Problemimmobilien

Stadt Essen räumt Problemimmobilien Ripshorster Straße

Muss raus aus der Ripshorster Straße: Kfz-Mechaniker Zvonko Hrustelj betreibt auf dem Grundstück Nummer 380 seit 35 Jahren eine Autowerkstatt. Weil die Stadt als neue Eigentümern räumen lässt, muss sich der 62-Jährige eine neue Bleibe suchen.

Muss raus aus der Ripshorster Straße: Kfz-Mechaniker Zvonko Hrustelj betreibt auf dem Grundstück Nummer 380 seit 35 Jahren eine Autowerkstatt. Weil die Stadt als neue Eigentümern räumen lässt, muss sich der 62-Jährige eine neue Bleibe suchen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Stadt Essen will Missstände im Gewerbegebiet Ripshorster Straße (Dellwig) beseitigen. Sie hat Problemimmobilien gekauft und lässt sie räumen.

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Die Stadt Essen beginnt damit, die von ihr erworbenen Problemimmobilien an der Ripshorster Straße in Dellwig nahe der Stadtgrenze Oberhausen zu räumen. Es ist eine Mammut-Putzaktion, bei der nicht nur bergeweise Schrott, Altautos und Autoteile und ausrangierte Kühlschränke entsorgt werden müssen. Besonders heikel ist der dort illegal abgelagerte Müll: Autoreifen, Elektroschrott, Ölfässer und dergleichen. Die Verwaltung geht davon aus, dass diese Räumungs- und Entsorgungsarbeiten mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werden: 2020 und 2021.

Das schmutzige und vielfach illegale Geschäft mit Altautos und ausrangierten Kühlschränken hat das Gewerbegebiet Ripshorster Straße seit bald zwei Jahrzehnten gründlich in Verruf gebracht. Weil selbst Razzien von Zoll, Polizei, Ordnungs- und Umweltamt sowie Gewerbeaufsicht keine Besserung brachten, hat die Stadt Essen tief in die Tasche gegriffen und drei Problemimmobilien – Ripshorster Straße 380, 381 und 382 – für 1,113 Millionen Euro aufgekauft. Der Rat hat das Geschäft per Dringlichkeitsentschädigung Anfang dieses Jahres genehmigt, der Besitzübergang erfolgte erst am 24. August.

Letzten Freitagmorgen an der Ripshorster Straße 381: Mitarbeiter des Amtes für Immobilienwirtschaft versuchen vergeblich auf das städtische Grundstück zu kommen.

Weil sie vor verschlossenen Türen stehen, muss ein Schlüsseldienst anrücken und die Pforte öffnen. Die Atmosphäre ist ungemütlich, nicht nur wegen der Kälte und des Dauerregens. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite verfolgen derweil ein Dutzend Männer, eigenen Angaben zufolge allesamt Nigerianer, misstrauisch das Geschehen.

„Hinter der Bahnschranke – da gehen die Uhren anders“

Zvonko Hrustelj (62) ist schon seit 35 Jahren Inhaber einer Kfz-Werkstatt auf dem Grundstück Ripshorster Straße 380 schräg gegenüber und kann sich an bessere Zeiten erinnern. „Hinter der Bahnschranke – da gehen die Uhren anders“, sagt er über das von zwei Bahnlinien eingefasste und weitgehend schmuddelige Gewerbegebiet. Von den schwarzen Schafen distanziert er sich deutlich. „Bei mir ist alles versteuert und angemeldet – und ich entsorge mit Nachweis.“

Der schwunghafte Handel mit Altautos, Autoteilen und Elektroschrott, berichtet der Schrauber, sei fest in Händen einer Nigeria-Connection, angeblich mit einem schillernden „Schrott-König“ an der Spitze. Einheimische sprächen deshalb nicht mehr von der Ripshorster, sondern von der „Afrika-Straße“. Sattelschlepper fahren die mit Schrott befüllten Container zum Hafen nach Antwerpen, wo sie auf Schiffe mit Ziel Nigeria verladen werden. An Nachschub besteht kein Mangel: Zahlreiche abgemeldete Schrott-Autos säumen die Ripshorster Straße, viele mit dem Zettel der Stadt, der amtlichen „Beseitigungsaufforderung“.

Für Zvonko Hrustelj steht fest: „Ich muss bis spätestens Ende nächsten Jahres raus hier, am besten so früh wie möglich.“ Doch etwas Neues habe er nicht in Sicht. Auf dem kleinteiligen und verwinkelten Areal gibt es 17 separate Parzellen. Nur noch drei davon seien in Betrieb, die 14 anderen, allesamt Afrikaner, seien bereits weg.

Amt: „Zuerst geräumt, dann erneut mit illegal abgelagertem Schrott verunreinigt“

Ein aktueller Sachstandstandsbericht der Verwaltung enthüllt, wie komplex und teuer die Aufräumarbeiten sein werden, die nun auf die Stadt zukommen. So seien einzelne Parzellen des Grundstücks Nummer 380 beim Besitzübergang an die Stadt im August zwar „zunächst ansatzweise geräumt“ gewesen, doch zwischenzeitlich seien sie „erneut mit illegal abgelagertem Müll und Schrott verunreinigt“.

Die Kosten für das Verladen von Müll und Schrott veranschlagt die Stadt auf fast 86.000 Euro, hinzu kämen weitere 26.337,52 Euro für das Verladen der Altreifen, für die der Voreigentümer gerade zu stehen habe. Allerdings warnt die Verwaltung davor, dass sie auf diesen Kosten sitzenbleiben könne. „Es besteht das Risiko, dass der Anspruch nicht durchgesetzt werden kann.“

Auf dem Doppelgrundstück 381/383 enden die Mietverhältnisse schon Ende dieses Jahres, der Übergabetermin ist Anfang Januar. „Es ist davon auszugehen, dass die Grundstücke nicht komplett freigestellt übergeben werden, so dass mit Kosten für Räumungs- und Entsorgungsarbeiten zu rechnen sei“, so der Sachstandsbericht. Und die Höhe der Kosten? „Kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden.“

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