Verkehr

Schilderstreich an Fußgängerampeln im Essener Süden

Eines der zunächst offiziell wirkenden Schilder, die an mehreren Fußgängerampeln in Rüttenscheid und dem Südviertel angebracht wurden.

Eines der zunächst offiziell wirkenden Schilder, die an mehreren Fußgängerampeln in Rüttenscheid und dem Südviertel angebracht wurden.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid/Süd.   An mehreren Ampeln im Südviertel und in Rüttenscheid üben offenbar ungeduldige Unbekannte Protest gegen zu lange Wartezeiten für Fußgänger.

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„Diese Ampel kann auch mehrere Stunden rot sein. Bitte um Ihre Geduld.“ Die auf den ersten Blick hochoffiziell wirkenden Metallschilder, die an mehreren Fußgängerampeln in Rüttenscheid und dem Südviertel befestigt wurden, treiben Fußgänger und Nutzer sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter seit einigen Tagen um. Zu finden sind sie etwa an den Kreuzungen zwischen Brunnen-/Hohenzollernstraße sowie an der Klara- und der Franziskastraße. Tatsächlich handelt es sich wohl um nichts weiter als einen aufwendigen Schildbürgerstreich, der seinen Wortsinn selten besser traf.

13 Sekunden für vier Spuren

Dabei ist es dem unbekannten Ungeduldigen aber gelungen, den Fokus auf die ungleiche Taktung der Fußgängerampeln im Stadtteil zu lenken. Denn während es an mancher Fußgängerampel – wenn überhaupt — nur sprintend möglich ist, die Straße im grünen Bereich zu queren, bleibt anderswo noch Zeit für Frühstück und Kaffee, bis das Ampelmännchen die Farbe wechselt.

Ein gravierendes Beispiel findet sich direkt am Hotel Arosa, wo die Rüttenscheider die Franziskastraße kreuzt: Nach rund zehn Sekunden springt die Ampel wieder auf Rot um. Genauso knapp bemessen ist die Zeit für Fußgänger an der belebten Kreuzung Bismarck-/Friedrichstraße: Dreizehn Sekunden zeigt die Stoppuhr an, um die vierspurige Straße in Richtung Glückaufhaus legal zu queren.

Fußgängerampel an der Franziskastraße wird überprüft

Im Fall der Bedarfsampel an der Franziskastraße sollte das mittlerweile abgenommene Protestschild wohl auch eine veränderte Taktung bewirken. Denn nicht zuletzt ist es neben der Sicherheit die Vorbildfunktion, um die sich mancher sorgt: „Ich stand da schon oft sehr lange. Letztendlich geht man dann bei Rot, denn irgendwie muss man ja weiter. Und das direkt vor einer Kita“, schreibt eine Nutzerin über die Ampel, die von vielen Eltern und Kindern der nahe gelegenen Kita St. Ludgerus genutzt wird. Vor einigen Jahren hatten sich Bürger in der Bezirksvertretung II bereits dafür eingesetzt, die Taktung an der Fußgängerampel wegen der nahe gelegenen Kita und Käthe-Kollwitz-Grundschule zu verkürzen – bislang ohne Erfolg. Gestern waren aber wohl Techniker der Stadt Essen vor Ort, wie eine Anwohnerin berichtete.

Ob dies eine Folge des ungewöhnlichen Schilder-Protests war, ließ die Stadt Essen, die für Betrieb, Taktung und Wartung der Ampeln zuständig ist, gestern offen. Sie konnte lediglich bestätigen, dass die Schilder illegal angebracht wurden und die Verkehrsbehörde sie nun wieder abnimmt. Zumindest an der Franziskastraße soll die Schaltung der Fußgängerampel aber in den nächsten Tagen überprüft werden, teilte die Stadt mit.

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