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Spaß und Eltern-Leichtsinn an der neuen Essener Badestelle

Christian Fuchs von der Wasserwacht des DRK schwimmt entlang der Absperrung der Schwimmfläche. Er und seine Kollegen machen jedem klar, dass das Überschreiten nicht gestattet ist.

Foto: Kerstin Kokoska

Christian Fuchs von der Wasserwacht des DRK schwimmt entlang der Absperrung der Schwimmfläche. Er und seine Kollegen machen jedem klar, dass das Überschreiten nicht gestattet ist. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  See-Badestelle ist eine Bereicherung. Fraglich ist nur, ob das strenge Regiment nicht falsche Signale setzt. Schon drei Kinder gerieten in Not.

Die gute Nachricht: Die Ruhr ist so sauber, dass der Wels hier heimisch ist. Die schlechte: So ein Wels stirbt leider auch mal, und ein fast meterlanger zerfallender Fischkadaver direkt neben der neuen Badestelle im Baldeneysee – das kann schon mal kurzzeitig das Schwimmen verleiden. „Wir kümmern uns“, sagt Christian Fuchs von der DRK-Wasserwacht, der am Ufer aufpasst und von Badegästen alarmiert wurde. Und tatsächlich: Nach einer Weile kommt jemand mit einer Mülltüte, um das Malheur zu beseitigen.

„Das ist eben Natur“, sagt Umweltdezernentin Simone Raskob, die am Donnerstag Nachmittag ganz privat und klugerweise mit dem Fahrrad ins Seaside Beach gekommen ist, um sich nach ihrer Tour in den Fluten zu erfrischen. Ein Naturgewässer, so Raskob, sei nun mal nie vergleichbar mit klinisch reinem Chlorwasser im Freibad.

Wohl wahr. Mit Ästen, allerlei Grünzeug, Federn und eben auch Fischen, wovon die allermeisten gottlob lebendig sind, muss stets gerechnet werden. Genau wegen dieser natürlichen Umstände und des wunderbar weichen Wassers lieben ja soviele Menschen das Schwimmen in Flüssen und Seen, das vor allem in Süddeutschland ein Massenvergnügen ist.

Am Donnerstag bekam man eine Ahnung, dass eine ähnliche Entwicklung auch in Essen möglich wäre. Viele Essener scheinen die kleine Badestelle schon jetzt zu mögen, egal übrigens ob sie nun ins Wasser gehen oder nicht. Die drei Stege sind funktional, sehen gut aus und sind stark bevölkert. Der hell gekälkte Betonboden am Ufer ist auch bei Hitze nett zu den Füßen, und die neuen ästhetisch gelungen Holzbänke sind erkennbar beliebt. Und eine Getränkebar ist auch kaum zehn Meter entfernt.

Ein cooler Sommer-Ort, von denen die Stadt noch ein paar mehr vertragen könnte

Immer wieder fahren Segelboote und Surfer neugierig an der Badestelle vorbei, und die Fahrgäste der Weißen Flotte – Reiz des Neuen – können kaum die Augen abwenden. Kein Zweifel, hier ist ein cooler Sommer-Ort entstanden, von denen die Stadt ruhig noch ein paar mehr vertragen könnte. Insofern erst mal ein großes Lob: Alles richtig gemacht, Essen! Und wir als WAZ freuen uns natürlich besonders, dass unsere Idee trotz der anfangs extrem vielen Bedenken doch noch umgesetzt wurde.

Allerdings: Allzu viele Badefreunde sind dann rasch des Guten zuviel. Als am Donnerstag gegen Nachmittag die Hitze so richtig bullt, wird’s spürbar enger in den beiden kleinen Schwimmbereichen. Auswege gibt es leider keine. Wer etwa auf die Idee kommt, dem Andrang in Richtung offener See zu entkommen, wird von den beiden DRK-Aufpassern rigoros zurückbeordert – und zwar bevor er auch nur eine Armlänge von den Begrenzungsseilen entfernt ist.

Das strenge Verbotsregiment ist sonst an See-Badestellen so nicht üblich

Ein Badegast aus München, die süddeutschen Gepflogenheiten gewohnt, findet das strenge Regiment äußerst komisch. Verständlich, denn wer beispielsweise an den Badestellen am Bodensee weit rausschwimmen will, kann das einfach tun. Mittendrin Schlappmachen oder Kollision mit den auch dort zahlreichen Booten fällt dann allerdings unter Privatrisiko, wobei Eltern selbstverständlich für ihre Kinder verantwortlich sind. Am Baldeneysee wird hingegen durch Verbote und wachsame Aufpasser einer Sicherheitsphilosophie gefrönt, wie sie aus städtischen Frei- oder Hallenbädern bekannt ist. Im zwar sauberen, aber dennoch eher trüben See-Wasser ist das im Ernstfall aber schwerer einlösbar.

Schon jetzt geben die Folgen zu denken: „Dreimal mussten wir schon rettend ins Wasser, weil unbeaufsichtigte Kinder nicht gut genug oder gar nicht schwimmen konnten“, berichtet einer der DRK-Aufpasser. Ziemlich unverantwortliche Eltern scheinen sich also darauf zu verlassen, dass schon jemand auf ihre Kinder aufpasst – sind ja „Bademeister“ da! Bleibt somit zu hoffen, dass Stadt und Betreiber Seaside Beach durch die strenge Badeordnung und das Suggerieren von Sicherheit nicht das genaue Gegenteil dessen erreichen, was in guter Absicht gewollt ist: nämlich dass Eltern leichtsinnig werden.

Geplant sind weitere Schilder und verbesserte Absperrungen

Aber siehe oben: Was überall in Deutschland geht, sollte auch in Essen möglich sein, vielleicht wächst mit der Zeit die Lockerheit. Einstweilen soll in noch mehr Sicherheit investiert werden. Weil trotz des Badeverbots nach Regenfällen Seaside-Beach-Gäste immer wieder die Absperrketten an den Stegen übersteigen, sollen diese nun durch massive Tore ersetzt werden, berichtet Umweltdezernentin Raskob. Und eins soll nach den besagten Rettungseinsätzen ebenfalls ergänzt werden: große Schilder, die an die Verantwortung von Eltern erinnern.


www.essen.de/badeninderruhr

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