Stadtteil-Check

Heisingen: Ein sicheres Dorf – in dem Parkplätze fehlen

Ein Blick von oben auf den Heisinger Dorfkern: In der Mitte ist die katholische Kirche St. Georg und im Hintergrund der Baldeneysee zu sehen.

Ein Blick von oben auf den Heisinger Dorfkern: In der Mitte ist die katholische Kirche St. Georg und im Hintergrund der Baldeneysee zu sehen.

Foto: Ingo Otto

Essen-Heisingen.   Heisinger fühlen sich in ihrem Stadtteil sicher, wünschen sich aber ein besseres Gastronomieangebot und einen breiteren Ärztemix.

Wenn es um die Sicherheit im Stadtteil geht, dann stimmt das Gefühl der Heisinger mit den Zahlen der Polizei überein: Der Aspekt Sicherheit hat in unserem Stadtteilcheck für Heisingen besonders gut abgeschnitten (2+) – und die Statistik weist keine herausragenden Straftaten auf.

Zwar war Heisingen in der Hochphase der Einbrüche 2015 arg gebeutelt und reisende Tätergruppen hatten es immer wieder mal auf teure Autos oder deren Airbags abgesehen. Klagen gibt es heute aber vor allem wegen brenzliger Situationen im Straßenverkehr. Besorgt blicken auch einige auf den zunehmenden Vandalismus am See.

„Es sind heranwachsende Jugendliche auch aus anderen Stadtteilen, die sich am Heisinger Baldeneysee-Ufer verabreden“, weiß Polizeihauptkommissar Achim Schneider, der als Bezirksbeamter für Heisingen zuständig ist. Die Folgen dieser Treffen sind oft Lärm, Vermüllung und Zerstörung rund um den Seepavillon, über die einige Heisinger klagen – vor allem im Sommer in den Abendstunden. Polizei, Stadt und Weiße Flotte halten die Situation im Blick.

Die Überwege können mitunter Gefahren bergen

Morgens müssen vor allem die Mädchen und Jungen auf ihrem Weg zur Schule achtsam sein. Der Berufsverkehr spitze die Lage im Dorfkern zu: „Es ist die Masse des Verkehrs, der die Überwege mitunter gefährlich macht“, sagt der Bezirksbeamte. Wer von der Ruhrhalbinsel, aus Hattingen oder Velbert komme, wähle gern die Lelei und die Malmedystraße, um Richtung Stadtmitte zu kommen und nicht jeder halte sich an Tempo 30.

Während an der Carl-Funke-Schule bereits ein Zebrastreifen eingerichtet wurde, „kommt dieser Wunsch in jedem Jahr zum Schulstart an der Zweigstelle der Georgschule auf“, sagt Achim Schneider und verweist gleichzeitig auf die bereits zahlreich vorhandenen Zebrastreifen im Ortskern. Besonders heikel findet er den Übergang an der Kirche St. Georg, da dieser oftmals durch falsch parkende Autos unübersichtlich sei, erklärt er, während eine Fahrerin gerade ihren Wagen dort abstellt.

Elterntaxis sind ein großes Thema im Stadtteil

Der Polizeibeamte setzt daher darauf, schon den Kindern das richtige Verhalten an den Übergängen beizubringen: Handzeichen, Sichtkontakt zum Fahrer und nicht darauf vertrauen, dass jeder stehenbleibt. Mütter wie Anke Brandt wünschen sich hingegen, dass Eltern ihr Verhalten in Sachen Schulweg überdenken würden: „Elterntaxis sind in Heisingen an beiden Grundschule ein großes Thema“, sagt sie. Mütter und Väter glaubten, dass ihre Kinder mit dem Auto sicherer zum Unterricht kämen und gefährdeten mit ihrem Parkverhalten gleichzeitig andere. Dabei könnten sie ihre Autos durchaus auf dem Marktplatz abstellen.

„Nur nicht am Freitagmorgen“, ärgert sich Claudia Bredtmann darüber, dass der Platz bereits um 8 Uhr gesperrt sei, obwohl der Markt erst am Nachmittag beginne und spricht die Parkplatzsituation (3+) an. Ähnlich abgeschnitten haben die Einkaufsmöglichkeiten, die im Vergleich mit anderen Stadtteilen im Mittelfeld landen (3+).

Supermärkte, Getränkehandel, Apotheken, Bäckereien, Bekleidungs- und Blumengeschäfte sind vorhanden, was viele Heisinger vermissen, spricht Claudia Bredtmann aus: „Einen Drogeriemarkt.“ Ansiedlungen rund um den Ortskern scheiterten bislang an nicht ausreichend großen Grundstücken.

Bestimmte Ärztegruppen fehlen seit Jahren

„Leider fehlen in Heisingen schon seit vielen Jahren ganz bestimmte Ärztegruppen, wie Orthopäden, Hautärzte und Allergologen, Psychologen Neurologen oder ambulante Chirurgen“, zählt Beate Linnenbürger einige Beispiele zum Mangel aus dem Bereich medizinische Versorgung (2-) auf.

Während der Augenarzt nur Privatpatienten behandele, es in dem kinderreichen Stadtteil lediglich einen Kinderarzt gebe und vier Internisten mitunter keine neuen Patienten mehr aufnähmen, gebe es mindestens sechs Zahnärzte, beschreibt sie. „Da Heisingen in den letzten Jahren doch erheblich an Einwohnern zugenommen hat, wäre eine Aufstockung vielleicht sinnvoll.“ Trotz der vielen Zugezogenen („Rucksack-Heisinger“) landet der Stadtteil beim Gemeinschaftsgefühl übrigens auf Rang acht stadtweit.

Am Baldeneysee fehlen Toiletten für die Sauberkeit

Nachbessern könnte man hingegen durchaus bei den Spendern mit Hundekotbeuteln, ergänzt Bea Kleine Brörmann, die beim Aspekt Sauberkeit (2) vor allem Toiletten am See vermisst. Jürgen Brendt (75) trauert indes den klassischen Kneipen nach, „in denen man einfach ein Bier trinken kann.“ Zwar kann der Heisinger zwischen Drei-Gänge-Menü, gut bürgerlicher Küche, Imbiss, Pizza oder asiatischen Gerichten wählen, doch ist die Zahl der Lokale insgesamt auf etwa zehn geschrumpft. So erhält der Punkt gastronomische Angebot die schlechteste Note (3-).

Derzeit warten viele gespannt auf die bevorstehende Neueröffnung des Café Extrablatt am Baldeneysee. „Bei Geburtstag, Hochzeit, Kommunion oder Beerdigungskaffee wird es schwierig“, sagt Jürgen Brendt und blickt auf Zeiten, da es allein zehn Kneipen gab und die Heisinger nach der Kirche in Dreierreihen an den Theken standen. „Da traf man immer Bekannte“, sagt der gebürtige Heisinger. Was schon damals

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