Verkehrsüberwachung

Stadt Essen blitzt in einem Jahr fast 146.000 Tempo-Sünder

     

     

Essen.   Jeder 13. Autofahrer in Essen nimmt es nicht allzu genau mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit – selbst vor Schulen und Kindergärten nicht.

Ein zunehmende Zahl von Verkehrsteilnehmern nimmt es offenbar nicht allzu genau mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf Essener Straßen: Die Stadt hat im vergangenen Jahr 145.935 Tempo-Sünder geblitzt – etwa jeder dritte davon wurde vor Schulen oder Kindergärten erwischt. Die stadtweite Quote aller Übertretungen lag bei 7,3 Prozent. Jeder 13. kontrollierte Autofahrer war zu schnell unterwegs. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor lag der Schnitt noch bei 6,5 Prozent, während über 43.000 Geschwindigkeitsverstöße weniger geahndet wurden.

Dies geht aus der Bilanz der mobilen Geschwindigkeitsüberwachungen in allen neun Bezirksvertretungen hervor, die das Ordnungsamt jetzt veröffentlicht hat. Stadtweit wurden demnach auf 514 überwachten Straßen über zwei Millionen Fahrzeuge gemessen. 2017 kam die Stadt auf 431 Standorte mit fast 1,6 Millionen erfassten Verkehrsteilnehmern. Dazu kommen für das vergangene Jahr 36.360 zu rasante Missetäter am Steuer, die sich allein in der Statistik des Polizeipräsidiums Essen wiederfinden.

57.500 Temposünden vor Schulen und Kindergärten

Die mit acht Prozent anteilig meisten Verstöße wurden von der modernen Lasertechnik der Stadt in den Bezirken V (Altenessen, Karnap, Vogelheim) und VI (Katernberg, Schonnebeck, Stoppenberg) registriert. In der Innenstadt und seinen Anrainer-Vierteln war die Sünder-Quote am niedrigsten. Dort fielen in absoluten Zahlen jedoch die meisten Raser auf: Immerhin 26.541 bei 855 Einsätzen der mobilen kommunalen Blitzer.

Auch vor Schulen und Kindergärten, wo eine Missachtung der Regeln umso unverantwortlicher erscheint, war es um Rücksichtnahme und Verantwortungsgefühl nicht allzu gut bestellt – was sowohl für den fließenden als auch den ruhenden Verkehr gilt: Rund 57.500 Auto- und Motorradfahrer wurden vor den besonders sensiblen Einrichtungen erwischt, weil sie zu schnell unterwegs waren. Im vergangenen Jahr waren es „nur“ knapp 41.000 und 2016 rund 37.000. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren stieg somit die Sünder-Quote in 2018 um rund ein auf 6,9 Prozent – trotz aller Warnschilder, Tempolimits und einer erhöhten Unfallgefahr für Kinder und Jugendliche.

Als Gründe für die Zunahme der registrierten Verstöße führt die Stadt unter anderem die Möglichkeiten der im Jahr 2017 angeschafften Lasermesstechnik an, die seitdem in drei von fünf kommunalen Blitzer-Autos eingesetzt wird. Sie erlaube eine flexiblere Auswahl der Standorte als die früheren Radaranlagen.

400 Parkverstöße weniger geahndet als im Jahr zuvor

Weniger effektiv als in den Jahren zuvor konnte sich die Stadt allerdings bei der Überwachung des fließenden Verkehrs aufstellen. Ab dem dritten Quartal habe es eine „starke personelle Fluktuation bei den Außendienstkräften“ gegeben, so dass die Zahl der Einsätze vor Schulen und Kindergärten um rund 300 gegenüber den beiden Vorjahren zurückgefahren werden musste. Da wundert es nicht, dass in 2018 mit 1625 Parkverstößen über 400 weniger geahndet werden konnten als noch im Jahr zuvor. Wieviel Geld über die geahndeten Verkehrsverstöße in der Stadtkasse landete, konnte die Verwaltung am Montag nicht sagen.

Die Essener Polizei hatte vor wenigen Wochen über mangelnde Rücksichtnahme und zunehmende Ignoranz auf den Straßen der Stadt geklagt. „Die Verkehrsmoral ist in Teilen unterirdisch“, sagte Polizeidirektor Wolfgang Packmohr. Und auch seiner Behörde fehle es an Personal, um deutlicher im Verkehrsraum präsent zu sein.

>>>134 UNFÄLLE DURCH TEMPOSÜNDER

  • Wie die Essener Polizei sind auch Experten der Verkehrswacht davon überzeugt, dass mindestens ein Drittel aller 25.000 Unfälle des vergangenen Jahres in Essen hätten vermieden werden können, wenn sich alle zumindest einigermaßen an die Regeln gehalten hätten.
  • Bei 134 Unfällen des vergangenen Jahres in Essen war allein überhöhte Geschwindigkeit die Ursache. Dadurch verunglückten 122 Menschen.
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