Gesamtschule

Standort-Streit um Essens neue Gesamtschule

Als Standort für eine mindestens 35 000 Quadratmeter große Gesamtschule umstritten: der ehemalige Sportplatz an der Erbslöhstraße. Die Stadt will hier bauen, die Politik dagegen plant hier Wohnungsbau.

Als Standort für eine mindestens 35 000 Quadratmeter große Gesamtschule umstritten: der ehemalige Sportplatz an der Erbslöhstraße. Die Stadt will hier bauen, die Politik dagegen plant hier Wohnungsbau.

Foto: KerstinKokoska

Essen.   Die Stadt Essen bleibt bei ihren Plänen für die bereits ausgeguckte Erbslöhstraße in Altenessen. Dort will die Politik aber Wohnungen bauen.

Essens neue Gesamtschule soll an der Erbslöhstraße in Altenessen entstehen. Zu diesem Fazit jedenfalls kommt die Stadtverwaltung nach Prüfung aller knapp 30 unbebauten Flächen in Altenessen-Süd für eine neue, sechszügige Schule, rund 60, 70 Millionen Euro schwer.

Doch kaum ist das umfangreiche Arbeitspapier, an dem die Immobilienwirtschaft, der Fachbereich Schule, das Umweltamt, das Stadtplanungsamt sowie Grün und Gruga intensiv mitgearbeitet haben, auf dem Tisch, grätscht die Politik dazwischen: Ausgerechnet die Erbslöhstraße! Hatten sich beide GroKo-Fraktionen vor der Sommerpause doch gegen einen Schulbau auf dem ehemaligen Fußballfeld ausgesprochen.

Kufen sprach sich für Erbslöhstraße als Standort aus

SPD wie CDU wollen zwischen der ehemaligen Bamlerstraße (Berthold-Beitz-Boulevard) und der Bäuminghausstraße großflächig Wohnungsbau realisieren – mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, um die soziale Mischung in Altenessen zu verbessern und den Stadtteil aufzuwerten. Dies war eigentlich Konsens. Und nun?

SPD-Ratsfrau Janine Laupenmühlen als Schulausschuss-Vorsitzende betont am Mittwoch am Rande der Sitzung im Schulausschuss, „dass wir dabei bleiben wollen.“ Eigentlich. Auch CDU-Fraktionschef Jörg Uhlenbruch lässt einen gewissen Spielraum erkennen: „Ich sage nicht, dass wir die Erbslöhstraße als Schulstandort ablehnen, aber ich sage auch nicht, dass wir hier zustimmen.“

Vielleicht will der Fraktionsvorsitzende auch nur nicht seinen Oberbürgermeister düpieren. Thomas Kufen hatte sich im Dezember 2017 mit dem damaligen Schuldezernenten Peter Renzel auf die Erbslöhstraße als Standort festgelegt.

Plätze sind schon knapp

Eigentlich könnte bereits gebaut werden, Geld liegt in den Fördertöpfe von Bund und Land bereit. Doch seit einem Jahr diskutiert die Politik, und immer noch gibt es keinen Beschluss. Dabei drängt die Zeit, die kommenden Schüler-Jahrgänge werden stärker, die Übergangsquoten zu den Gesamtschulen liegen stabil bei über 20 Prozent, Plätze sind schon heute knapp.

Und die Suche nach neuen Standorten zeigt: In einer Großstadt wie Essen sind viele Flächen verplant. Die Verwaltung hatte in einem Punktekatalog sämtliche Standorte durchleuchtet, am Ende blieben gerade einmal 13 übrig.

Weitere Bauprojekte stehen an

Doch auch da gibt es Probleme: Am Thurmfeld beispielsweise will die Uni bauen, am Helenenpark will die Stadt keine Parkflächen abgeben, ähnlich sieht es am Spindelmannpark aus. So oder ähnlich geht es weiter: Sogar die Serlostraße in Altendorf findet sich auf der Liste – keine 500 Meter von der Bockmühle entfernt.

Geprüft wurde auch die Kleingarten-Siedlung an der Ellernstraße/Altenessener Straße. Auch hier winkt die Verwaltung ab: Man sei gerade im Dialog mit dem Stadtverband der Kleingärtner für ein neues Kleingarten-Entwicklungskonzept, die Gärten seien zudem Teil des Grünzugs Bernetal, ein Freiraum für Spaziergänger und Radfahrer und unabdingbar für die Frischluft-Zufuhr der City.

Die Politik will das Thema nun im Stadtrat am 26. September diskutieren. Im Schulausschuss gab es erneut keine Entscheidung. Dabei mahnt Schuldezernent Muchtar Al Ghusain zur Eile: „Wir stehen unter Druck, wir brauchen Schulplätze, und wir brauchen sie schnell.“

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