Wohnungslose

Stadt Essen richtet eine Notschlafstelle nur für Frauen ein

Nicht immer hat Essens Sozialdezernent so viel mediale Aufmerksamkeit wie beim Besuch der Essener Tafel im März 2018. Aber an die Basis gehen, soziale Einrichtungen besuchen, will Peter Renzel jetzt allmonatlich.

Nicht immer hat Essens Sozialdezernent so viel mediale Aufmerksamkeit wie beim Besuch der Essener Tafel im März 2018. Aber an die Basis gehen, soziale Einrichtungen besuchen, will Peter Renzel jetzt allmonatlich.

Foto: Schimmel

Essen.  Einen Tag lang sah sich Sozialdezernent Peter Renzel Angebote für Wohnungslose an. Und verkündete: Wir schaffen eine Notschlafstelle für Frauen.

Peter Renzel hat ein neues Format erfunden, das man „Sozialdezernent on Tour“ nennen könnte. Er selbst spricht schlicht von einem Thementag, den er in diesem Jahr allmonatlich an der Basis verbringen will: Etwa bei den Anlaufstellen, die sich um Drogensüchtige oder psychisch Kranke kümmern. Gestartet ist Renzel mit Wohnungslosen, hat Einrichtungen besucht, die Beratung, Hilfe, Therapie oder Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Renzel war schon vor dem aktuellen Kälteeinbruch unterwegs, und er notierte später im Online-Netzwerk Facebook: Über 13 Stunden sei er unterwegs gewesen, mehr als „einen ganzen Arbeitstag“. Das sei interessant gewesen, „informativ, aufklärend, beeindruckend, erstaunlich, aufrüttelnd, bewegend, vorbildlich“. Das dürfte sich nicht über jeden Arbeitstag sagen lassen.

„Nach einem solchen Tag wird man demütig“

Für den gelernten Sozialarbeiter ist die Begegnung mit Menschen, „die schwere Lebensbrüche“ erlebt haben, nicht neu. Und doch sagt er: „Nach einem solchen Tag wird man demütig, dankbar für das Glück, das man hat. Auch weil man erkennt: ,Ich könnte da auch stehen‘, denn manches im Leben hängt auch von unglücklichen Zufällen ab.“ Gleichzeitig habe er erlebt, dass viele der vermeintlichen Verlierer ihre Zuversicht nicht verloren hätten: „In den Menschen steckt eine unheimliche Hoffnung, wieder auf die Füße zu kommen.“

Dass diese Hoffnung erhalten bleibt, ist auch den Mitarbeitern vor Ort zu verdanken, mit denen sich Renzel auf seiner Tour unterhalten hat. Als „außerordentlich engagiert“ habe er sie erlebt – und als sehr kompetent. Es gebe in der Wohnungslosen- und Gefährdetenhilfe ein tolles Netzwerk und einen gut geschärften Blick für die Lücken im System. So müsse man gucken, wie man jungen Menschen noch besser helfe, die gerade volljährig aus der Jugendhilfe fallen, wie man Brüche vermeide und sie in andere Angebote überleite.

Frauen bekommen eine eigene Notschlafstelle

Eine weitere Lücke sind die Übernachtungsmöglichkeiten für Frauen. Derzeit sind von den 58 Plätzen in der Notschlafstelle an der Lichtstraße 50 Plätze für Männer reserviert, die auch das Gros der Besucher ausmachen. Doch die Zahl der Frauen wächst und die Situation vor Ort sei beengt, sagt Renzel nach seinem Besuch. „Bis zum nächsten Winter wollen wir mit den Trägern eine Notschlafstelle nur für Frauen entwickelt haben.“ Sie solle 15 bis 20 Plätze haben und mit besonderen Beratungsangeboten den „Lebensumständen von Frauen“ Rechnung tragen, heißt es in der Verwaltung. Die Lichtstraße solle dann Männern vorbehalten bleiben; sei erst der Brandschutz verbessert, könne man dort bis zu 65 Plätze schaffen.

Sollte es diesen Winter noch zu Engpässen kommen, können zehn Plätze in einem leerstehenden Gebäudeteil der Flüchtlingsunterkunft an der Papestraße genutzt werden. Außerdem hätten andere Träger versprochen, in Notfällen zu helfen. Mittelfristig aber, auch das ist ein Fazit von Renzels Tag vor Ort, müsse man auch die Kapazitäten des Wohnungsmarktes in den Blick nehmen und mit den Wohnungsgesellschaften über „ganz neue Wohnformen“ sprechen.

>>> ANGEBOTE FÜR MENSCHEN OHNE WOHNUNG

Übernachtungsangebote: Notschlafstelle; Integrationsangebot mit Übernachtung; städtisches Übergangswohnheim, Raum 58.

Niedrigschwellige Angebote: Tagesaufenthalte möglich in der Beratungsstelle mit integrierter Suppenküche, Anlaufstelle „Nachtfalke“, Krisencafé, Café Schließfach, Beratungscontainer Strich-Punkt, Arztmobil, Bahnhofsmission, Kleiderkammer, Essener Tafel.

Beratungsangebote: Beratungsstelle für Straffällige und deren Angehörige; Beratungsstelle für wohnungslose Männer und Frauen; Betreuung in den städtischen Unterkünften; sozialpädagogisch begleitende Hilfen.

Stationäre Hilfen: Kurzzeit- Aufnahmezentrum Ahrfeldstraße (Frauengruppe), Die Fähre, GSE Männerwohnheim, Haus Bruderhilfe-Sozialtherapeutisches Zentrum, Haus Wendelin, Theresienhaus, Gustav-Heinemann-Haus.


Besondere Wohnformen: Haus Immanuel, GSE Männerheim, GSE Esternhovede.

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