Umweltspur

Staufalle Umweltspur: Essen will Düsseldorfer Fehler meiden

Die Schützenbahn heute. Rechts wird die Umweltspur für Busse und Fahrräder verlaufen, links kommen zweispurig die Autos, die dann nur noch bedingt nach rechts wechseln können. Foto: Socrates Tassos

Die Schützenbahn heute. Rechts wird die Umweltspur für Busse und Fahrräder verlaufen, links kommen zweispurig die Autos, die dann nur noch bedingt nach rechts wechseln können. Foto: Socrates Tassos

Essen.  In Düsseldorf sorgen Umweltspuren für Chaos, in Essen sei dies ausgeschlossen, beteuert die Stadt. CDU will sonst notfalls die Reißleine ziehen.

Kilometerlange Staus, mehr Abgase, Geduldsproben für Autofahrer, und der Landesverkehrsminister sieht stellenweise sogar die Verkehrssicherheit in Gefahr: Die Umweltspuren in Düsseldorf haben bislang alle Befürchtungen bestätigt, die Kritiker ihnen nachsagten. Auch der Rat der Stadt Essen hat jüngst einer Neuverteilung des Straßenraumes zulasten des Autos zugestimmt und will dies als erstes auf der Schützenbahn zwischen Varnhorstkreisel und Viehofer Platz umsetzen. Drohen dort demnächst ähnliche Zustände?

Gerade die Schützenbahn habe Platzreserven, sagt die Baudezernentin

Baudezernentin Simone Raskob ist sicher, dass dies dank sorgfältiger Vorbereitung nahezu ausschließen sei und auch die Rahmenbedingungen nicht vergleichbar sind. „Wir haben exakte Verkehrszählungen vorgenommen.“ Deshalb wisse man, dass die Schützenbahn ohne Probleme eine Umweltspur für Busse und Radfahrer vertrage und trotzdem noch genügend Platz für den Autoverkehr bleibe. „Essen ist gerade im Bereich Schützenbahn großzügig als autogerechte Stadt geplant worden.“ Das biete nun Vorteile.

Komplex wird es an den Knotenpunkten wie etwa dem Viehofer Platz, denn auch dort sollen Busse und Radfahrer bevorzugt durchkommen. Dort allerdings drohen dann tatsächlich Staus, die die Stadtverwaltung durch Pförtnerampeln vermeiden will. So sollen Autos in Süd-Nord-Richtung am Ausgang des Tunnels unter dem Rathaus-Center öfter bei Rot warten müssen, um nur dosiert zum Viehofer Platz vorgelassen zu werden.

Lob vom NRW-Verkehrsminister für die Essener Vorgehensweise

Auch hier beruft sich Raskob auf genaue Untersuchungen, die die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens erwiesen hätten. Der Technik-Einsatz - ausdrücklich gelobt auch von Verkehrsminister Hendrik Wüst - macht allerdings deutlich, warum die relativ kleine Essener Umweltspur alles andere als billig ist. Rund eine Million Euro lässt sich die Stadt das Vorhaben kosten.

Die CDU-Ratsfraktion war zunächst skeptisch in Bezug auf die Umweltspur und hat sich einen Rest davon erhalten. „Generell ist die Frage weiterhin berechtigt, ob es angemessen ist, eine Million Euro auszugeben, damit Busse eine Minute schneller werden“, sagt Fraktionschef Jörg Uhlenbruch. Exakt dies sei der Vorteil der Umweltspur, jedenfalls für den Öffentlichen Nahverkehr. Man habe sich aber dann, auch mit Blick auf Gerichtsverfahren im Zuge der Fahrverbotsdiskussion, dafür entschieden, die Pläne zuzulassen.

Am Ende darf es nach Ansicht der CDU nicht mehr Schadstoff-Emissionen geben als vorher

Experimente allerdings oder Staus als Mittel der Verkehrspädagogik wie in Düsseldorf wolle man in Essen nicht: „Die Stadtverwaltung hatte den klaren Auftrag, solange weiterzuarbeiten, bis Staus mit großer Sicherheit auszuschließen sind“, so Uhlenbruch. Dabei gehe es durchaus auch um Umweltschutz. „Ich möchte sichergestellt sehen, dass am Ende nicht zusätzliche Schadstoff-Emissionen entstehen.“

Die CDU habe den Eindruck, dass dies gelingen werde und nimmt für sich in Anspruch Schlimmeres verhütet zu haben. „Eine Umweltspur auf dem gesamten City-Ring hätte zum Beispiel auf der Hindenburgstraße zu chaotischen Verhältnissen geführt“, glaubt Uhlenbruch.

Grüne: Ganz ohne Pädagogik wird die Verkehrswende nicht gelingen

Selbst Grünen-Ratsherr Christoph Kerscht hält den dann zu erwartenden „Rabatz von Autofahrern“ nicht für erstrebenswert. „Insofern ist es schlau, jetzt erst mal nur die Schützenbahn zu nehmen.“ Ganz ohne Pädagogik werde die Reduzierung des Autoverkehrs jedoch kaum umzusetzen sein, Autofahrer müssten schon das Gefühl bekommen, dass sich Umsteigen lohne, weil es dann schneller geht. Sprich: Der Stau und die Verknappung des Verkehrsraums könnten langfristig sehr wohl das Umdenken befördern. „Am Ende ist das auch gut für diejenigen Autofahrer, die das Auto wirklich brauchen.“ Die kämen ja dann, meint Kerscht, schneller voran.

CDU-Fraktionschef Uhlenbruch ist das zu rabiat, es gebe sogar einen Exit-Plan. „Sollte es an der Schützenbahn wider Erwarten doch zu Chaos kommen, nehmen wir die Umweltspur wieder zurück.“

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