Start-up-Unternehmen

Startup aus Essen-Katernberg vertritt Deutschland in den USA

Julian Bosch injiziert Nano-Partikel ins Erdreich.

Foto: Bente Stachowske

Julian Bosch injiziert Nano-Partikel ins Erdreich. Foto: Bente Stachowske

Das Start-up „Intrapore“ hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Schadstoffe im Boden auf einfachem Weg beseitigen lassen. So funktioniert’s.

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Das Foto wurde in Kalifornien geschossen. Es zeigt einen Mann, der seinen verdörrten Rasen mit Sprühfarbe lackiert, damit die Grashalme wieder schön grün aussehen. Kein Witz. Die Szene ist so absurd wie real. Deshalb hat Julian Bosch das Foto aufbewahrt. Als abschreckendes Beispiel. Nein, so weit wie im sonnigen Westen der USA, wo das Wasser knapp ist und das Blumengießen in heißen Sommern verboten, so weit sollte die Welt es nicht kommen lassen, sagt Bosch.

Als nationaler Champion in die USA

Der 41-jährige Start-up-Gründer ist überzeugt davon, dass er seinen Teil dazu beitragen kann.

Intrapore heißt das Unternehmen, das Julian Bosch vor einem Jahr aus der Taufe gehoben hat. Im Bundesumweltministerium wurde das Start-up aus dem Essener Norden jüngst mit dem Clean-Tech- Award ausgezeichnet, einem Preis für innovative Unternehmen und Firmengründer aus der Umweltbranche. Intrapore konnte sich unter 85 Bewerbern aus ganz Deutschland durchsetzen. Als nationaler Champion darf das Essener Start-up Deutschland nun bei einem internationalen Wettbewerb vertreten, in San Francisco, Kalifornien, wo sie ihre liebe Not haben mit der Wasserversorgung.

Im Gründerzentrum Triple Z in Katernberg hat die kleine Firma ein kleines Büro eingerichtet. Ein Computer, ein Tisch, auf dem Bosch früher zuhause die Wäsche sortierte, eine Tafel für Flipcharts – die Einrichtung ist minimalistisch. Nun, andere haben in einer Garage angefangen.

Ein europäisches Forschungsprojekt

Julian Bosch ist von Hause Geomikrobiologe. Im Rahmen eines von der EU geförderten europaweiten Forschungsprojekts hat er sich mit so genannten Nano-Partikeln beschäftigt. Und mit der Frage, wie sich diese Kleinstteilchen bei der Reinigung von Grundwasser einsetzen lassen. Daraus wurde eine Geschäftsidee. Bosch wagte den Schritt hinaus aus dem geschützten Biotop des Wissenschaftsbetriebes in die freie Wirtschaft. Dass ihm dabei etwas mulmig zumute war, gibt der 41-Jährige gerne zu, fehlte es ihm als Unternehmer doch an Erfahrung.

Bosch holte mit Johannes Bruns einen alten Hasen zurück aus dem Vorruhestand. Der 62-jährige Geologe hat sich in seinem Berufsleben mehr als drei Jahrzehnte lang mit der Sanierung belasteter Böden beschäftigt, verfügt über Kontakte in die Branche und ließ sich begeistern für die Idee, die Intrapore in die Tat umsetzt. Mit Hilfe eines selbstentwickelten Verfahrens, mit dem verseuchtes Grundwasser dekontaminiert werden kann, ohne dass – wie sonst üblich – dafür tonnenweise Erdreich bewegt werden müsste. „Bei uns passiert alles im Boden“, erläutert Julian Bosch. Das spart Zeit und viel Geld.

Altindustrie umd chemische Reinigungen

Nano-Partikel werden dafür in den Boden injiziert. Die Teilchen verfügen über die besondere Eigenschaft, Schadstoffe zerstören zu können. Diese werden chemisch neutralisiert, so dass sie nicht mehr ins Grundwasser gelangen. Julian Bosch vergleicht das Verfahren mit einem Kaffeefilter.

Zum Einsatz kommt es überall dort, wo Schadstoffe ins Erdreich gelangt sind, sei es durch unsachgemäßen Umgang oder aus purer Unkenntnis. Industriebrachen fallen einem spontan ein, nicht nur im Ruhrgebiet. „Wir waren zum Beispiel in Bitterfeld. Als wir dort Grundwasser gefördert haben, kam erstmal Öl.“ Nicht nur die Industriebetriebe haben ihre Spuren bis tief ins Erdreich hinterlassen. So wurden im Nachkriegsdeutschland beispielsweise in chemischen Reinigungen und Wäschereien jahrzehntelang chlorierte Kohlenwasserstoffe verwendet. Giftige Konzentrationen finden sich bis heute im Grundwasser. Zu tun gibt es genug für die Jungunternehmer aus Essen.

Julian Bosch und Johannes Bruns sind überzeugt, dass Intrapore die Zukunft gehört. Unternehmergeist schwingt mit und Idealismus. Anfang Februar geht’s in die USA.

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