen sie ihr Erfolgsgeheimnis auf den Punkt. Und so tanzen die acht muskelbepackten Perkussionisten mit dem Autoreifen, bringen Nirosta-Küchenspülen zum Klingen und entlocken metallenen Einkaufswägen ungeahnte Töne. Das machen sie so perfekt, so überschäumend, so dynamisch und so energiegeladen, dass dem Publikum vor Staunen der Mund offen stehen bleibt.

Schon die erste Szene löst jubelnden Beifall aus: Da schwingen zunächst nur die Besen im Takt um dann, von Händen und Füßen unterstützt, ein wahres Fege-Feuer zu entfachen. Mit einer unglaublichen Wucht und Intensität bespielen die acht unterschiedlichen Stomp-Charaktere, darunter zwei Frauen, die Bühne und bilden ein vielstimmiges Orchester – mal mit klickenden Feuerzeugen, dann mit quakenden Abflussrohren und raschelnden Plastiktüten. Dazu wird der Rhythmus hart gestampft, dann wieder geklatscht, geschnippt und gewischt und entführt den Zuhörer in eine wahre Wunderwelt der Töne.

Hier gibt es Angeber und Außenseiter, Clowns und coole Typen

Ein bisschen Humor und Slapstick darf bei „Stomp“ natürlich nicht fehlen und ist sozusagen das I-Tüpfelchen dieser perfekt durchchoreographierten Show. Dafür sorgen die verschiedenen Stomp-Charaktere: Vom Angeber bis zum Außenseiter, vom Clown bis zum coolen Typen, vom Spinner bis zum tollen Hecht – jeder bringt eine ganz eigene Facette mit ins wort- aber nicht tonlose Spiel und sorgt so für lakonisch eingestreute, komische Szenen.

Das virtuose Percussionskonzert erreicht seinen ersten Höhepunkt, als die Klangwerker das vertikal angebrachte Riesenschlagzeug erklimmen und Bühne und Publikumssaal mit ihrem Trommelwirbel zum Beben bringen. Der geht durch Mark und Bein und gibt den Rhythmus des Herzschlags vor. Doch das Ensemble kann noch mehr: Nach einer kurzen Erholung, für die eine zarte Streichholzschachtel-Serenade sorgt, dreht es beim furiosen wild-wummernden Finale mit Müllblecheimern und Deckeln noch einmal so richtig auf. Das ist kraftvoll, wunderbar und ein Klangerlebnis, das man so schnell nicht vergisst – und am liebsten morgen wieder erleben möchte: Stomp ist eben eine Show mit enormen Suchtpotenzial.

>>>VON BRIGHTON AUS IN DIE GANZE WELT<<<

  • Die Formation „Stomp“ ist noch bis zum 24. Februar im Colosseum-Theater, Altendorfer Straße, zu sehen. Tickets unter 0209 - 14 77 92 und www.bb-promotion.com
  • Erfunden wurde „Stomp“ vor fast 30 Jahren von dem Perkussionisten Luke Cresswell und dem Schauspieler und Sänger Steve McNicholas in Brighton. Die Truppe wurde ein Dauerrenner am Broadway, im Londoner West-End und auf den Bühnen in der ganzen Welt.

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