Tourismus

Stadtmarketing startet neue Werbekampagne für Essen

„Essen inspiriert“, etwa im Folkwang-Museum. Englischsei Pflicht, da man ja ein internationales Publikum erreichen wolle, betont EMG-Chef Richard Röhrhoff.

„Essen inspiriert“, etwa im Folkwang-Museum. Englischsei Pflicht, da man ja ein internationales Publikum erreichen wolle, betont EMG-Chef Richard Röhrhoff.

Foto: EMG

Essen.  Mit emotionalen Bildern und frechen Botschaften wollen die Chefs von Essen Marketing und Wirtschaftsförderung mehr Touristen nach Essen locken.

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Er wolle nicht lange reden, sondern einfach schnell anfangen: So hatte Richard Röhrhoff, der neue Geschäftsführer der Essen Marketing GmbH, sich Anfang des Jahres eingeführt. Gemeinsam mit dem ebenfalls neuen Chef der Essener Wirtschaftsförderung, Andre Boschem, hat er gestern eine neue Werbekampagne für die Stadt Essen vorgestellt, die ganz auf die Suggestivkraft von Bildern setzen will. Unter dem Oberbegriff „Visit Essen“ wollen EMG und EWG touristisches und auf den Wirtschaftsstandort bezogenes Marketing bündeln, wobei beide klarmachten, dass beides untrennbar zusammenhängt.

„Wir wissen, dass Menschen Geschichten lieben – und Bilder“, so Röhrhoff. Frecher als bisher soll es dabei zugehen, hin und wieder auch provokant. Also rudert der Sportler Max Hoff im Werbevideo in seinem Kanu über den Baldeneysee, es wird kräftig geschwärmt über die Schönheit des Gewässers, aber Hoff räumt auch ein, dass er im Powertraining bei extremer Anstrengung schon mal die Fische füttert.

Welterbe Zollverein soll wichtigere Rolle als bisher spielen

Oder das Beispiel eines neuen Plakats, das die Vorzüge des Museums Folkwang rühmt: Ein junger Anzugträger steht neben einem Gemälde, doch er ist erkennbar in erster Linie von sich selbst begeistert. Schließlich setzt das Duo ganz auf die Marke Zollverein. „Andere Städte hätten gerne ein Welterbe, in Essen gehen wir damit noch nicht offensiv genug um“, so Röhrhoff.

Essen, die Kulturstadt, Essen, die grüne Stadt – das sind inhaltlich die wesentlichen, nicht ganz neuen Botschaften. Laufen sollen sie ganz klassisch auf Reklamewänden, etwa in Flughäfen und als Anzeigen in Zeitschriften, die ein reisefreudiges Publikum erreichen.

Schon aus Kostengründen gehen aber die meisten Hoffnungen in Richtung Internet. Über Netzwerke wie Facebook und über die Zusammenarbeit mit Reisepublizisten soll jene Reichweite erzielt werden, die mangels Geld durch klassische Werbung nicht zu schaffen ist. Röhrhoff ließ früh durchblicken, dass die EMG viel aufzuholen hat, da die Bespielung der sozialen Medien bislang nicht sehr professionell war.

Jahraus, jahrein hat die EMG hingegen gerne Erfolgsmeldungen verkündet, wonach die Essener Touristenzahlen stärker wachsen als anderswo. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass Essen als Ziel von Städtereisen unterdurchschnittlich gefragt ist. Röhrhoff: „Nur weil wir von unten kommen, wachsen wir stärker, da darf man sich nicht in die Tasche lügen.“ Die Gesamtzahlen seien im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größenordnung noch recht bescheiden.

Auswärtige sollen bei ihren Emotionen gepackt werden

Auswärtige sollen jedenfalls bei ihren Emotionen gepackt werden, um eine Reise nach Essen zu wagen, getreu Röhrhoffs Überzeugung, dass Gefühle bei Werbebotschaften das entscheidende Kriterium sind. Und weil „weiche Faktoren“ wie der Freizeitwert eines Wirtschaftsstandorts längst auch für Unternehmen bei der Mitarbeiter-Akquise wichtig sind, ist auch Wirtschaftsförderer Andre Boschem ganz auf dieser Linie.

„Über ausgewählte Highlights soll Aufmerksamkeit auf den Standort gezogen werden, um Essen insgesamt im Image zu heben und Begeisterung zu wecken“, heißt es etwas sperrig. Boschem, ein gebürtiger Essener, der 15 Jahre Wirtschaftsförderung in Düsseldorf machte, sagt es so: „Es sind alle Bausteine da, aber wir in Essen stellen unser Licht noch zu oft unter den Scheffel.“

Die alten Rivalitäten zwischen EMG und EWG sollen ein Ende haben

Das wollen die beiden Mittvierziger ändern, die sich außerdem vorgenommen haben, alte Rivalitäten zwischen ihren Gesellschaften zu begraben und ihre Kräfte zu bündeln. „Bei der Zusammenarbeit gab es in der Vergangenheit noch sehr viel Luft nach oben“, wirft Röhrhoff einen Blick zurück. Das war auch deshalb misslich, weil Geld für das Stadtmarketing schon immer knapp war – und weiterhin ist.

500 000 Euro beträgt der von der Stadt genehmigte Jahresetat für die Kampagne, die auf vier Jahre angesetzt ist. Große Sprünge kann man da nicht machen. Bei einem Treffen mit Essener Hoteliers gewann der EMG-Chef immerhin den Eindruck, dass man dort auch finanziell den Neuanfang flankieren will – auf freiwilliger Basis. Sollte das nicht klappen, „müssen wir über eine Tourismusabgabe nachdenken“, so Röhrhoff. In anderen Städten gebe es das längst, und Hotels profitierten schließlich am meisten vom Tourismus in einer Stadt.

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