Hand-Arbeit

„Stark aus Leder“ schneidert Hosen und Westen auf den Leib

Peter Schlingmann fertigt seit mehr als drei Jahrzehnten individuelle Hosen und Westen aus Leder an.

Peter Schlingmann fertigt seit mehr als drei Jahrzehnten individuelle Hosen und Westen aus Leder an.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Altendorf.   Handgemachte Hosen und Westen aus Leder sind bei Rockern, Reitern und Jägern ein Renner. Peter Schlingmann stellt sie in seiner Werkstatt her.

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„Stark aus Leder“ steht auf dem Schild über dem kleinen Schaufenster in der Siemensstraße. Was dahintersteckt, offenbart sich hinter der Ladentür. Gleich hinter der Schwelle beginnt das Reich von Peter Schlingmann. Links hängen Westen in den unterschiedlichsten Farben an den Regalen. Zudem warten dort Lederballen auf ihre Verarbeitung.

Weiter geht es nach hinten in die Werkstatt. Vorbei an der Wand mit den vielen Fotos und Sprüchen wie „Reichtum ist unterlassene Hilfeleistung“ oder „Der unzufriedene Mensch findet keine passende Hose“. Hier, mit Blick auf den Hof, stellt der 64-Jährige mit dem Zopf und dem unbändigen, grauen Haar, das sich an den Seiten seinen Weg unter der beigen Schlägerkappe hinaus gebahnt hat, seine Einzelstücke nach Kundenwunsch her.

Sattlerlehre hat Peter Schlingmann abgebrochen

Im 36. Jahr widmet sich Schlingmann, der eine Sattlerlehre abgebrochen hat, mit Hingabe der Verarbeitung von Leder. „Ich mache aber keine Mode“, sagt der kauzige Mann fast trotzig. Schickimicki ist nicht sein Ding. Er stelle Werkzeuge her. Deshalb seien Rocker, Reiter und Jäger seine Kunden, Menschen, die die Lederkleidung im Alltag nutzen. Das heißt, das Material muss entsprechend etwas aushalten. „Für mich ist es erst Leder, wenn es stabiler ist als Jeans.“

Die Jahre hinterlassen aber dennoch Spuren an dem robusten Material. So wie bei einem Tabakbeutel, den Schlingmann hervorkramt und der sich in Einzelteile aufzulösen droht. „Die Nähte sind aber immer noch gut“, ist er stolz auf seine Verarbeitung, steckt sich eine Zigarette an und streichelt kurz die Jagterrier-Hündin Lizzy, die ihn stets ins Geschäft begleitet.

Hosen aus Rindsleder gibt es ab 300 Euro

Das deutsche Leder bezieht er von zehn ausgewählten Lieferanten – schadstoffminimiert. Hosen aus Rindsleder gibt es ab 300 Euro. Das Leder einer Kuh reicht für zwei Hosen. Soll’s Hirschleder sein, wird’s schnell vierstellig. Peter Schlingmann trägt eine Lederweste, natürlich eine, der man ansieht, dass sie täglich im Gebrauch ist – und das schon länger. Das Ding ist praktisch. Wer eine Schlingmann’sche Weste trägt, braucht keine Tasche mehr. Vom Telefon über die Brieftasche bis zum Schlüsselbund – alles findet in den eigens geschnittenen Innentaschen bequem Platz.

Stammkundschaft weit über die Grenzen Essens hinaus

Laufkundschaft gibt es an der Siemensstraße nicht. Darauf legt Peter Schlingmann auch gar keinen Wert. Im Laufe der Jahrzehnte hat er sich eine Stammkundschaft weit über die Grenzen Essens erarbeitet. Sie empfiehlt ihn weiter. Peter Schlingmann ist alles, nur nicht mainstream. „Während die Lemminge alle die Klippe hinunterstürzen, findet der Außenseiter vielleicht einen anderen Weg“, sinniert der frühere Waldorfschüler. Einmal im Jahr fährt er zu einem Festival ins Wendland, wo er sich mit Atomkraftgegnern und Kunsthandwerkern trifft, diskutiert und feiert.

Seine Hosen (www.starkausleder.de) sehen schon mal mehr von der Welt. „Da zum Beispiel“ sagt der fünffache Vater und weist auf ein Foto. Es zeigt einen Globetrotter mit schwarzer Hose von „Stark aus Leder“ vor der Chinesischen Mauer.

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