Flic Flac

So fühlt es sich im Todesrad des Zirkus’ Flic Flac an

WAZ-Redakteurin Vera Eckardt wurde natürlich zur Sicherheit im Todesrad angekettet.

WAZ-Redakteurin Vera Eckardt wurde natürlich zur Sicherheit im Todesrad angekettet.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der Zirkus Flic Flac gastiert in Essen. Vor allem die Crew mit dem Todesrad hält die Zuschauer in Atem. Ein Selbstversuch, der schwindelig macht.

Schon beim Zusehen wird mir schwindelig: In atemloser Geschwindigkeit dreht sich das „Todesrad“ im Flic-Flac-Zelt – angetrieben von den beiden kolumbianischen Artisten, die in dem einem Hamsterrad ähnelnden Käfig ganz leichtfüßig laufen, springen, klettern und hüpfen und so das Tempo des Rades bestimmen. Wie ein riesiger Schraubenschlüssel wirkt das 13 Meter hohe Metallgestell, an dessen beiden Enden ein Laufrad montiert ist. Eines davon ist heute für mich reserviert – beim Selbstversuch im „Todesrad“ bekommt das geflügelte Wort von der „rasenden Reporterin“ eine ganz andere Bedeutung.

„Keine Angst, das ist halb so schlimm“, beruhigt mich Nicolai, der in der Flic-Flac-Crew für die Technik verantwortlich ist. Bevor ich es mir doch noch anders überlegen kann, kettet er mich kurzerhand an einem der beiden Käfige fest – zu meiner eigenen Sicherheit. Geradeaus schauen, Oberkörper gestreckt lassen und einfach losgehen, lauten die knappen Anweisungen. Und schon setzt sich das „Todesrad“ in Bewegung.

Nach elf Schritten ist die Kuppel erreicht

Zehn, elf Schritte, und ich bin schon unter der Kuppel des schwarz-gelben Zirkuszeltes. Wahnsinn! Genauso schnell erreiche ich wieder den Boden. Drei, vier Runden schaffe ich so spielend und fühle mich dabei fast wie ein neues Mitglied der Adrenalin-Crew. So nennt sich die vierköpfige Artistengruppe aus Kolumbien, die diese Nummer – stets in einem wahnsinnigen und Amateuren wie mir nicht zumutbarem Tempo – Abend für Abend im derzeitigen Flic-Flac-Programm „Farblos“ vorführt.

Wilson, William, David und Jorge sind seit vielen Jahren ein eingeschworenes Team, das mit seinem spektakulären „Todesrad“ rund um die Welt reist. Zwei Mal wöchentlich übt das Quartett seine Nummern ein, das sei eigentlich wie ein gutes Cardio-Training, sagt der 37-jährige David und lacht breit.

„Schnelle, risikoreiche Artistik ist in Mittel- und Lateinamerika sehr beliebt, viele Talente kommen aus den dortigen Ländern“, erklärt Flic-Flac-Sprecherin Barbara Rott. „Wir sind halt alle ein bisschen loco, ein bisschen verrückt“, ergänzt Wilson.

Für Hochseilnummer ausgezeichnet

So drehen die Adrenalin-Junkies nicht nur das „Todesrad“, sondern zeigen in der aktuellen Show auch noch eine aufregende Hochseilnummer mit einer dreistöckigen Menschenpyramide als absolutes Highlight. Damit haben sie im vergangenen Jahr den Silbernen Clown beim internationalen Circusfestival in Monte Carlo gewonnen.

Was sie antreibt, sagen sie, seien in erster Linie Lust und Leidenschaft. Denn das sei ja keine Arbeit im klassischen Sinne, mit der man die Familie ernährt. Die sieht man zudem als fahrendes Volk eher selten. Besonders wenn sie, wie im Fall der Adrenalin-Crew, auf einem anderen Kontinent lebt. So helfen Fotos, Kurznachrichten und Videotelefonate, wenn die Sehnsucht zu groß wird. Ein Wiedersehen gibt es wahrscheinlich erst Weihnachten – dann kommen die Ehefrauen und Kinder zur Show nach Nürnberg. Und dann steht auch das Rad für kurze Zeit still.

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