Literatur-Projekt

Schüler befragen Senioren und schreiben Lebensgeschichten

Mit einer Vorstellungsrunde im Altenheim fing es an: Später sprachen die Schüler mit den Senioren in Kleingruppen.

Mit einer Vorstellungsrunde im Altenheim fing es an: Später sprachen die Schüler mit den Senioren in Kleingruppen.

Foto: Bernhard Handick

Essen.   Schüler des Burggymnasiums schreiben die Lebensgeschichten von Senioren auf. Der Weltkrieg bestimmte die Interviews.

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Der Krieg. Immer wieder der Krieg. Und was er alles kaputtgemacht hat. Er zerstörte nicht nur Gebäude und tötete Menschen, sondern machte auch Träume zunichte, Pläne, Hoffnungen. „Mein Mann wollte eigentlich Dirigent eines Orchesters werden“, erzählt eine Dame mit silbernem Haar - doch der Krieg kam dazwischen: Später übernahm er dann, nach der Kriegsgefangenschaft in Amerika, eine chemische Reinigung. Nicht, dass das schlecht war. Doch mit dem, was eigentlich möglich gewesen wäre, hatte es wenig zu tun.

Eine andere Dame berichtet: Nach ihrem Besuch an der Viktoriaschule, damals eine reine Mädchenschule, hätte sie gern studiert, das wäre auch eigentlich möglich gewesen – nur: „Die Unis waren alle kaputt.“ Sie stieg in die Firma ihrer Cousine ein.

Pflichtdienste bei der Hitlerjugend, Flucht und Kurzschuljahre

Mit einem ungewöhnlichen Literaturprojekt werden jetzt Lebensgeschichten festgehalten, bevor womöglich niemand mehr Notiz von ihnen nehmen kann. Oberstufenschüler des Burggymnasiums haben Bewohner des Malteser-Seniorenheims an der Selmastraße (Innenstadt) interviewt.

Befragten sie nach ihrer Schulzeit, besonderen Momenten, den Schauplätzen von Kindheit und Jugend. Am Ende soll dabei ein Heft entstehen, das auch an die Senioren verteilt wird.

„Doch es geht nicht nur um das Erstellen von Literatur, es geht auch um die Begegnung von jungen Menschen mit Senioren“, sagt Lehrer Ansgar Wolff vom Burggymnasium, der mit den Jugendlichen, die mehrheitlich 15 oder 16 Jahre alt sind, das Projekt realisiert.

Die Senioren berichten von Pflichtdiensten bei der Hitlerjugend, von Flucht und Kurzschuljahren, und natürlich von Vergangenem aus dem Ruhrgebiet: „Wenn man die Fenster aufmachte und später über die Bettdecke strich, hatte man schwarze Hände“, erzählt eine Frau. Dreimal im Jahr wurde sie deshalb in einen Luftkurort gefahren. „Wir Kinder vertrugen die Luft hier nicht.“

Ergebnisse des Literatur-Projektes im Sommer

Die Senioren erzählen aus Tagen ihres Lebens, die einerseits noch gar nicht so lange her sind.

Andererseits beschreiben sie eine Vergangenheit, die sich so deutlich von dem unterscheidet, was das Leben junger Menschen heute ausmacht – gut, dass es mal jemand aufschreibt. Im Sommer soll es so weit sein.

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