Sicherheit

Stadt Essen nimmt Superkameras gegen Kriminelle in den Blick

Die Stadt Essen denkt über eine neue Videotechnik für die Innenstadt nach, die derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes in Mannheim getestet wird.

Die Stadt Essen denkt über eine neue Videotechnik für die Innenstadt nach, die derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes in Mannheim getestet wird.

Foto: Arno Burgi

Essen.   Essener Delegation macht sich in Mannheim ein Bild von Videokameras mit künstlicher Intelligenz. Technik könnte in der City zum Einsatz kommen.

Bei ihren Planungen für mehr Kameras gegen Kriminalität in der City geht die Stadt Essen den nächsten Schritt: Eine Delegation wird sich am 21. März auf den Weg nach Mannheim machen, um sich in der baden-württembergischen Kommune europaweit einzigartige Super-Kameras mit einer Art künstlichen Intelligenz zur Beobachtung öffentlicher Plätze und Straßen vorführen zu lassen. „Wir gucken uns das jetzt an“, sagte Ordnungsdezernent Christian Kromberg auf Nachfrage.

Die Stadt Essen hatte die hochmoderne computergesteuerte Technik zusätzlich zu der bisherigen Videobeobachtung durch die Polizei am Rheinischen Platz in den Blick genommen, nachdem Oberbürger Thomas Kufen Ende des vergangenen Jahres den Auftrag erteilt hatte, die Machbarkeit einer Videobeobachtung für die Viehofer Straße zu prüfen. Ausschlaggebend dafür waren Beschwerden von Geschäftsleuten und Anrainern, die sich über zunehmende Straftaten und Unsicherheit vor allem durch Drogendealer und -konsumenten beklagt hatten.

Nach den Vorstellungen des Oberbürgermeisters soll die rund 700 Meter lange Fußgängerzone der Viehofer Straße bis hin zum Flachsmarkt mit Kameratechnik ausgestattet werden. Bislang reicht das Behörden-Auge nur bis zum Pferdemarkt.

Gesichter werden automatisch gepixelt

Eine erste juristische Prüfung jedenfalls hat bislang keine aus datenschutzrechtlicher Hinsicht unüberwindbaren Hürden erkennen lassen, so Kromberg. Die Kameras reagierten allein auf Bewegungsmuster, es würden keinerlei persönlichkeitsrelevanten Daten erhoben, Gesichter automatisch gepixelt.

Vielmehr soll die Software der Geräte in der Lage sein, anhand von wiederkehrenden Berechnungen, sogenannten Algorithmen, unnatürliche Bewegungen von Menschen im öffentlichen Raum zu erkennen. Wird zum Beispiel ein Passant angerempelt, fällt er zu Boden, rennt jemand auffällig schnell durch die Einkaufsstraße oder kommt es zu ungewöhnlichen Zusammenrottungen, schlägt das System automatisch Alarm.

Auf einem Monitor einer Behörde erscheint dann eine Warnung, ein Mitarbeiter kann sich die aufgezeichnete Szene schnell anschauen und im Bedarfsfall gezielt Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens schicken. Um diese schnelle Reaktion zu gewährleisten, sei eine „gemeinsame Trägerschaft von Stadt und Polizei“ bei einem solchen Kameraprojekt unabdingbar, machte Kromberg deutlich.

Klassische Beobachtung durch Kommune nicht erlaubt

Und: Eine klassische Videobeobachtung, wie sie die Polizei seit über zwei Jahren am Rheinischen Platz fährt, sei der Kommune auch nach der Reform des Polizeigesetzes NRW nicht erlaubt, so Kromberg: „Und ich glaube im Leben nicht daran, dass sich das in naher Zukunft ändern wird.“

Nachdem die Pläne der Stadt bekannt geworden waren, die sogenannte „intelligente Videobeobachtung“ näher in den Blick zu nehmen, gab es Reaktionen aus ganz Deutschland, so Kromberg. Führende Systemhersteller meldeten sich, die das Projekt in Essen realisieren wollen.

Ein wenig werden sich wohl noch gedulden müssen: Nach dem Besuch in Mannheim will Kromberg zunächst der örtlichen Politik von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen mit dem neuen System berichten: „Und dann werden wir festlegen, ob, wann und wie wir das in Essen umsetzen.“

>>>DEUTLICH WENIGER STRAFTATEN

  • Die Wartungskosten nicht mit eingerechnet, hat die Videobeobachtung am Rheinischen Platz 500.000 Euro gekostet und binnen eines Jahres über 7000 Arbeitsstunden gefressen, weil Mitarbeiter auf der Leitstelle die übertragenen Bilder ständig im Blick haben.
  • Passiert etwas vor ihren Augen, ist laut Polizei gewährleistet, dass Streifenwagen binnen kürzester Zeit vor Ort seien, um Straftaten zu verhindern oder Täter festnehmen zu können.
  • Die Straftaten an dem Kriminalitätsbrennpunkt Rheinischer Platz gingen in einem Jahr der Videobeobachtung um fast 36 Prozent und damit deutlicher als an anderen Orten in der Stadt zurück. Und es bildete sich nach Darstellung der Polizei keine vergleichbar große Szene andernorts.

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