Tierschutz

Stadt Essen zahlt künftig 550.000 Euro ans Tierheim

Das Essener Tierheim versorgt Fundtiere – eigentlich eine Pflichtaufgabe der Stadt.

Das Essener Tierheim versorgt Fundtiere – eigentlich eine Pflichtaufgabe der Stadt.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.   Die Stadt zahlt künftig 550.000 Euro für Fundtiere. Andernfalls, so die Drohung der Tierschützer, werde man Hunde und Katzen ins Rathaus tragen.

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Die Stadt Essen und der Tierschutzverein haben sich geeinigt: Ab 2016 soll der Zuschuss für das Tierheim auf 550 000 Euro erhöht werden. Die Tierschützer hatten andernfalls damit gedroht, Hunde und Katzen künftig ins Rathaus zu tragen. Denn für Fundtiere zu sorgen ist eigentlich Pflichtaufgabe der Stadt.

Seit Jahrzehnten übernimmt das Tierheim diese Pflicht, erhielt dafür aber von der Stadt bisher lediglich 200.000 Euro. Der Etat des Heims beträgt inzwischen jedoch 1,4 Millionen Euro – und 67 Prozent davon machen Fundtiere aus. Heißt: Zwei Drittel der 3000 Tiere, die jährlich an der Grillostraße landen, werden im Auftrag der Stadt versorgt. Darum hatte die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Elke Esser-Weckmann, seit geraumer Zeit eine Erhöhung gefordert. Als die Stadt nicht reagierte, kündigte ihr Verein jüngst den Vertrag.

96 Cent je Einwohner

Der Albtraum, ein eigenes städtisches Tierheim aufbauen zu müssen, habe ihm durchaus geholfen, Kompromisse zu finden, sagt der zuständige Dezernent Christian Kromberg nach den Verhandlungen. Dabei wichen die Vorstellungen anfangs deutlich voneinander ab: Die Stadt bot 60 000 Euro im Jahr mehr an, während der Verein erst einen Euro pro Bürger verlangte und dann die volle Kostenübernahme für die Fundtiere forderte: 840 000 Euro. Der Kompromiss liegt nun bei 96 Cent je Einwohner.

Ein gutes Ergebnis, sagen nun beide Seiten glücklich. Der Dezernent, da diese Lösung einerseits wirtschaftlicher sei, als ein Zweitheim samt Personal aufzubauen. „Ich bin sehr froh, dass wir unseren gesetzlichen Auftrag in exzellenter Art erfüllen können“, lobte er das Ergebnis wie die Arbeit der Tierpfleger. Auch Rat und Oberbürgermeister gaben ihm Rückendeckung für eine bessere Finanzierung der Tierschützer. Am Freitag bedankte sich OB Paß für den liebevollen Umgang mit den Tieren an der Grillostraße . Die „symbolische Kündigung“ habe dem Thema Nachdruck verliehen.

Kosten steigen weiter

„Das Ergebnis stellt das Tierheim auf ein halbwegs abgesichertes Fundament“, sagt Esser-Weckmann. Gleichzeitig werde sie mit Blick auf benötigte Spenden kreativ bleiben müssen: Die Kosten steigen schließlich weiter, etwa weil für die 24 Tierpfleger nun der Mindestlohn bezahlt werde. Außerdem stehen regelmäßig neue Anschaffungen an, wie gerade 12 000 Euro für eine Industrie-Waschmaschine. „Wir werden uns auf dem höheren städtischen Betrag nicht ausruhen.“

Wenn Essen wie vorhergesagt 2020 schwarze Zahlen schreibe, könne man ja erneut verhandeln. Ob es die Tierschutz-Chefin ernst meint, wird sich in fünf Jahren herausstellen. So lange läuft vorerst der neue Vertrag zwischen der Stadt und dem Verein. Vertragsbeginn: 1. Januar 2016. Zuvor aber muss der Rat im September zustimmen – woran derzeit niemand zweifelt.

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