Stadtentwicklung

Schandfleck: Essener Naturfreundehaus wird abgerissen

Die Bagger reißen das marode Naturfreundehaus in Essen-Fulerum ab.     

Die Bagger reißen das marode Naturfreundehaus in Essen-Fulerum ab.     

Foto: Hans Bovermann

Essen-Fulerum.  Lange rottete das Haus in Essen-Fulerum vor sich hin. Jetzt sind die Abrissbagger da. Stadt schafft Ausgleichsfläche für Flüchtlingsunterkunft.

Das ehemalige Naturfreundehaus an der Wienenbuschstraße in Essen-Fulerum wird derzeit abgerissen. Die Stadt will dort eine Ausgleichsfläche für die Flüchtlingsunterkunft in Fischlaken schaffen. Nachbarn freuen sich, dass der seit langem geplante Abriss des städtischen Gebäudes jetzt erfolgt. Andere hofften auf eine Rettung.

Zwischenzeitlich hatten sich Gruppen wie die Naturfreunde Essen-West und das Mehrgenerationenhaus für eine Sanierung und Weiternutzung des historischen Bruchsteingebäudes stark gemacht.

Abriss des Naturfreundehauses nach wochenlangen Vorarbeiten

Nach wochenlangen Vorarbeiten sei der Abriss am Mittwoch, 2. September, losgegangen, hat Anwohner Hans Bovermann beobachtet. Am Morgen habe der Bagger einer Abbruchfirma aus Cuxhaven damit begonnen, die westliche Wand des Bruchsteinhauses abzubrechen. Dem schweren Gerät sei die rund 150 Jahre alte Mauer nicht gewachsen gewesen.

Mittags habe man bereits vom Giebel bis zum Erdgeschoss ins Haus hineinschauen können. Am späten Nachmittag sei die westliche Hälfte des Hauses zertrümmert worden. „Wenn es in diesem Tempo weiter geht, wird morgen, spätestens übermorgen nur noch ein Schutthaufen zu sehen sein, wo einst das Naturfreundehaus stand“, ist sich der Anwohner sicher, der den Abbruch auf Fotos festhält.

Die Nachbarn hätten viele Jahre darunter gelitten, dass bei Veranstaltungen im Naturfreundehaus die enge Sackgasse zugeparkt wurde. Auch Partylärm an Wochenenden habe immer wieder für schlaflose Nächte gesorgt. Nach der Aufgabe des Hauses durch die Naturfreunde vor über zehn Jahren habe es immer wieder Jugendliche gegeben, die sich Zugang zum abgesperrten Gelände verschafft und dort gefeiert hätten oder auf dem maroden Dach herumgeklettert seien, hatten Anwohner beobachtet.

Anwohner würden gern den alten Parkplatz als Wendemöglichkeit erhalten

„Wir würden gern den früheren Parkplatz vor dem Naturfreundehaus, der jetzt für die Abrissmaschinen sogar noch vergrößert werden musste, als Wendeplatz behalten“, so Hans Bovermann. Dort könnten dann Müllfahrzeuge, Paketdienste, Möbelwagen, Containerdienste und andere größere Fahrzeuge wenden, statt rückwärts durch die enge Wienenbuschstraße zurückzufahren. Solche Manöver seien nicht nur für die Anwohner gefährlich, sondern auch für die Kinder, die auf dem dortigen Spielplatz spielten und auch schon mal über die Straße liefen. Lkw-Fahrer hätten beim Rückwärtsfahren nur eine eingeschränkte Sicht nach hinten, so der Anwohner.

„Ich betreue den Kinderspielplatz Wienenbuschstraße seit 20 Jahren als Pate für die Stadt Essen und den Kinderschutzbund. Durch neu hinzugezogene Familien hat sich die Zahl der Kinder, die den direkt an der Straße liegenden Spielplatz und die angrenzenden Flächen nutzen, deutlich erhöht. Ein Wendeplatz am Ende der Wienenbuschstraße wäre wirklich wünschenswert“, so Hans Bovermann, der vor einigen Wochen eine entsprechende E-Mail an die Stadtverwaltung geschickt hat.

Rückwärts fahrende Lkw könnten spielende Kinder gefährden

In dem engen südlichen Teil der Wienenbuschstraße sei das Wenden äußerst schwierig, bei solchen Manövern mit großen Fahrzeugen sei es schon zu Beschädigungen an Zäunen und Mauern gekommen. Ähnliches passiere auch beim Rückwärtsfahren. So seien Masten für die Straßenbeleuchtung bereits schief, weil sie offenbar von Lkw gestreift worden seien. Der ehemalige Parkplatz des Naturfreundehauses sei mit rund 15 Metern Breite und 25 Metern Länge zum Wenden, gerade für die Fahrzeuge der Entsorgungsbetriebe, gut geeignet, findet Bovermann.

Das Naturfreundehaus war nach Recherchen des Haarzopfer Heimatforschers Herbert Schmitz schon 1856/57 errichtet worden. Nach etlichen Besitzerwechseln hatte die Stadt als letzter Eigentümer das Haus an die Naturfreunde verpachtet, die ihre Arbeit dort aber vor gut zehn Jahren einstellten. Alle Vorstöße von Interessenten, das Haus zu sanieren und weiter zu nutzen, scheiterten.

Das marode Gebäude war nur über private Grundstücke zu erreichen

Selbst der Abriss war nicht ganz unproblematisch, weil das Haus nicht über öffentliche Straßen, sondern nur über private Grundstücke erreichbar war. „Es besteht keine rechtlich gesicherte Zuwegungsmöglichkeit“, hatte Stadtsprecherin Jasmin Trilling erklärt. Nach rechtlicher Prüfung bestünde grundsätzlich ein „Notwegerecht“, das zum vorübergehenden Betreten und Benutzen eines Grundstücks zur Durchführung von Baumaßnahmen auf einem Nachbargrundstück berechtige.

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