Ernährung

Smoothies und Chips: Warum selbst Stars den Grünkohl lieben

Die Grünkohlpflanzen, auch Oldenburger Palme genannt, wachsen schnell. Sie gelten als unkomplizierte Beetgenossen und sind unter anderem auf den Feldern des Rheinlands zu Hause.

Die Grünkohlpflanzen, auch Oldenburger Palme genannt, wachsen schnell. Sie gelten als unkomplizierte Beetgenossen und sind unter anderem auf den Feldern des Rheinlands zu Hause.

Ruhrgebiet.   Gesundheitsbewusste Menschen auf der ganzen Welt sind wild auf Grünkohl. Sie erfinden das urdeutsche Gemüse neu und trinken es plötzlich sogar.

Draußen der klirrendkalte Winter, drinnen eine schwere Duftwolke, die aus Omas Küche bis in das eichenrustikale Wohnzimmer zieht – so sah es traditionell aus, wenn in Deutschland Grünkohl gekocht wurde. Das ist jetzt anders. Nicht immer, aber immer häufiger.

Lange als nicht massentauglich abgetan, ist der urdeutsche Kohl plötzlich ganz angesagt. Die jungen, schönen und gesundheitsbewussten Menschen lieben ihn – allen voran in den USA. Dort wird der Grünkohl allerdings selten so heftig-deftig zubereitet, wie Oma ihn schon mochte. Vielmehr macht er eine Karriere als Trend-Gemüse. Manche preisen ihn gar als Superfood, das sind die Superhelden unter den Nahrungsmitteln, weil sie so unglaublich gesund sein sollen.

Schauspielerinnen und Bloggerinnen posten Fotos von sich und dem Kohl

Grünkohl ohne Schmalz oder dicke Mettwurst, dafür als Smoothie, Salat oder in Form von Gemüsechips modern interpretiert und leicht gemacht. Models, Schauspielerinnen und Bloggerinnen posten im Internet Fotos von sich mit einem Grünkohlshake in der Hand, vielleicht noch angereichert mit ein paar Chiasamen oder Avocado – und schon ist Omas Kohl in aller Munde.

„Der Grünkohl gewinnt seit einigen Jahren an Bedeutung“, sagt Peter Muß aus der Geschäftsführung des Provinzialverbands Rheinischer Obst- und Gemüsebauer. Auch er hat beobachtet, dass „aus den USA ein Trend zu uns hinübergeschwappt ist“.

Vor zehn Jahren sei es noch undenkbar gewesen, das alte deutsche Gemüse zu pürieren – und zu trinken. „Ich selbst habe bis heute noch nie so einen Smoothie probiert“, sagt Muß und lacht. Aus seiner Art zu reden, ist aber herauszuhören, dass der Landwirtschaftsexperte dem Kohl diese steile Karriere gönnt – „er ist schon sehr gesund“.

Im Winter sind die guten Inhaltsstoffe besonders wichtig

Die Inhaltsstoffe des krausen Wintergemüses lesen sich wie eine ärztliche Ernährungsempfehlung: die Vitamine A, B, C und K, Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium und vieles mehr steckt drin. „Gerade im Winter sind solche Nährstoffe wichtig, um das Immunsystem zu stärken“, sagt Peter Muß.

Trotz aller Modernisierung bleibt der Grünkohl nämlich ein Wintergemüse, zumindest in seiner deutschen Heimat. Auch wenn eine alte Regel nicht mehr gilt: Früher sagte man, dass die Blätter erst dann wohlschmeckend sind, wenn sie mindestens ein Mal richtig durchgefroren waren. „Die Züchtungen von heute benötigen keinen Frost mehr, um genießbar zu sein“, so Muß. Aber der Kohl, der im englischsprachigen Raum als Kale bezeichnet wird, passe trotzdem gut in die kältere Jahreszeit. „Bei 35 Grad draußen schmeckt er einfach nicht.“

Häufiger gesellt sich heute Fisch zum Grünkohl

Neben den traditionellen Beilagen wie Kasseler, Wurst oder Pinkel und dazu Brat- oder Salzkartoffeln taucht das Gemüse in Deutschland heute häufiger auch in Verbindung mit Fisch auf. Mit Makrelenfilets oder Dorade beispielsweise. Vegetarier und Veganer kommen mit Grünkohlcurry, Grünkohlwaffeln oder Grünkohlsuppe gut klar.

Der Kohl soll aus eigener Züchtung kommen? Kein Problem. Das Gemüse gilt als dankbarer und recht unkomplizierter Beetgenosse. Aber Achtung: Es benötigt Platz und schluckt viel Wasser, weil die Blätter recht wuchtig werden können. Wer im Juni gesät oder Jungpflanzen ausgesetzt hat, kann sich den ganzen Winter über an der Ernte erfreuen.

Kleiner Nachteil: „Durch die starke Kräuselung kostet es Zeit, die Blätter zu putzen und zu waschen“, sagt Peter Muß.

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