Straßennamen

Stadt Essen plant neue Namen für drei Plätze

Die alte Freiheit muss dem Europaplatz weichen – ein bisschen. Kurios: Das alte Nordstern-Gebäude (rechts) behält die Adresse Freiheit 1.

Foto: Socrates Tassos

Die alte Freiheit muss dem Europaplatz weichen – ein bisschen. Kurios: Das alte Nordstern-Gebäude (rechts) behält die Adresse Freiheit 1. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Stadt Essen will drei Plätzen einen neuen Namen geben. So soll die Freiheit am Hauptbahnhof bald Europaplatz heißen.

Die alte Freiheit ist bald futsch: Der zu ebener Erde genauso wie ein Tunnel-Stockwerk tiefer verkehrsumtoste Kreisel südlich des Hauptbahnhofs, er dürfte bald „Europaplatz“ heißen, so haben sie es sich im Rathaus gedacht. Die Umbenennung soll den Abschluss des Grüne Hauptstadt-Jahres markieren, auch wenn einem nicht so ganz einleuchten mag, warum. Den „Wiesengrund“ aber gibt’s halt schon in Dellwig, den „Waldfrieden“ in Bredeney, die „Grüne Aue“ in Kray, den „Brüsseler Platz“ in Rüttenscheid und „Am EUROPA-CENTER“ in Holsterhausen blickt man mehr auf das Immobilienprojekt gleichen Namens als auf den Glanz der zwölf goldenen Sterne auf blauem Grund. Darum also.

Dabei zeigt der für Ende September geplante Beschluss, der mit zwei weiteren Benennungen daherkommt, das ganze Problem neuer Straßentaufen im Essener Stadtgebiet auf: Es gibt angesichts von rund 3360 Straßen im Stadtgebiet schlichtweg kaum noch „Nachschub“ für Neubenennungen, allenfalls in abgelegeneren Wohnquartieren, und deshalb neigt man bei der Stadt neuerdings zum Platz-Splitting.

Für Jakob Funke bleiben 40 Meter Platz

So wie am Eingang zum Universitätsviertel, wo die Funke Mediengruppe, zu der auch NRZ und WAZ gehören, derzeit ihre neue Unternehmenszentrale baut. Zwischen dem schwarz verkleideten aufgeständerten Bürokomplex und dem wenige Meter entfernten runden Büroturm erstreckt sich künftig der Jakob-Funke-Platz – Reminiszenz an den 1975 verstorbenen Journalisten und Verleger, der gemeinsam mit Erich Brost die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) gründete und dieser längst bundesweit wie auch international agierenden Mediengruppe seit vier Jahren seinen Namen leiht.

Wie weit es der Jakob-Funke-Platz in den Sprachgebrauch der Essener schafft, wird sich zeigen, zumal er nur rund 40 Meter ins Uni-Viertel hineinragt und dem Einkaufszentrum Limbecker Platz gegenüberliegt, das wiederum am Berliner Platz liegt. Das Platzangebot, es weitet sich.

Stadt „Europaplatz“ lieber „Freiheit“ als Adresse

So wie auch in Rüttenscheid, wo der Grugaplatz – als dritter im Bunde – einen neue Bezeichnung bekommen soll: Messeplatz heißt die naheliegende Bezeichnung, die aber den alten Namen von 1954 nicht verdrängt. So bleibt es östlich der Alfredstraße beim Grugaplatz, während der Vorplatz der Grugahalle und vor allem des neuen Messe-Entrees statt der Norbertstraße demnächst „Messeplatz“ als Adresse führt. Das Atlantic Hotel begrüßt die Umbenennung, was keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Straßennamen zu ändern, das heißt erfahrungsgemäß: Ärger entfachen über zusätzlichen Aufwand, postalische Missverständnisse oder fehlgeleitete Navigation. Je weniger Anlieger, desto besser, lautet die Erkenntnis.

Und so wundert es nicht, dass das einstige Nordstern-Gebäude – obwohl demnächst am neuen „Europaplatz“ gelegen – seine schöne Adresse „Freiheit 1“ nicht hergeben mag. Die Freiheit als Straßenbezeichnung (die ursprünglich übrigens die neue städtebauliche Freiheit nach dem Abriss der dortigen Huyssens-Stiftung meinte), es wird sie auch künftig geben, schließlich reicht der Straßenzug vom Verkehrskreisel in Richtung Osten vorbei am Fernbusbahnhof bis zur Bernestraße. Hobby-Historikern von morgen wird man allerdings erst dieses schöne Bonmot aus der Nazi-Zeit erklären müssen, dass die Freiheit anfängt, wo die Adolf-Hitler-Straße (heute Kettwiger Straße) aufhört. Das genau ist künftig nicht mehr der Fall.

Helmut Kohl und Helmut Schmidt auf der Paten-Liste

Wo kaum noch ein Platz für neue Namen frei ist, haben es auch künftige Paten schwer. Das musste die CDU mit Hans Toussaint erfahren, der als Ex-OB dem Kreisverkehr am Deutschlandhaus seinen Namen leiht, aber mangels Anwohner auf keinem Brief jemals auftauchen wird. Aktuell treibt die Politik die Frage um, wie man denn den kürzlich verstorbenen Bundeskanzler Helmut Kohl ehren könnte. Die CDU will mit einem Parteitagsbeschluss im Rücken das Thema demnächst auf die Agenda bringen, und es würde einen nicht wundern, wenn die SPD – Ausgleich muss sein – Ähnliches mit Helmut Schmidt vorhat.

Platz für Neue(s) ist halt nicht leicht zu finden, wie gesagt: Die alte Freiheit ist futsch.

DREI NEUE PLÄTZE UND DER WEG DORTHIN

Bei Straßen, Wegen, Plätzen und Brücken mit überbezirklicher Bedeutung entscheidet der Hauptausschuss des Rates über die Namensgebung – so wie im Fall der „Freiheit“, die in ihrem Westteil zum „Europaplatz“ wird.

Anders sieht es beim „Jakob-Funke-Platz“ und dem „Messeplatz“ aus: Hier entscheidet die örtliche Bezirksvertretung, der Hauptausschuss wirkt nur beratend mit. Alle Beschlüsse sollen noch im September fallen.

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