Europawahl

Schon vor der Wahl sind Essen zwei Europa-Plätze sicher

Der Europaplatz in Essen

Der Europaplatz in Essen

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Das Wahlamt startet die heiße Phase der Wahlvorbereitungen. Doch schon jetzt sind Essen zwei Europa-Plätze sicher: für Jens Geier und Guido Reil.

Er ist noch zwei Zentimeter länger geworden: Zumindest der Wahlzettel, so viel steht fest, wird also einen Europawahl-Rekord aufstellen. Volle 96 Zentimeter misst das Papier, das 40 Parteien auflistet, aber wer da am Ende wie viele Stimmen aus Essen für Europa einheimst – das zeigt sich erst in sechs Wochen.

Fest steht seit diesem Freitag, wie viele Essener überhaupt ihr Kreuzchen machen können. Es sind 416.036, das haben die Computer im städtischen Wahlamt ausgespuckt und mit diesem soeben aufgestellten Wählerverzeichnis die heiße Phase der anstehenden Europawahl eingeläutet.

Geier und Reil sind auch vor Stimm-Erdrutschen gefeit

Der Wahl-Modus will es, dass zugleich schon jetzt ein Ergebnis fest steht: Statt mit einem wird diese Stadt künftig mit zwei Abgeordneten im Europa-Parlament vertreten sein: Sowohl Jens Geier von der SPD als auch Guido Reil von der AfD ist das Abgeordneten-Mandat wohl nicht mehr zu nehmen, so will es der Wahl-Modus zur Europawahl, die keine Direktmandate in Wahlbezirken kennt, sondern die 96 deutschen Plätze für Brüssel und Straßburg ausschließlich über eine Listenwahl bestimmt. Und da sind Geier mit seinem vierten und Reil mit seinem zweiten Platz ihrer jeweiligen Partei auch gegen Stimmen-Erdrutsche gefeit.

Spannend bleibt gleichwohl, ob die Europawahl es dank Brexit, Euro-Skepsis und massiver Mobilisierung von Befürwortern wie Gegnern aus dem Keller der Wahlbeteiligung herausschafft: Seit 1999 dümpelte die Beteiligung in Essen stets unter 40 Prozent, nur 2014 noch einmal auf gut 47 Prozent gehievt, weil jener Urnengang mit der Kommunalwahl zusammenfiel.

Nur 1000 EU-Ausländer wählen hiesige Parteien

Während Unternehmen deshalb schon jetzt per Zeitungsanzeigen für die Stimmabgabe werben, geht die wichtigste Erinnerung an den Wahltermin 26. Mai erst nach den Osterferien in die Post: die Wahlbenachrichtigungskarte des städtischen Wahlamtes.

Neben den gut 416.000 deutschen Essenern dürfen übrigens auch die Staatsangehörigen der übrigen 27 EU-Mitgliedsstaaten ihre Stimme für die hiesigen Parteien abgeben. Allerdings müssen sie sich dazu ins Wählerverzeichnis eintragen lassen. Wie das Wahlamt auf Anfrage bestätigt, haben davon bislang rund 1000 der gut 51.000 EU-Ausländer Gebrauch gemacht.

Ein eigenes Wahllokal für Italiener und Griechen

Die meisten EU-Bürger wählen augenscheinlich lieber die Abgeordneten ihrer Heimat. In Essen lebende Italiener und Griechen konnten dazu bei den bisherigen Europawahlen sogar den Service eines eigenen Wahllokals wahrnehmen. Für die anstehende neunte Direktwahl heimischer Parteien gibt es allerdings noch keine Anfragen.

Politisch platziert sich Essen längst als zutiefst europäische Stadt – ablesbar seit ein paar Monaten auch am Kreisverkehr vor dem Hauptbahnhof. Der heißt inzwischen „Europaplatz“.

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