Zuwanderung

SPD diskutiert Integration – doch nur wenige interessiert’s

Spärlicher Zuspruch für eine spannende Diskussion: Nicht einmal drei Dutzend Zuhörer verloren sich bei der SPD-Veranstaltung mit hochkarätigen Gesprächspartnern im Grillo-Theater.

Spärlicher Zuspruch für eine spannende Diskussion: Nicht einmal drei Dutzend Zuhörer verloren sich bei der SPD-Veranstaltung mit hochkarätigen Gesprächspartnern im Grillo-Theater.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Mit zwei „Hochkarätern“ der Zuwanderungsdebatte diskutierte die SPD die Integration von Zuwanderern. Das Echo blieb mau – auch in eigenen Reihen.

Der eine mögliche Schuldige, „Eberhard“ sein Name, blies draußen vor der Theater-Tür die letzten leeren Pappbecher von der Straße. Aber wenn es nicht am Sturmtief lag, dass diese SPD-Diskussion zur Integration am Montagabend so spärlich besucht war, und nicht daran, dass zu diesem Thema längst jeder seine eigene „Wahrheit“ gefunden hat – vielleicht, so sinnierte Karlheinz Endruschat oben im Saal enttäuscht, „vielleicht erwartet ja von der SPD einfach niemand mehr eine spannende kritische Diskussion“.

Ja, vielleicht.

Den Parteivize und Ratsherrn aus Altenessen muss dies vor allem deshalb grämen, weil da auf dem SPD-Podium ein hochkarätiger Gast eben jene Skepsis gegenüber vermeintlichen Integrations-Erfolgen verbreitete, mit der Endruschat in den eigenen Reihen zuletzt so angeeckt war: Joachim Wagner, bekannt als TV-Journalist („Panorama“) fragt in seinem jüngsten Buch ob die Integration am Islam scheitert. Und lässt an diesem Abend vor nicht einmal drei Dutzend besetzten Stühlen durchblicken, dass er das Fragezeichen durchaus weglassen würde.

Für Toprak ist die Integration „besser als ihr Ruf“

Der Dortmunder Sozialwissenschaftler Professor Ahmet Toprak hält dagegen, findet, die Integrations-Bilanz in deutschen Landen sei „besser als ihr Ruf“, ja, sie sei erst recht „gut gelaufen, ja fast ein Wunder“ angesichts des Umstands, dass es dafür über Jahre und Jahrzehnte kein wirkliches Konzept gegeben habe.

Dazwischen blieb viel Platz für jene „wunderbare Diskussion“, die SPD-Vorstandsmitglied Professor Gereon Wolters als Moderator am Ende registriert haben will, die allerdings nur hier und da andeutungsweise jene Fragen beleuchtete, die gerade im Essener Norden vielen auf den Nägeln brennen. Im Mittelpunkt die Frage, warum ein Großteil der Integrationsleistung dieser Stadt von einigen Schwerpunkt-Stadtteilen geleistet werden muss: „Wir reden hier eben nicht über Bredeney, sondern über Altenessen“, wie Wagner formulierte.

Zuzugssperre „hätten wir für Altenessen gebraucht“

Dass er gleich eine Zuzugssperre für bestimmte Stadtviertel fordert („Die hätten wir für Altenessen gebraucht“) blieb als lokaler Ausreißer einer Diskussion in Erinnerung, die sich vornehmlich dem Grundsätzlichen widmete, ohne Pöbeleien auskam und die sozialdemokratische Seele streichelte: weil im knapp 30 Köpfe zählenden Publikum die Zahl derer, die Integration eher optimistisch buchstabieren und den bisherigen Parteikurs verteidigen, gefühlt eine spürbare Mehrheit bilden.

Das kann einen Kritiker wie Karlheinz Endruschat nicht so richtig zufriedenstellen, weil ihm damit die Argumente für einen Kurswechsel fehlen. Zumal die Diskussion an diesem Abend ja innerparteilich Anstoß geben sollte fürs künftige Kommunalwahl-Programm. Aber wie soll man anstoßen, innerparteilich, wenn bis auf ein paar Unentwegte selbst die Genossen kaum zur Debatte bereit sind?

Altenessener Stoff für Wagners nächstes Buch

Nicht auszuschließen, dass Endruschat und Co. in Altenessen keine Antworten, sondern nur jene Fragen mitnehmen, die sie auch vorher schon umtrieben haben und die auch der Türkei-stämmige Sozialwissenschaftler Toprak benennt: Wie kann man den Wohnraum einer Stadt so organisieren, dass nicht Ghetto-artige Zustände entstehen?

Was die Altenessener, stellvertretend für einige andere Sozis im Norden, sonst noch bewegt, wird man dann vielleicht im nächsten Buch von Joachim Wagner nachlesen, denn der hatte sich vor der abendlichen Diskussionsveranstaltung mit einer Handvoll Mitgliedern des sozialdemokratischen Ortsvereins Altenessen getroffen.

Er hat dort zugehört und sich Notizen gemacht. Und wie Endruschat das erzählt, klingt es, als sei das keine Selbstverständlichkeit.

>>> WENIGE GENOSSEN IM PUBLIKUM

Stell Dir vor, die Essener SPD diskutiert mit „Hochkarätern“ über Integration – und die eigenen Leute bleiben größtenteils zuhause.

Kaum Mitglieder aus dem Vorstand, keine Abgeordneten, keine Ratsmitglieder fanden ins Grillo-Theater: Selbst der Bürgerzuspruch blieb dürftig.

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