Energie

Schüler entdecken "Geisterheizung" in Essener Gymnasium

Fabian Krämer, Joel Heinz und Peter Hillen im Büro von „Ista“.

Fabian Krämer, Joel Heinz und Peter Hillen im Büro von „Ista“.

Foto: Arend

Essen.   Nachtspeicher, eine unbekannte Heizung und fehlende Thermostate: Ein Projektkurs des Gymnasiums Überruhr untersuchte die Energiewerte der Schule.

Nachhaltigkeit ist ein ziemlich abstraktes Wort – doch wie konkret und wie nah die Dinge sind, die Nachhaltigkeit ausmachen, beweisen in diesen Tagen Schüler des Gymnasiums Überruhr (GEÜ): Sie haben die Heizungs-Anlage ihrer Schule genau unter die Lupe genommen und Haarsträubendes festgestellt, das so oder ähnlich womöglich so gut wie in jedem Schulgebäude schlummert.

Es war im letzten Jahr, dem Jahr der „grünen Hauptstadt“, als der Energie-Dienstleister „ista“ gemeinsam mit fünf Schulen Nachhaltigkeits-Projekte ins Leben rief. Am Gymnasium Überruhr war das der Projektkurs Nachhaltigkeit, für den Oberstufenschüler auch Noten bekommen. „ista“ besorgte die Heizwerte der Schule, und man stellte schnell fest: „Keine Heizung wird in den Schulgebäuden irgendwie gesteuert. Es wird immer geheizt, und zwar alle Räume gleich – egal, ob das eine Klasse ist oder ein Lagerraum“, sagt Schüler Peter Hillen (17). „Es sind dringend Thermostate erforderlich, damit man die Wärme individuell regeln kann“, konstatiert Schüler Fabian Kremer (18).

Montags morgens: erst mal lüften

Keine Thermostate an den Heizkörpern – das Gymnasium Überruhr ist kein Einzelfall. Die meisten Schulen und Kitas werden im Winter auch nach Betreuungsschluss und an den Wochenende beheizt. „Wenn man montags morgens in die Klasse kommt, muss man erst mal die Fenster aufstoßen, damit man überhaupt Luft bekommt“, berichtet Felicitas Zarth, Lehrerin am GEÜ für Erdkunde und Spanisch. Sie hat den Nachhaltigkeits-Projektkurs geleitet.

Keine Thermostate, keine echte Regelung – doch die Schüler fanden noch mehr Absonderlichkeiten: „Im Pädagogischen Zentrum, das ist die Aula im Erdgeschoss des Altbaus, gibt es eine Fußbodenheizung, die kontinuierlich den Grund wärmt“, sagt Schüler Joel Heinz (17). Mit einer Wärmebildkamera fanden sie die Heizung, die im Boden schlummert – aber: „Einen Knopf oder einen Regler fanden wir nicht, obwohl wir lange gesucht haben.“ Alte Bau- oder Schaltpläne gibt es nicht mehr. „Vielleicht ist die Regelungsanlage für die Fußbodenheizung mal eingemauert worden.“

Immer noch Nachtspeicher

Dritter Riesen-Makel: Es gibt immer noch Nachtspeicher-Öfen in alten Gebäuden des Gymnasiums Überruhr. „Die müssten dringend weg“, berichten die Schüler, haben sie doch festgestellt, dass im Innern der Heizkörper kontinuierlich 150 Grad herrschen – ein gigantischer Stromverbrauch.

Dass Schulgebäude noch mit Nachtspeicheröfen beheizt werden, ist zwar selten, kommt aber noch vor: „Sieben Prozent der Heizkosten für Essener Schulen fallen auf Nachtspeicher“, sagt Stadt-Sprecherin Jasmin Trilling. Insgesamt gab die Stadt im Jahr 2017 rund 6,2 Millionen Euro für die Wärme in Klassenzimmern aus.

„Das ist ein Thema, an dem wir kontinuierlich dranbleiben müssen“, sagt Schüler Fabian Kremer. Wie Recht er hat: Die Ergebnisse stellten die Schüler dem Oberbürgermeister Thomas Kufen und der Bau-Dezernentin Simone Raskob persönlich vor – die waren angesichts der Ergebnisse einigermaßen beeindruckt: „Das nehmen wir mit und werden daran arbeiten“, versprachen sie. Denn die Stadt verschwendet Geld: Allein in Überruhr, haben die Schüler ausgerechnet, könnte man jährlich rund 15.000 Euro Heizkosten sparen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben