Schule

Smart Camp in Essen: Profis zeigen Schülern digitale Welt

Wie dreht man ein Video? Aleksander Perkovic erklärt Lara Koßke, Victoria Weiß und Olivia Jendrejek (v.l.), was man beachten muss.  

Wie dreht man ein Video? Aleksander Perkovic erklärt Lara Koßke, Victoria Weiß und Olivia Jendrejek (v.l.), was man beachten muss.  

Foto: Nina Widera

Essen-Überruhr.  In Workshops erstellten Schüler des Gymnasiums Überruhr in Essen Instagram-Stories und Videos. Die FUNKE MEDIENGRUPPE ist Kooperationspartner.

Sie sind betroffen – das wird jetzt auch einigen Schülern des Gymnasiums Essen-Überruhr deutlich. Manche versuchen ihre Tränen verschämt zu verstecken, andere unterlassen zumindest für einen Moment die Blödelei. Der Youtuber André Roszewicz hat mit einigen Schülern und Lehrern ein Video zum Thema Mobbing gedreht. Das Gymnasium ist eine Versuchsschule für das Smart Camp, ein Angebot des Bildungs-Startups BG3000 in Kooperation mit der FUNKE MEDIENGRUPPE, zu der auch diese Zeitung gehört.

Mobbing, Hatespeech und Fakenews sind Themen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler der neunten Stufe drei Tage intensiv auseinandergesetzt haben. Themen, die im Internet, besonders in den sozialen Netzwerken, zum alltäglichen digitalen Umgang gehören – zu leicht ist die Möglichkeit, zu gering die Hemmschwelle, jemanden fast anonym aufzuziehen, zu beleidigen oder gar zu erniedrigen.

Es geht um Rechte und Pflichten bei der Internet-Nutzung

„Fast alle haben einen Instagram-Kanal, manche auch mehrere“, erklärt Nina Jasmin Schmiedel (25), die im Smart Camp die letzten drei Tage Workshops über Instagram angeboten hat. Außerdem bespielt die Kölnerin selbst hobbymäßig mehrere Kanäle der sozialen Medien: 15.600 Menschen schauen sich täglich auf Instagram ihre Posts und Stories an. Komplett leben kann sie davon nicht, auch das erklärt sie den Gymnasiasten.

Es geht beim Smart Camp des Gymnasiums Überruhr nicht darum, digitale Technik zu verteufeln. Stattdessen sollen die 14- bis 16-Jährigen einen Einblick bekommen, welche Fallstricke es bei der Nutzung gibt, worauf sie achten sollten, welche Rechte, aber auch welche Pflichten sie haben. Und natürlich sollen sie auch Spaß daran haben. „Wir haben, um es auszuprobieren, einen eigenen Account für den Workshop erstellt und dann zum Beispiel beim Thema Fakenews Greta Thunberg in ein Flugzeug gesetzt“, sagt Nina Jasmin Schmiedel.

Depressionen durch Social Media

Sie hätte sich selbst in ihrer Jugend auch solche Workshops gewünscht, um überhaupt zu wissen, worauf man sich einlässt. „Es gibt ein ganzes Themenfeld zu Depressionen durch Social Media. Als ich angefangen habe, habe ich mich auch oft mit anderen verglichen, weil ich ja nicht wusste, dass viele Fotos nicht echt sind, sondern stark bearbeitet wurden. Da habe ich auch drunter gelitten.“

Jugendliche können mit den Netzwerken technisch gut umgehen

Technisch können die meisten Jugendlichen mit den Netzwerken sehr gut umgehen, sie tun es selbst fast täglich, wie der 14-jährige Lauren Stipurinac, der an den beiden Workshops zu Podcast und Youtube teilgenommen hat. „Ich gucke mir meist Tutorials an, lerne dabei viel über Computer. Comedy-Videos sehe ich mir auch bei Youtube an“, klärt er über sein Nutzerverhalten auf. Die Tagesschau oder andere Nachrichtenportale gehören nicht zu seinen bevorzugten Kanälen – auch nicht auf Youtube. Die Workshops fand er hilfreich, er wisse zwar schon einiges über Computer, aber dazu zu lernen schade ja nicht, meint er knapp. Mit Podcasts hatte er bisher nicht so viel zu tun.

Isabel Duddeck kann sich das vorstellen. Die 26-Jährige bietet seit zweieinhalb Jahren sehr erfolgreich einen eigenen Podcast an. Eine halbe Millionen Hörer hat sie im Schnitt. „Das klassische Publikum von Podcasts sind eher Leute, die in ihren 20ern stecken“, bestätigt Duddeck. Dabei glaubt sie, dass das Hörformat gerade im didaktischen Bereich sehr gut auch mit jüngeren Zielgruppen eingesetzt werden könnte: „Allein, um Fremdsprachen zu lernen, können Podcasts hilfreich sein.“

Fortsetzung des Projekts soll in der Schulkonferenz diskutiert werden

Aber auch im Musikunterricht – Carolin Krieg macht es vor. Sie nutzt manche Formate, um den Schulklassen Kompositionen zur Verfügung zu stellen und im besten Falle auch näher zu bringen. Die Lehrerin koordiniert das Smart Camp an der Essener Schule und würde das gerne jedes Jahr einmal den neunten Klassen anbieten – ein entsprechender Vorschlag soll in der nächsten Schulkonferenz diskutiert werden. Gerade die Themen Datenschutz und Urheberrecht findet sie wichtig für die Schüler. Carolin Krieg ist optimistisch, dass aus dem Gymnasium Essen-Überruhr dauerhaft eine Modellschule werden kann.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben