Unwetter

Klima-Forscher: Unwetter wie in Kettwig wird es öfter geben

Nur noch eine Geröllhalde ist die Ruhrstraße mitten in Kettwigs Altstadt: Hier schoss ein Sturzbach durch, riss Pflastersteine mit. Schulkinder staunen über den Anblick am Freitagmorgen.

Foto: STEFAN AREND

Nur noch eine Geröllhalde ist die Ruhrstraße mitten in Kettwigs Altstadt: Hier schoss ein Sturzbach durch, riss Pflastersteine mit. Schulkinder staunen über den Anblick am Freitagmorgen. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Nach dem Sturzregen in Kettwig hat das Aufräumen begonnen. Essener Klima-Forscher prophezeit: Es wird künftig öfter solche Niederschläge geben.

Nach dem Gewitterschauer von Donnerstag, das vereinzelt als Unwetter daherkam und vor allem in Kettwig große Schäden verursacht hat, prophezeit ein erfahrener Klima-Experte: Solche Ereignisse wird es künftig häufiger geben. Das sagt Forscher Wilhelm Kuttler, der sich für die Uni Duisburg-Essen seit Jahren ausführlich auch mit dem Essener Wetter beschäftigt.

Zwar könne der direkte Nachweis, dass so genannte „Starkregen-Ereignisse“ wie in den letzten Tagen direkt auf den globalen Klimawandel zurückzuführen seien, statistisch noch nicht erbracht werden. „Klar ist jedoch, dass es bei mehr Wärme häufiger solche Regenfälle gibt“, erklärt Kuttler. „Mehr Wärme bedeutet mehr Verdunstung und somit stärkerer Niederschlag.“

Erst in dieser Woche hatte der Ruhrverband gemeldet, dass es in diesem Jahr den wärmsten April gegeben hat, seit Wetterdaten aufgezeichnet werden.

Es war der wärmste April überhaupt

Das Gewitter am Donnerstagabend setzte an vielen Stellen im Stadtgebiet die Straßen unter Wasser – auf der A40 in Huttrop ging stellenweise nichts mehr, und in der Innenstadt kam es zu einem spektakulären, wenn auch gefährlichen Schauspiel, bei dem zum Glück niemand verletzt wurde.

Auf der Schützenbahn in der Nähe des Rathauses kapitulierte ein Gullideckel vor dem Druck aus der Kanalisation. Eine Wasserfontäne schoss fast 20 Meter hoch – mehrere Bürger filmten das Ganze, die Szenen machten im Internet schnell die Runde.

„So etwas passiert, wenn zu viel Wasser in kurzer Zeit in die Kanalisation eindringt“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun. Zum Glück war der Gullideckel mit einem Scharnier ausgerüstet – der Deckel klappte hoch und flog nicht, anders als im Internet beschrieben, durch die Gegend. Schäden an der Straße hinterließ der Vorgang nicht.

116 Einsätze der Feuerwehr

Am stärksten betroffen vom Starkregen war Kettwig: Auch auf der Ringstraße kamen die Gullideckel hoch, und eine braune Flut schoss die Ruhrstraße mitten in der Kettwiger Altstadt hinab. An mehreren Stellen wurden die Pflastersteine weggerissen und hinterließen große Löcher. Wenige Stunden später glich die Ruhrstraße einer Geröllhalde. Die Stadt flickte die betroffenen Abschnitte (dort waren erst vor einigen Monaten Kanalbauarbeiten der Stadtwerke beendet worden) zunächst mit Asphalt.

Die Feuerwehr meldete am Donnerstag bis zum späten Abend 116 Einsätze – bei so gut wie allen Fahrten mussten sich die Kräfte um vollgelaufene Keller kümmern. Auch die örtliche Sparkasse in Kettwig wurde in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem bangte der Besitzer eines Jaguars minutenlang um sein Fahrzeug, das vom Wasser wie ein Schiff davongetragen wurde.

120 Schweine waren in Not

Ein Gastro-Fest, das an diesem Wochenende am Ruhrufer stattfindet, musste an diesem Abend aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden, und auch ein örtlicher Mastbetrieb zwischen Kettwig und Werden schlug Alarm: 120 Schweine standen bis zum Bauch im Wasser auf ihrer Wiese; die Tiere wurden in Sicherheit gebracht.

Klimaforscher Wilhelm Kuttler weist darauf hin, dass das örtliche Kanalsystem grundsätzlich nicht für solche großen Wassermassen ausgerichtet ist: „Kanalrohre, die im Stadtgebiet derzeit erneut werden, stammen teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert“, berichtet Kuttler. Doch das Hauptproblem bleibe grundsätzlich die Versiegelung der Oberfläche: „Das Regenwasser kann nicht versickern. Jedes Haus, das neu am grünen Stadtrand gebaut wird, verschärft im Grunde das Problem, auch wenn man nachvollziehen kann, dass jeder gerne in einem solchen Haus wohnen möchte.“

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