Stadtteilcheck

Uniklinik ist für Holsterhausen Bereicherung und Belastung

Prägt den Stadtteil Holsterhausen maßgeblich: Das Gelände der Uniklinik aus der Luft. Seit Eröffnung der Klinik 1909 wurden Stück für Stück mehr Flächen bebaut: Aktuell entsteht die neue Kinderklinik.

Prägt den Stadtteil Holsterhausen maßgeblich: Das Gelände der Uniklinik aus der Luft. Seit Eröffnung der Klinik 1909 wurden Stück für Stück mehr Flächen bebaut: Aktuell entsteht die neue Kinderklinik.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Essen-Holsterhausen.   Keine Institution prägt Holsterhausen mehr als die Uniklinik, wie Zahlen unseres Stadtteilchecks bei Themen wie Medizin und Parkplätzen zeigen.

Wer Holsterhausen näher betrachtet, der kommt um eine Institution kaum herum: Das Universitätsklinikum prägt den Stadtteil maßgeblich. Erkennbar wird das auch an Zahlen unseres Stadtteilchecks, an dem 461 Leser aus Holsterhausen teilgenommen haben: So erzielte der Stadtteil beim Thema medizinische Versorgung die beste Note (1,79), belegte bei der Parkplatzsituation allerdings einen der letzten Plätze im stadtweiten Vergleich. Zwei Zahlen, die unmittelbar in Verbindung zueinander stehen. „Wir sind sehr froh über die Uniklinik vor unserer Tür und die hervorragende medizinische Versorgung. Gleichzeitig ist der immense Parkdruck eine Belastung für den Stadtteil“, bringt es Harald Hagen von der Initiative „Wir sind Holsterhausen“ auf den Punkt.

Zwar verfügt die Uniklinik über zwei Parkhäuser: Wer zu den Stoßzeiten rund um die Hufeland- und Virchowstraße aber versucht, einen Parkplatz zu finden, der muss Zeit und Nerven mitbringen. „Jeder Holsterhauser fährt abends ‘rum und sucht sich seinen Verstoß aus“, ironisiert der pensionierte Polizist. Bei rund 15.000 Fahrzeugen, die allein in Holsterhausen zugelassen seien, reiche der Platz schlichtweg nicht aus. „Es gibt grob geschätzt rund 9000 Parkplätze hier. Diese Rechnung kann also gar nicht aufgehen“, sagt Hagen. Erst recht dann nicht, wenn man die rund 6200 Mitarbeiter des Universitätsklinikums mit berücksichtigte.

Mehr Markierungen und intelligentes Parkleitsystem gefordert

Der Vorstoß, die Gemarkenstraße in eine Fahrradstraße umzuwandeln und den Stadtteil insgesamt fahrradfreundlicher aufzustellen, begrüßt Hagen zwar. Allerdings reiche das allein nicht aus, um Holsterhausen zu entlasten, glaubt der Holsterhauser. Der Umstieg auf Busse, Bahnen und das Rad sei ein „langer Prozess im Kopf“, der sich nicht von heute auf morgen realisieren ließe.

Kurzfristig könnten nach Ansicht Hagens eine längsseitige Markierung der Parkplätze sowie ein intelligentes Leitsystem Verbesserungen ins Parkchaos bringen. „Die Entsorgungsbetriebe fahren in manche Straßen mitunter nicht herein, weil es da kein Durchkommen gibt. Das muss sich ändern“, fordert Hagen, dessen Initiative sich zuletzt auch um das Thema Sauberkeit und Image kümmerte.

Zusätzlicher Papierkörbe um die Sauberkeit zu verbessern

Neun zusätzliche Papierkörbe wurden etwa auf der Gemarkenstraße angebracht: ein kleiner Schritt, um die eher durchschnittliche Note von 3,25 etwas anzuheben. „Sauberkeit steht in direktem Zusammenhang mit Sicherheit“, weiß Harald Hagen. Wo es schön sei und man sich gerne aufhalte, steige automatisch auch das Sicherheitsgefühl. Auch aus diesem Grund seien zuletzt Blumenkästen an 34 Straßenlaternen entlang der Gemarkenstraße angebracht worden.

Beim Einkaufen fehlen den Holsterhausern kleine und individuelle Läden

Viele Holsterhauser freuen sich über die Blütenpracht. Um das Image der zentralen Einkaufsmeile zu verbessern, muss aber noch deutlich mehr passieren, wie eine Straßenumfrage zeigt. Die Stimmen dort decken sich mit den Ergebnissen des Stadtteilchecks: So erhält Holsterhausen beim Thema Einkaufen zwar ein gut (2,16) und beim gastronomischen Angebot eine gute drei (2,78). Speziell kleine individuelle Läden und Cafés fehlen den Holsterhausern aber. „Also zum Shoppen würde ich nicht nach Holsterhausen fahren, da haben Rüttenscheid und die Innenstadt mehr zu bieten“, sagt etwas Dennis Geisler (33), der im Gegenzug die gute Nahversorgung für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs lobt: „Die Cranachhöfe sind super. Wenn jetzt bald noch dm hierher kommt, dann ist das echt praktisch.“

Ausbau der Nahmobilität als Alleinstellungsmerkmal

Britta Pink (57) bedauert, dass die Gemarkenstraße in den vergangenen Jahren immer mehr an Attraktivität eingebüßt habe: „Mit fehlen kleine hochwertige Boutiquen, ein Buchladen und vor allem mehr Außengastronomie, die die Straße beleben würde“, sagt sie. Auch Andreas Schendel (44), der auf der Gemarkenstraße die „Werkstatt für Selbstverteidigung“ betreibt, glaubt, dass nur eine Individualisierung und ein Ausbau der Nahmobilität die zentrale Ader des Stadtteils am Leben hält: „Ich war einer von wenigen Händlern, der für eine Fahrradstraße gestimmt hat. Langfristig muss sich die Gemarkenstraße mit ihrem Angebot verjüngen und dazu gehören eben auch bessere Anbindungen für jene, die nicht mit dem Auto kommen.“

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