Innenstadt

Stadt räumt Kettwiger auf: Imbiss und Obststand verschwinden

Die Tage des Obststandes auf der oberen Kettwiger Straße sind gezählt: Ende des Jahres müssen Karim Lali und sein Team das alteingesessene Geschäft aufgeben.

Die Tage des Obststandes auf der oberen Kettwiger Straße sind gezählt: Ende des Jahres müssen Karim Lali und sein Team das alteingesessene Geschäft aufgeben.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Der City-Grill am Essener Baedekerhaus, der Obststand auf der Kettwiger und der Blumenhändler am Limbecker Platz verschwinden von der Bildfläche.

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Diese Verkaufsstände gehören zum Bild der Essener Innenstadt wie der ehrwürdige Dom und das Krupp-Denkmal, doch nun sind ihre Tage gezählt: Der City-Imbiss vor dem Baedekerhaus, der Obststand auf der oberen Kettwiger und der Blumenstand vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz werden Ende des Jahres von der Bildfläche verschwinden. Nur die Blumenfrau direkt vor der Münsterkirche wird weiterhin Rosen, Tulpen und Orchideen verkaufen.

Die Stände und Pavillons laufen seit fast fünfzig Jahren unter Regie der Arbeitsgemeinschaft (Arge) des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes Essen GbR – mit einer Sondernutzungserlaubnis durch das Amt für Straßen und Verkehr. Arge-Geschäftsführer Claus-D. Müller-Knocke wirft der Stadt vor, die Kettwiger Straße regelrecht aufräumen zu wollen: „Ich kann das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen, weil ich dahinter kein Konzept zu erkennen vermag.“

Um die Anfang der 1970er noch zu Zeiten von OB Horst Katzor geschlossene Abmachung zwischen Markthändlern und Stadtverwaltung zu verstehen, muss man sich zurückversetzen in eine längst vergangene Epoche. Es war eine Zeit, in der führende Marktbeschicker wie Erich Knocke und Willy Rosenblatt per Du mit dem jeweiligen Stadtoberhaupt waren und die Dienstwege kurz. „Die damals eröffneten Stände sollten die Innenstadt zu beleben“, erinnert sich Claus-D. Müller-Knocke (67), Erich Knockes Sohn. Die Frittenbude vor dem Baedeker-Haus habe zusätzlich eine soziale Funktion erfüllt. Sie sollte Markthändlern und Schaustellern helfen, die maue Winterzeit zu überstehen. Willy Rosenblatt, inzwischen Ruheständler, betrieb den Obststand gut vierzig Jahre und erhob ihn zu einer Institution.

EMG dringt in der Innenstadt auf neue und zeitgemäße Verkaufspavillons

Doch inzwischen weht ein anderer Wind. Die Essen Marketing Gesellschaft (EMG) verfolgt konsequent ihr Ziel, die Innenstadt attraktiver zu machen. Gestiegen seien deshalb auch die Ansprüche an die Verkaufsstände der Arge, so Geschäftsführer Dieter Groppe. „Wir wünschen uns neue, zeitgemäße Verkaufspavillons, die wegen der Nähe zur historischen Münsterkirche und zum Baedekerhaus auch den Auflagen des Denkmalschutzes entsprechen sollen.“

Im Falle der Blumenhändlerin ist dies offenbar kein Problem. Helma Hürenkamp führt das Geschäft seit genau 25 Jahren – montags bis samstags von 9.30 bis 19 Uhr. Viele Blumenhändler seien aus der Innenstadt verschwunden, aber sie sei fest entschlossen weiterzumachen: „Ich möchte bleiben und bin bereit, in einen modernen Pavillon zu investieren.“

Ein paar Schritte weiter, beim City Grill, sieht die Lage ganz anders aus. „Uns liegt die Kündigung zum 31. Dezember 2019 vor“, bestätigt der EMG-Manager Groppe. Claus-D. Müller-Knocke berichtet von dem mühsamen, fast zehn Jahre währenden Versuch, den City-Imbiss aufzuwerten. „Der Architekt Albrecht hat einen schönen Entwurf vorgelegt, der auch von Stadt und Denkmalbehörde akzeptiert wird.“ Doch allein die Fassade erfordere eine fünfstellige Investition. „Diese können die Betreiber jedoch nicht stemmen, daher die Kündigung.“

Das erste Knöllchen über 150 Euro, das zweite über 250 – und dann die Kündigung

Nun zum Obststand auf der oberen Kettwiger. Zweimal habe die Stadt festgestellt, dass der Pächter die zulässige Standfläche – 7,50 mal 3,50 Meter – überschritten habe. Dem ersten Knöllchen über 150 Euro sei ein zweites über 250 Euro gefolgt, im dritten Brief am 11. September schließlich kam: die Kündigung. Außerdem hätten sich Geschäftsleute über den Obststand beschwert. Geschäftsführer Karim Lali bedauert diese Entwicklung. „Wir haben viel Geld investiert und hätten gerne weitergemacht.“ Nicht nur bei treuen Stammkunden, darunter Gastronomen, sei das Obstgeschäft beliebt, sondern auch bei der Laufkundschaft. Und Bedürftige wüssten, dass für sie abends eine Tüte Obst abfalle.

Stand Nummer drei, der am 1. Januar 2020 verschwunden sein wird, ist der Blumenstand am Limbecker Platz. „Ich habe vor einem Monat die Kündigung erhalten“, sagt Pächter Mohamed Zahnun, der jeden Tag aus Köln nach Essen kommt. Der Händler fügt hinzu: „Das Geschäft läuft hier ohnehin nicht gut, viel bleibt für mich nicht übrig.“

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