Seit 40 Jahren ein Mutmacherort

Foto: Socrates Tassos

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Krebs! Wer diese Diagnose bekommt, dessen Leben wird in seinen Grundfesten erschüttert. „Werde ich überleben? Wie schaffe ich die Operation und die Therapie? Was ist, wenn der Krebs trotzdem wiederkommt? All’ diese Fragen lassen dich nicht mehr los“, erinnert sich Beate Cakir an die schlimmste Zeit ihres Lebens.

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Krebs! Wer diese Diagnose bekommt, dessen Leben wird in seinen Grundfesten erschüttert. „Werde ich überleben? Wie schaffe ich die Operation und die Therapie? Was ist, wenn der Krebs trotzdem wiederkommt? All’ diese Fragen lassen dich nicht mehr los“, erinnert sich Beate Cakir an die schlimmste Zeit ihres Lebens.

Unterstützung fand die heute 65-Jährige vor allem in der „Essener Frauenselbsthilfe nach Krebs“, „dort konnte ich mich mit Menschen austauschen, denen es genauso ging wie mir“. Anders als bei ihrer Familie und den Freunden traute sie sich, alle Ängste ungefiltert auszusprechen. „Man geht einfach viel offener damit um.“ Acht Jahre liegt ihre Krankheit inzwischen zurück, doch der Selbsthilfegruppe ist die pensionierte Krankenschwester treu geblieben. Mehr noch: Seit sie im Ruhestand ist, leitet Beate Cakir selbst ehrenamtlich eine Gruppe der Essener Frauenselbsthilfe, „weil ich etwas zurückgeben möchte“.

Es ist genau 40 Jahre her, dass eine Gruppe von Brustkrebspatientinnen die Selbsthilfe gründeten, die bundesweit eine der ersten ihrer Art war. „Gedacht war sie als Mutmacherort. Das ist sie bis heute geblieben“, sagt Christine Poensgen. Auch sie war an Krebs erkrankt, hat sich zurück ins Leben gekämpft und fand den Weg zur Selbsthilfe, wo sie sich seit vielen Jahren engagiert. Dort erleben längst nicht nur Frauen einen Ort der Hoffnung – mittlerweile gibt es eine Familiengruppe, finden auch erkrankte Männer Rückhalt und neuen Lebensmut.

„Wir beschäftigen uns mehr mit den Fragen des Lebens und des Überlebens als mit dem, was hinter uns liegt“, erklärt Beate Cakir. In vielen Dingen empfand sie die Gruppe hilfreicher als die Profis in den Kliniken und Praxen, die sie in der Phase ihrer Krankheit besucht hat. Denn: „Da saßen Frauen, die überlebt hatten und wieder lachen konnten. Das hat Mut und Hoffnung gemacht.“ Wie der Erfahrungsaustausch und die Tipps von Leidensgenossinnen, die alles schon erlebt hatten, was noch vor Beate Cakir lag.

Sie bezeichnet sich nicht als geheilt, sondern als Langzeitüberlebende. Und kämpft immer wieder gegen dunkle Dämonen. Etwa, wenn es mal wieder im Brustbereich zieht und ziept. „Dann ist die Angst sofort wieder präsent, denke ich an Rückfall oder Metastasen.“ Im Freundeskreis kann sie schlecht darüber sprechen, „viele sagen, das ist so lange her, du bist doch geheilt“. Ein offenes Ohr und Verständnis für die Panik gibt es da eher in der Selbsthilfe, von Menschen, die diese irrationalen Ängste kennen.

Neben der Hilfe zur Selbsthilfe geht es der Gruppe auch darum, die Öffentlichkeit auf die Situation der Krebskranken aufmerksam zu machen, ihre Probleme und Positionen zu formulieren. So kämpfen sie seit Langem für eine bessere Nachsorge: Die ist in Deutschland bislang nur auf die Rezidiv-Erkennung, also ein Wiederauftreten des Krebses, ausgelegt, klammert die Früherkennung von Metastasen bislang aus. Es bleibt also auch nach 40 Jahren noch viel zu tun.

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