Bühnenleben

Statisten am Aalto: Zwei starke Typen stemmen Rosinante

Don Quichottes Rosinante hält die Statisten Raphael Baronner und Finn Brüggemann (li.) am Aalto-Theater auf Trab. Foto:Ulrich von Born

Don Quichottes Rosinante hält die Statisten Raphael Baronner und Finn Brüggemann (li.) am Aalto-Theater auf Trab. Foto:Ulrich von Born

Essen.   Raphael Baronner und Finn Brüggemann sind Statisten aus Leidenschaft.Am Aalto stellen sie sich tot oder tanzen mit einem 50 Kilo schweren Pferd.

Der eine ist noch ein Frischling, der andere ein „alter Hase“. Finn Brüggemann und Raphael Baronner sind zwei von 40 Statisten am Aalto-Theater. Mit großer Leidenschaft wirken sie in Opern mit oder auch mal im Ballett, was eine ungewöhnliche Herausforderung für sie ist. In „Don Quichotte“ schubsen sie als Ross Rosinante nicht nur den unliebsamen Gamache beiseite. Sie beherrschen auch das Tölten, das Traversieren und tanzen sogar mit dem 50 Kilo schweren Pferdegestell auf dem Rücken.

„Danach brennt einem die Lunge“

Finn Brüggemann ist ein schmaler junger Mann aus Hattingen und seit Februar dabei. Er hat bereits bei „Nabucco“ eine Stunde tot auf der Bühne gelegen oder bei „Tristan und Isolde“ einen Schäfer gemimt. Erste Bühnenerfahrungen bescherte dem 20-Jährigen eine Tanzperformance beim Bochumer Theater Total. Inzwischen studiert er Musik für Grundschule, arbeitet nebenbei als Eventtechniker, um „ein bisschen rumzukommen“, und begeistert sich für die Statisterie. „Jeder Mensch hat so die Möglichkeit, Kunst mit zu erschaffen. Das finde ich schön“, sagt Finn Brüggemann, der kürzlich für die „Proletenpassion“ im Grillo-Theater gecastet wurde.

Doch im Pferd von „Don Quichotte“ zu stecken und Ballettatmosphäre hautnah zu erleben, ist etwas Besonderes - auch wenn er nur das Hinterteil vom Vordermann sieht und es eine große Kraftanstrengung bedeutet. Die beiden bekommen nicht viel Luft, wenn sie den Ritter auf dem Rücken tragen oder drei Minuten tanzen. „Danach brennt einem die Lunge. Aber es macht tierischen Spaß, mit der Compagnie und Ben (Van Cauwenbergh) zu arbeiten“, so Raphael Baronner. Während Finn Brüggemann dafür die Muskeln mit Balletttraining stärkt („Im Fitnessstudio ist es zu langweilig.“), muss Baronner nichts tun. „Ich habe einfach einen kräftigen Körperbau“, meint der 29-jährige Huttroper.

„Es wird ein Leben am Theater sein“

Er ist ein echtes Theaterkind. Sein Vater Andreas Baronner singt seit 25 Jahren im Aalto-Opernchor. „Er hat mich ans Theater gebracht und hält es aus, dass es für mich die Statisterie ist.“ Mit der „Aida“ von Hilsdorf hatte alles begonnen. Nun ist der hauptberufliche Statist in unzähligen Produktionen zu sehen. Das reicht vom toten Prinzen in „Turandot“ bis zum Kellner in „La Bohème“ oder dem Pinkerton-Double in „Madama Butterfly“. „Es ist eine Freude, jedes Mal jemand anderes zu sein“, beschreibt er seine Einsätze auf der Bühne.

Mittlerweile hat ihn die Theaterliebe zu Regiehospitanzen bei Jan Philipp Glogers „Barbier von Sevilla“ und Tatjana Gürbacas „Lohengrin“ geführt. Er möchte gern in Richtung Regieassistenz weiter gehen. „Einen Schritt nach dem anderen. Ich weiß noch nicht, wo ich ankomme. Vielleicht auch beim Schauspiel oder beim Chor“, sagt Raphael Baronner. „Aber es wird ein Leben am Theater sein.“

Statisten am Aalto

Als Ross Rosinante treten Finn Brüggemann und Raphael Baronner am 10. November, 19.30 Uhr, in der Ballettkomödie „Don Quichotte“ auf.

Raphael Baronner ist im Aalto-Theater am 11. November in „Der Zauberflöte“, am 8. Dezember in „La Bohème“ und am 31. Dezember in „Die Fledermaus“ zu sehen.

Auch in dieser Spielzeit sucht das Theater Frauen, Männer und Kinder für die Statisterie. Bewerbungen mit Foto an: statisterie@aalto-musiktheater.de

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