Abschiebung

Schüler-Protest gegen Abschiebung von krebskrankem Edgar

Edgar soll nach Armenien abgeschoben werden.

Edgar soll nach Armenien abgeschoben werden.

Foto: André Hirtz

Essen.  Der krebskranke Edgar (14) soll nach Armenien abgeschoben werden. Mitschüler und Lehrer vom Essener Helmholtz-Gymnasium wollen, dass er bleibt.

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1000 Unterschriften haben Schüler, Lehrer und Eltern des Helmholtz-Gymnasiums in Rüttenscheid gesammelt. 1000 Unterschriften, die sie dem Ausländeramt übergeben haben, damit ihr Mitschüler Edgar bleiben darf. Denn dem 14-jährigen Armenier und seiner Familie droht die Abschiebung. Was den Fall besonders tragisch macht: Der Neuntklässler ist an Krebs erkrankt und wird aktuell im Uniklinikum behandelt.

„Wir haben zu Hause alles verkauft, um nach Deutschland zu kommen und Edgars Leben zu retten“, erzählt seine Mutter Asya. Schon einmal musste sie ein Kind begraben, ein Trauma, das sie bis heute nicht überwunden hat: Vor elf Jahren starb Edgars Bruder Nikol mit sechs Jahren an der gleichen Krebsart: „Er wurde falsch behandelt. In Armenien braucht man viel Geld, um die Ärzte zu bezahlen. Dort ist das System korrupt.“

„Edgar ist ein ehrgeiziger, begabter Junge, der ganz schnell Deutsch gelernt“

Als dann vor zwei Jahren bei Edgar ebenfalls Morbus Hodgin diagnostiziert wurde, sahen Asya und Sahak Samvelyan nur eine Chance: Sie mussten ihre Heimat verlassen, um ihrem Kind die bestmögliche medizinische Behandlung zu ermöglichen.

In Essen angekommen, beantragte die Familie Asyl – und die Ärzte in der Kinderonkologie des Uniklinikums begannen sofort mit einer Chemotherapie, auf die Edgar gut ansprach. Parallel konnte er die internationale Vorbereitungsklasse des Helmholtz-Gymnasiums besuchen und schon kurze Zeit später in die neunte Klasse wechseln. „Edgar ist ein ehrgeiziger, begabter Junge, der ganz schnell Deutsch gelernt und Anschluss gefunden hat“, schwärmt seine Lehrerin Janina Herrmann.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte den Asylantrag der Familie ab

Doch gute Integration zählt in diesem Fall wenig: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte den Asylantrag der Familie ab – Armenien gilt als sicheres Herkunftsland. Darum soll die Familie nun ausreisen. „Im Ausländeramt sagte man uns, dass wir ja zu den Nachuntersuchungen immer wieder nach Deutschland reisen könnten“, erzählt Asya Samvelan, „doch wovon sollen wir das bezahlen?“

Als Edgars Schule von der drohenden Abschiebung erfuhr, zeigten sich alle solidarisch und organisierten die Unterschriftenaktion. „Wir können nicht nachvollziehen, dass die Behörde diese besondere menschliche Härte nicht berücksichtigt. Besonders, da Edgar nicht geheilt ist, das Risiko eines Rückfalls immer noch besteht“, sagt Schulleiterin Beate Zilles. Außerdem sollten Edgar und sein jüngerer Bruder Narek, der ebenfalls aufs Helmholtz-Gymnasium geht, die Chance haben, hier ihren Abschluss machen zu können.

Familie hat Zeit bis Mitte März, um einen Antrag an die Härtefallkommission des Landes zu stellen

Ob das gelingt, hängt von den nächsten Tagen ab: Man habe der Familie Zeit bis Mitte März gegeben, um einen Antrag an die Härtefallkommission des Landes zu stellen, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Ansonsten sei die Familie des Jungen ausreisepflichtig.

Mittlerweile haben die Samvelyans einen Anwalt beauftragt, der den Härtefallantrag rasch stellen will. „Wir hoffen jetzt alle auf eine menschliche Entscheidung. Schließlich glaube ich an dieses Land“, sagt Beate Zilles.

>> Weiterhin ein erhöhtes Tumorrisiko

Laut der behandelnden Ärzte bestehe für Edgar nach wie vor ein erhöhtes Tumorrisiko. Das liege auch an der familiären Disposition.

Deswegen sei eine engmaschige Nachsorge mittels einer MRT Untersuchung vonnöten. Die ist in Armenien nahezu unerschwinglich, so die Eltern.

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