Verfall

Sanierungsstau – Essener Bürger beklagen marode Turnhallen

Die Hausmeisterin Sabine Gaik in der Turnhalle der Stiftsschule in Essen-Stadtwald. Dort ist nach einem Wasserschaden der Boden voller Schimmel. Die Halle kann mindestens bis Sommer 2017 nicht genutzt werden.

Die Hausmeisterin Sabine Gaik in der Turnhalle der Stiftsschule in Essen-Stadtwald. Dort ist nach einem Wasserschaden der Boden voller Schimmel. Die Halle kann mindestens bis Sommer 2017 nicht genutzt werden.

Foto: Ulrich von Born

Essen.  Gesperrte Duschen, Schimmel im Boden, unzumutbare Akustik: Sportler und Schulen haben immer mehr Probleme. Reparaturen lassen lange auf sich warten.

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Sie sind zwischen 60 und 80 Jahre und halten sich gemeinsam fit – mit Basketball, Zirkeltraining oder Fußballtennis. Einmal pro Woche trifft sich die „Jedermann-Gruppe“ der DJK Dellwig dafür in der städtischen Sporthalle an der Hansemannstraße in Essen-Gerschede, immer dienstags um 18 Uhr. Als die Senioren eines abends ihr Training wie üblich nach zwei Stunden beendeten, mussten sie zur eigenen Überraschung feststellen, dass die Duschen verschlossen waren. „Uns hatte man nicht gesagt, dass etwas kaputt ist“, berichtet Manfred Jagusch. Das war im Mai 2015. Vergebens hätten die Sportler versucht, bei der städtischen Immobilienwirtschaft herauszufinden, wann der vermeintliche Schaden denn behoben wird. Ohne Erfolg.

Baumaßnahmen werden aufgeschoben

Die Stadt teilt auf Anfrage der Redaktion mit, dass derzeit nicht gesagt werden könne, wann die Sanitärbereiche wieder zur Verfügung stehen. Dies gelte auch für weitere Schulturnhallen im Stadtgebiet, die zwar für den Sport grundsätzlich nutzbar sind, aber auf eine umfängliche Sanierung warten. Jagusch teilt unterdessen mit, dass sich der eine oder andere Jedermann-Sportler mittlerweile überlegt, ob er sich das noch antun will – abends nach dem Sport ungeduscht nach Hause zu gehen.

In diesem und im vergangenen Jahr hat die Immobilienwirtschaft nach eigenen Angaben Baumaßnahmen unter anderem an Schulen in einer Größenordnung von zehn Millionen Euro zurückgestellt; das Budget sei für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt worden. Nach Angaben der Stadt bedeute der Sanierungsstau im Schulsport grundsätzlich keine wesentliche Einschränkung, da in der Regel zumindest die Grundschüler Duschbereiche nicht nutzen – und verschwitzt nach Hause gehen.

Schimmeliger Boden in der Turnhalle einer Grundschule

Doch es geht ja nicht nur um kaputte Duschen: An der Stiftsschule, einer Grundschule in Stadtwald, ist die Turnhalle mindestens noch das gesamte Schuljahr bis zum Sommer 2017 komplett gesperrt. Ein Wasserschaden hatte in diesem Sommer den Boden zerstört, jetzt ist er schimmelig.

„Wir müssen den Sportunterricht in die Turnhalle der Gesamtschule Süd oder ins Regattahaus am Baldeneysee verlegen“, berichtet Schulleiterin Ulrike Nolte. Das geht aber nur für die Jahrgänge drei und vier, dort biete man Sport in Doppelstunden an; für Einzelstunden lohne die Fahrt nach auswärts nicht. Folge: Schulsport findet tatsächlich in der Pausenhalle statt.

Unzumutbare Akustik im Turnraum

Auch die Ardeyschule, eine Grundschule in Rellinghausen, nutzte die Turnhalle der Stiftsschule mit, denn die Schule selbst verfügt nur über einen Turnraum, der so groß ist wie zwei zusammengelegte Klassen. Dort nahm man aber vor knapp anderthalb Jahren die Deckenverkleidung ab, es geschah rein vorbeugend; in Bochum waren ähnlich konstruierte Decken heruntergekommen.

Seitdem, ohne die Deckenverkleidung ist die Akustik im Turnraum so, „dass Ihnen nach fünf Minuten die Ohren abfallen“, sagt Schulleiterin Anke Seifert. Also weicht man seit mehr als einem Jahr in die Turnhalle des Kunsthauses an der Rübezahlstraße aus, eines alten Schulgebäudes. Wann an der Ardeyschule wieder der reguläre Betrieb aufgenommen werden kann, ist offen.

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