Verkehrssicherung

Steinschlag: Fels im Löwental in Essen-Werden wird gesichert

Die Felswand im Werdener Löwental reicht bis zu einer Höhe von circa 60 Metern über dem vorhanden Straßenniveau der B 224 bzw. der S-Bahnstrecke. Die Baumaßnahme wird auf einer Länge von 80 Metern ausgeführt. Die Kosten liegen bei circa 300.000 Euro netto.

Die Felswand im Werdener Löwental reicht bis zu einer Höhe von circa 60 Metern über dem vorhanden Straßenniveau der B 224 bzw. der S-Bahnstrecke. Die Baumaßnahme wird auf einer Länge von 80 Metern ausgeführt. Die Kosten liegen bei circa 300.000 Euro netto.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Werden.  Ein akutes Risiko besteht nicht. Doch immer wieder gehen Steinbrocken von der 60 Meter hohen Wand im Löwental ab. Was nun zur Sicherung geschieht.

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Seit einigen Wochen wird am Felshang entlang der Bredeneyer Straße/B 224 gearbeitet: Stellenweise steigen dichte Staubwolken auf, wenn in das Gestein gebohrt wird. Nicht wenige Bürger wundern sich über die aufwendigen Arbeiten, die eine Spezialfirma aus Meschede ausführt. Es handelt sich um eine von Grün und Gruga beauftragte Maßnahme der Felssicherung, deren Hintergründe Diplom-Ingenieur Christian Spang (Ingenieurbau Dr. Spang GmbH) unserer Redaktion erläutert.

Wie kommt es grundsätzlich zu der Entscheidung, dass ein Felshang gesichert werden muss?

Es wurden vor einigen Jahrzehnten und vor einigen Jahren erneut alle Felsböschungen im Eigentum der Stadt Essen geotechnisch untersucht und dabei zum Teil auch vom Seil aus bergsteigerisch begangen. Bei der Bewertung von Risiken aus den Felsböschungen werden u. a. die Höhe und Neigung des Hangs und ein möglicher Abgang von Material bewertet. Wenn Risiken erkannt werden, folgt eine gutachterliche Empfehlung mit einem Sicherungsvorschlag. Dabei werden auch die Eigentumsverhältnisse (Verkehrssicherungspflicht der Stadt Essen) berücksichtigt.

Was führte in dem konkreten Fall zu der Maßnahme?

Die Felsböschung wurde im Rahmen der erwähnten geotechnischen Begutachtungen untersucht (erstmals erfolgte dies Anfang der 1980er Jahre ebenfalls im Auftrag der Stadt Essen durch unser Büro). Es wurden Steinschlag- und Blockschlagrisiken mit einem Volumen bis etwa einen Kubikmeter festgestellt. Erste Untersuchungen der Steinschlagrisiken an den Felsböschung wurden in 2011 mit rund 20 weiteren Böschungen im Stadtgebiet Essen aktualisiert und anschließend zur baulichen Sicherung priorisiert.

Gab es einen Steinschlag oder besteht eine Gefahr durch abbrechende Eiszapfen im Winter?

Im Rahmen der verschiedenen Begehungen wurden wiederholt aus der Felswand gelöste und am Böschungsfuß liegende Gesteine festgestellt. Die Problematik mit den Eiszapfen stand dabei nicht im Vordergrund. Das in der Böschung vorhandene Wasser hat aber im Sommer (Wasserdruck und Verwitterung) wie auch im Winter (Eisdruck) als Ursache für die Risiken dementsprechende negative Auswirkungen.

Welche Bereiche werden durch die Sicherungsmaßnahme nun besonders geschützt?

Durch die Maßnahme wird nicht nur der unterhalb der Felswand verlaufende Wanderweg (Teil der GeoRoute Ruhr), sondern als Nebenprodukt auch die nahe liegende S-Bahnstrecke gesichert.

War aktuell Gefahr im Verzug?

Steinschlagereignisse können in der Regel nicht zeitlich exakt prognostiziert werden, ein akutes Risiko bestand nicht. Im Rahmen der Priorisierung, die gemeinsam mit Fachvertretern der städtischen Verwaltung vorgenommen wurde, war die Böschung für Ende 2019/Anfang 2020 zur Sicherung vorgesehen.

In welchen Schritten läuft so eine Maßnahme ab?

Zunächst werden Vegetationsarbeiten durchgeführt, um die Arbeiten und den Aufbau der Sicherungssysteme zu ermöglichen. Per Hand werden lockere Steine etc. entfernt. Daraufhin werden die für das Einbringen der Stahlglieder (Felsnägel) notwendige Bohrlöcher gebohrt und mit Mörtel verfüllt. Es werden abhängig von der Art des Sicherungssystems (Fangzaun oder Übernetzung) gegebenenfalls Fundamente hergestellt. Danach wird das System angebracht bzw. aufgebaut.

Wird im Löwental ein Fangzaun oder eine Übernetzung angebracht? Wo liegt der Unterschied?

Zum Einsatz kommt im Werdener Löwental eine Übernetzung aus Spiralseilnetz, das über Felsnägel und Krallplatten rückverankert wird. Bei den Fangzäunen handelt es sich im Hinblick auf die Verwitterung um eine eher „passive“ Maßnahme. Sie dienen als Barrieren, so dass Fels- und Steinblöcke, die sich aus dem Hang lösen, nicht die zu schützenden Bereiche erreichen können (z.B. Straßen, Bahnstrecken etc.). Übernetzungen sind eine eher „aktive“ Maßnahme. Es wird schon das Lösen von Fels- und Steinblöcken aus dem Hang verhindert, da diese Übernetzungen die Steine an Ort und Stelle „fixieren“. Welche Art von Maßnahme zum Einsatz kommt, wird während der Planungsphasen abhängig unter anderem von den örtlichen Gegebenheiten, technischen Anforderungen, den Belange der öffentlichen Trägern (z.B. Naturschutz) und im Hinblick auf das entstehende Landschaftsbild sowie den Bau- und Unterhaltungskosten entschieden.

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