Sozialer Arbeitsmarkt

Sozialer Arbeitsmarkt ist in Essen „sehr gut angelaufen“

Ein Mitarbeiter in den Werkstätten der EABG in Essen. Die städtische Beschäftigungsgesellschaft hat sehr viele Teilnehmer des Sozialen Arbeitsmarktes unter Vertrag.

Ein Mitarbeiter in den Werkstätten der EABG in Essen. Die städtische Beschäftigungsgesellschaft hat sehr viele Teilnehmer des Sozialen Arbeitsmarktes unter Vertrag.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Jobcenter Essen wird dieses Jahr über 500 Langzeitarbeitslose in öffentlich geförderte Jobs vermitteln. Der Soziale Arbeitsmarkt wirke.

Arbeit finanzieren statt Arbeitslosigkeit. Dieser Gedanke steckt hinter dem Programm des Sozialen Arbeitsmarktes, das Anfang des Jahres startete. In Essen haben seither über 400 ehemals langzeitarbeitslose Menschen einen öffentlich geförderten Job gefunden. „Das so genannte Teilhabe-Chancengesetz ist sehr, sehr gut angelaufen“, sagte der Leiter des städtischen Jobcenters, Dietmar Gutschmidt. Diese Menschen könnten nach jahrelanger Arbeitslosigkeit wieder einer „sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Das Programm wirkt“, so Gutschmidt.

Er rechnet damit, dass die Zahl der Vermittlungen bis Ende des Jahres noch auf 550 bis 600 ansteigen wird. Damit hätte Essen seine selbstgesteckten Ziele, nämlich zwischen 450 und 500 Langzeitarbeitslose mit Hilfe dieser Job-Brücke wieder in Arbeit zubringen, übererfüllt. „Mehr geht auch kaum, weil wir sonst ein Finanzierungsproblem bekommen“, sagte Gutschmidt.

Essen gibt rund 16 Millionen Euro für geförderte Jobs aus

Der Soziale Arbeitsmarkt ist teuer für den Staat: Arbeitgeber, die einen Langzeitarbeitslosen einstellen, bekommen in den ersten beiden Jahren 100 Prozent des Lohns bezuschusst. Danach fallen die staatlichen Zuschüsse stufenweise. Außerdem werden Coaches eingesetzt, die die Menschen während ihrer Beschäftigung betreuen. „Das alles kostet viel Geld. Da muss man sich nichts vormachen“, sagte Gutschmidt. Der Bund gibt für den Sozialen Arbeitsmarkt vier Milliarden Euro aus. Auf Essen entfallen dieses Jahr rund 16 Millionen Euro.

Gutschmidt sieht derweil den Beweis dafür erbracht, dass es auch für Menschen, die sechs Jahre und länger ohne Arbeit waren, Beschäftigungschancen gibt. Dennoch gehört zur Zwischenbilanz dazu, dass sich die Privatwirtschaft noch verhalten gibt, wenn es darum geht, einen Langzeitarbeitslosen einzustellen. Die rund 400 Jobs im Sozialen Arbeitsmarkt teilen sich nämlich in etwa so auf: 170 davon kamen aus einem Bundesbeschäftigungsprogramm, das Ende 2018 ausgelaufen ist. Diese Männer und Frauen sind derzeit vor allem bei Wohlfahrtsverbänden und Beschäftigungsgesellschaften wie der städtischen EABG untergebracht. Zieht man diese ab, bleiben 230 tatsächlich vermittelte Langzeitarbeitslose übrig. Davon haben nur etwa die Hälfte eine Arbeit in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen gefunden, die andere Hälfte kam ebenfalls bei Wohlfahrtsverbänden und Beschäftigungsgesellschaften unter. Laut Gutschmidt steigt das Interesse in der Privatwirtschaft zwar allmählich. „Allerdings ist das ein sehr langwieriger Prozess“, räumt er ein. Vor allem im Garten- und Landschaftsbau, im gewerblich-technischen und im kaufmännischen Bereich bekämen die Menschen vermehrt Jobangebote. Auch die Stadt Essen werde in den kommenden Wochen bis zu 50 Stellen für Langzeitarbeitslose schaffen.

Wenig Abbrüche bei den Teilnehmern des Sozialen Arbeitsmarktes in Essen

Um diejenigen wiederum, die derzeit noch bei Beschäftigungsgesellschaften angestellt sind, in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, planen Jobcenter und EABG mehrwöchige Praktikumsangebote in Unternehmen. Das soll das gegenseitige Kennenlernen fördern und mögliche Vorurteile auf beiden Seiten abbauen. „Wir reden hier von Menschen, die lange aus dem Arbeitsprozess raus sind“, betont Gutschmidt. Deshalb müsse man den Übergang gleitend gestalten. „Dafür brauchen wir auch weiter die Beschäftigungsgesellschaften als Brücke.“

Generell halten die allermeisten Vermittelten im Job durch. Nach Angaben des Jobcenters haben von 413 ehemals Langzeitarbeitslosen nur sieben ihre Arbeit wieder abgebrochen. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Betreuung von Teilnehmern und Arbeitgebern durch die Coaches sinnvoll sei, heißt es.

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