Fernwärme

Steag baut sechs Kilometer Fernwärmeleitung im Essener Süden

Die Steag Fernwärme Essen baut ihr Netz in der Stadt kräftig aus.

Die Steag Fernwärme Essen baut ihr Netz in der Stadt kräftig aus.

Foto: VON BORN, Ulrich / WAZ FotoPool

Essen.  Der Wärmeversorger Steag treibt seine Osttrasse durchs Essener Stadtgebiet voran. Am Montag startet der zweite Bauabschnitt in Rüttenscheid.

Der Süden der Stadt bekommt in den kommenden Monaten eine neue Großbaustelle: Die Steag Fernwärme Essen treibt den Bau ihrer Osttrasse voran und beginnt am Montag mit dem zweiten Streckenabschnitt. Der befindet sich in Rüttenscheid auf der Eleonorastraße, Ecke Rellinghauser Straße und verläuft weiter zur Müller-Breslau-Straße bis Ecke Paulinenstraße. Etwa ein Jahr lang müssen Autofahrer und Anwohner an dieser Stelle mit Einschränkungen rechnen, teilte die Steag Fernwärme mit.

Die fast sechs Kilometer lange Osttrasse erstreckt sich von der Kleinen Stoppenberger Straße/ Goldschmidtstraße über die Oberschlesienstraße bis ins südliche Rüttenscheid/Bredeney. Damit erweitert die Steag Fernwärme ihr Netz in Essen deutlich. Bislang sind die Fernwärmeleitungen vor allem auf den Norden der Stadt beschränkt. „Um die Wärme künftig von Norden nach Süden zu bringen, müssen wir kräftig ausbauen“, sagte Geschäftsführer Markus Manderfeld. 20 Millionen Euro investiert das Unternehmen, das jeweils zur Hälfte der Steag und den Stadtwerken Essen gehört, in die Osttrasse. Acht Millionen Euro davon sind Fördermittel des Landes und der EU.

20 Millionen Euro kostet die Fernwärmehaupttrasse

Bis Ende 2020 will das Unternehmen die neue Fernwärmeleitung fertig gestellt haben. Damit sind neun weitere Stadtteile für die Fernwärme erschlossen. Dazu gehören Frillendorf, Kray, Huttrop, das Südostviertel, Bergerhausen, Rüttenscheid, Stadtwald, Margarethenhöhe und Bredeney. Rein rechnerisch wären dann in Essen weitere 20.000 Haushalte ans Fernwärmenetz anschließbar. Derzeit sind es 12.000.

Da die Osttrasse eine Hauptversorgungsleitung ist, sind die Eingriffe in den öffentlichen Raum beträchtlich. Ein Rohr hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Da aber zwei für die Zu- und Abführung des Wassers notwendig sind, ergeben sich schnell Grabenbreiten von bis zu drei Metern. „Wir wissen natürlich, dass es zu Problemen führen kann, wenn man große Straßen einengt“, sagte Manderfeld. Deshalb habe sich die Steag Fernwärme „eng mit den städtischen Behörden abgestimmt“. Dennoch seien Einschränkungen nicht zu vermeiden. So steht auf der neuen Baustelle Eleonorastraße den Autofahrern bis zum 29. November täglich von 9 bis 15 Uhr in beiden Fahrtrichtungen nur eine von zwei Fahrspuren zur Verfügung.

Steag will auch die Abwärme aus Industriebetrieben nutzen

Derweil gehen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt, der im Juli begonnen hatte, parallel weiter. Start war an der Kleinen Stoppenberger Straße; weiter verläuft die Trasse über die Goldschmidtstraße, Gerlingstraße und biegt danach in die Burggrafenstraße ab und endet kurz hinter der Kreuzung Frillendorfer Straße vor dem Tunnel. Kurz davor, auf Höhe Elisenstraße, wird es einen Abzweig Richtung Kray geben, wo künftig die neue Aldi-Konzernzentrale und der neue Tüv-Nord-Campus an das Fernwärmenetz angeschlossen werden sollen. Dass die Steag Fernwärme solche Großkunden gewonnen hat, trage langfristig mit zur Wirtschaftlichkeit bei, heißt es. Außerdem sei das Unternehmen mit großen Wohnungsbaugesellschaften im Gespräch.

Der Ausbau der Fernwärme soll den CO2-Ausstoß im Osten der Stadt laut Steag um bis zu 30 Prozent senken. Die Wärme für das Erhitzen des Wassers wird großteils in den Müllheizkraftwerken in Karnap und Herne erzeugt, ein Drittel im Steag-Steinkohlekraftwerk Herne. Das Verbrennen von Müll wird dabei CO2-neutral gerechnet, weshalb die Klimabilanz der Fernwärme recht gut dasteht. Künftig will die Steag aber daran arbeiten, dass mehr Wärme aus Biomasse erzeugt wird. Auch die Abwärme aus mehreren Essener Industriebetrieben ist ein großes Thema. Steag sei mit der Alu-Hütte Trimet, einer Glashütte und der Kokerei Prosper Haniel darüber im Gespräch, sagte Manderfeld.

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