Familienclans

Stadt Essen stoppt Kooperation mit arabischer Familien-Union

Ein Bild aus gemeinsamen Zeiten: Am 27. September 2015 gratulierte die Familien-Union Thomas Kufen zur OB-Wahl. Sie hatte seinen Wahlkampf engagiert unterstützt. Inzwischen hat die Stadt die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Verein beendet.

Ein Bild aus gemeinsamen Zeiten: Am 27. September 2015 gratulierte die Familien-Union Thomas Kufen zur OB-Wahl. Sie hatte seinen Wahlkampf engagiert unterstützt. Inzwischen hat die Stadt die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Verein beendet.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Die Stadt Essen und die Awo haben die Kooperation mit der libanesischen Familien-Union beendet. Ein bedrohter Buchautor hat Anzeigen erstattet.

Einst waren sie Partner, jetzt gehen sie getrennte Wege: Die Stadt Essen hat die langjährige Zusammenarbeit mit der umstrittenen libanesisch-arabischen Familien-Union in Integrationsfragen bereits Ende letzten Jahres eingestellt. Das bestätigt Stadtsprecherin Silke Lenz. Als Begründung fügt sie hinzu: „Die Familien-Union hat die Hoffnungen, die die Stadt Essen mit Gründung des Vereins in eine Kooperation hatte, nicht erfüllt.“

Damit steht die Stadt Essen übrigens nicht allein da. Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat die Partnerschaft mit der Familien-Union im Bereich der Jugend-Sozialarbeit aufgekündigt. „Wegen Unvereinbarkeit der Ziele“, wie Awo-Sprecher Peter Marnitz betont. „Wir passen nicht zusammen.“ Zum Bruch sei es schon vor geraumer Zeit gekommen.

OB tadelte Familien-Union für Gewaltandrohungen

Der in Essen ansässige Verein der Familien-Union, ein 2008 gegründeter Zusammenschluss mehrerer libanesisch-arabisch-kurdischer Großfamilien, will laut Satzung in erster Linie die Integration fördern. Zu den starken Männern des Vereins zählt der Mitbegründer Abou Mounir Ali Khan.Vor wenigen Tagen hat OB Thomas Kufen, einst Integrationsbeauftragter der Landesregierung, die Familien-Union scharf kritisiert. Anlass waren die von der libanesischen Community aber auch von führenden Repräsentanten des Vereins verbreiteten Hass-Botschaften und Drohungen gegen den Berliner Publizisten Ralph Ghadban („Arabische Clans – die unterschätzte Gefahr“).

Der OB hatte diese Drohungen „auf das Schärfste“ verurteilt und die Familien-Union aufgefordert, sich von Gewalt zu distanzieren. In keiner freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft, tadelt Kufen, dürfe auf Kritik Gewaltandrohung folgen.

Polizei führt für LKA Berlin Gefährderansprache durch

Der übelst und massiv bedrohte Buchautor, der seitdem unter Polizeischutz steht und sicherheitshalber seine Wohnung wechseln musste, hat inzwischen drei Strafanzeigen erstattet – auch gegen Mitglieder der Essener Familien-Union. Die Essener Polizei hat im Auftrag des Landeskriminalamtes Berlin eine Gefährderansprache durchgeführt.

In einem Offenen Brief an OB Kufen bekennt sich der Vorstand der Familien-Union jetzt zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Gleichzeitig behauptet der Vorstand, die Familien-Union in Essen sei „in Europa der „einzige aktiv demokratische Verein mit arabischen und kurdischen Gründungsmitgliedern libanesischer Herkunft“. Dem Buchautor Ralph Ghadban wirft der Verein vor, „libanesisch-kurdische und arabische Familien pauschal zu kriminalisieren“, indem er sie mit organisierter Kriminalität und schweren Verbrechen in Deutschland in Verbindung bringe.

Verein hebt Engagement seiner Lokalpolitiker hervor

Unmittelbarer Auslöser der Hassbotschaften und Drohungen war ein Interview, das Ralph Ghadban dem libanesischen Fernsehsender LBC im April gegeben hat. Das Buch ist bereits im vergangenen Oktober erschienen. In einer Stellungnahme an den Beiruter TV-Sender soll Ali Khan („Wir sind nicht kriminell“) positiv herausgestrichen haben, dass die Familien-Union einen „Abgeordneten im Essener Stadtrat“ stelle. Gemeint ist der grüne Ratsherr Ahmad Omeirat. Ferner stelle die Familien-Union jeweils zwei Mitglieder in den Integrationsräten von Essen und Gelsenkirchen.

Aktuell ist ein neuer Aufruf in arabischer Sprache in Umlauf, in dem für eine Art Sammelklage gegen Ralph Ghadban und den libanesischen Sender LBC geworben wird. Verfasser dieses Aufrufs soll Abou Mounir Ali Khan von der Essener Familien Union sein.

>>> KRIMINELLE GESCHÄFTE DER CLANS

  • Der aus dem Libanon stammende Migrationsforscher Ralph Ghadban, weist seit Jahren auf die kriminellen Machenschaften libanesisch-kurdischer Großfamilien in Deutschland hin.
  • In seinem aktuellen Buch „Arabische Clans“ behauptet er, dass diese Großfamilien in Essen, Duisburg, Bremen und Berlin die Geschäfte mit Raub, Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Geldwäsche dominierten. Mittlerweile seien kriminelle Clans so stark, dass sie zum Angriffen auf die Staatsgewalt übergingen. Sie suchten die Konfrontation mit Justiz, Polizei und Jugendämtern.
  • NRW-Innenminister Herbert Reul geht seit über einem Jahr mit Razzien in Essen und im übrigen Ruhrgebiet massiv gegen kriminelle Clans vor.

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