AfD und Wahlkampf

Scharfe Ablehnung des Islams bei AfD-Veranstaltung in Essen

Gast bei der AfD Essen: Nicolaus Fest (re.) undImad Karim (Mitte) im Festsaal der „Schwarzen Lene“. Links im Hintergrund Essens AfD-Chef Stefan Keuter, der am Sonntag bei einem AfD-Landeswahltreffen zum Kandidaten für die Bundestagswahl im September 2017 bestimmt wurde. Er wurde auf Platz 11 der Landesliste abgesichert, was ihn nach dem jetzigen Stand der Umfragen knapp einen Sitz im Bundestag bescheren könnte.

Foto: Stefan Arend

Gast bei der AfD Essen: Nicolaus Fest (re.) undImad Karim (Mitte) im Festsaal der „Schwarzen Lene“. Links im Hintergrund Essens AfD-Chef Stefan Keuter, der am Sonntag bei einem AfD-Landeswahltreffen zum Kandidaten für die Bundestagswahl im September 2017 bestimmt wurde. Er wurde auf Platz 11 der Landesliste abgesichert, was ihn nach dem jetzigen Stand der Umfragen knapp einen Sitz im Bundestag bescheren könnte. Foto: Stefan Arend

Essen.  Essens AfD hatte den Publizisten Nicolaus Fest und Filmemacher Imad Karim zu Gast, die den Islam scharf ablehnen. Einige wollten es radikaler.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Zur AfD führen oftmals verschlungene Wege. Mit dem libanesisch-stämmigen Filmemacher und Regisseur Imad Karim und dem Berliner Publizisten Nicolaus Fest hatte der Essener Kreisverband am Freitag Abend zwei journalistisch geprägte Intellektuelle zu Gast, von denen die Partei nicht allzuviele aufzubieten hat. Den AfD-Sympathisanten* Karim und das AfD-Mitglied Fest eint eine besonders kompromisslose Ablehnung des Islam, was von den rund 60 anwesenden Parteifreunden – darunter auffallend viele junge Leuten – mit viel Beifall quittiert wurde.

Lokale AfD-Veranstaltungen ähneln auch in Essen konspirativen Treffen, weil die Partei aus Angst vor Störmanövern linker Gruppen Ort und Zeit in der Regel nur Mitgliedern und Medien zugänglich macht. Mitunter geht es auch darum, den Besitzer der Lokalität zu schützen, denn Gastwirte etwa sind aus Sorge um ihre sonstige Kundschaft meistens nicht mehr bereit, der AfD Räume zu vermieten. Gemessen daran, was man der AfD nachsage, klinge es vielleicht seltsam, aber es sei dennoch Fakt: „Am besten kommen wir mit Wirten klar, die Migrationshintergrund haben“, so AfD-Landtagskandidat Guido Reil. Im Fall des Restaurants „Schwarze Lene“, Schauplatz der Veranstaltung am Freitag Abend, trifft das offenbar zu.

Keine Trennung zwischen Islam und politischen Islamismus

Fest und Karim spielten sich jedenfalls unbehelligt die Bälle zu, wobei sie zwischen Islam und politischen Islamismus nicht zu trennen bereit sind. Fest, der vor Jahren wegen eines islam-kritischen Kommentars seinen Job als Vize-Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ verlor, hält den Islam für eine menschenverachtende Ideologie, die in keinem Bereich menschlicher Zivilisation Produktives geleistet hätte. Daraus folgert für Fest, die Einwanderung von Muslimen zu unterbinden, sie jedenfalls nicht „unkontrolliert ins Land zu lassen“, wie es geschehe. Seine 2016 beim Parteieintritt erhobene Forderung zur Schließung aller Moscheen ist selbst für AfD-Verhältnisse radikal.

Den Deutsch-Libanesen Imad Karim bekümmert der von ihm diagnostizierte „Selbsthass der Eliten“, die nicht Ja sagen könnten zu ihrem Land und deshalb auch nicht vorbehaltlos imstande seien, deutsche Interessen zu vertreten. „Ich liebe dieses wunderbare Land und habe die Sorge, dass es kaputtgeht“, so Karim. Rettung sehe er nach Lage der Dinge nur in der Politik einer starken AfD.

Fragestellerin offenbarte Neigung zu antisemitischen Verschwörungstheorien

So sehr beide Referenten reichlich klare Kante boten, so gern hätten es einige im Saal noch schärfer gehabt. Ob es nicht doch einen geheimen Plan aller Eliten gebe, Europa zu zerstören, wollte einer wissen. Eine Fragestellerin ließ das üble antisemitische Klischee anklingen, wonach jüdischstämmige Investoren hinter allen Problemen steckten. Er sei Journalist und glaube nicht an Verschwörungstheorien, ließ Fest etwas genervt wissen. Überzeugt wirkten die Fragesteller allerdings nicht.

* Hinweis der Redaktion: In einer ersten Textfassung wurde der Filmemacher Imad Karim missverständlich als „Vertreter“ der AfD bezeichnet. Tatsächlich ist Imad Karim nach eigenen Angaben kein Parteimitglied der AfD.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (48) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik