Sportstätten

Sanierung der Sporthallen – Essener Vereine sind in Sorge

Die Sanierung der Turnhalle der Stiftsschule in Rellinghausen verzögert sich abermals; nun sollen die Arbeiten bis November oder Dezember dauern. Foto: Thomas Gödde

Die Sanierung der Turnhalle der Stiftsschule in Rellinghausen verzögert sich abermals; nun sollen die Arbeiten bis November oder Dezember dauern. Foto: Thomas Gödde

Essen.  Die Stadt investiert Millionen in marode Sporthallen. Für Sport- und Trainingsbetrieb fallen sie aus. Für Vereine kann es um die Existenz gehen.

„Das Turnhallensanierungsprogramm läuft auf Hochtouren“ ließ die städtische Grundstücksverwaltung Essen (GVE) im Februar verlauten. Das klang wie eine Erfolgsmeldung und sollte es wohl auch. Die nächsten Hiobsbotschaften aber ließen nicht lange auf sich warten: Die Sanierung der Sporthalle an der Wolfskuhle, immerhin Spielstätte des Volleyball-Zweitligisten VV Humann bleibt wohl noch bis zum Frühsommer 2020 gesperrt; die Sanierung des Hallenbodens werde vorbereitet.

Im Sportausschuss des Stadtrates löste diese Nachricht jüngst blankes Entsetzen aus. „Das geht ja gar nicht“, kommentierte Grünen-Ratsfrau Hiltrud Schmutzler-Jäger und kündigte für ihre Fraktion einen Antrag für den Bauausschuss an mit dem Ziel die anstehende Sanierung zu beschleunigen. Ob’s hilft? Abwarten.

Die Sporthalle an der Wolfskuhle ist nicht der einzige Sorgenfall. Die Fertigstellung der Turnhalle der Stiftsschule in Rellinghausen verschiebt sich abermals, diesmal bis November oder Dezember. Die notwendige Schadstoffsanierung sei umfangreicher als erwartet, heißt es. Einige Arbeiten müssten zudem neu ausgeschrieben werden, da keine Angebote von Firmen eingegangen seien. Die Turnhalle ist übrigens seit dem Sommer 2016 geschlossen.

Die Stadt Essen investiert in den kommenden Jahren rund 60 Millionen in ihre Sporthallen

Es gibt aber auch Lichtblicke: Das Lehrschwimmbecken der Gesamtschule Holsterhausen, noch so ein Dauerbrenner auf der Liste der zu sanierenden Objekte, soll Ende Oktober wieder eröffnet werden. Immerhin.

Über Jahre und Jahrzehnte hat sich ein gewaltiger Sanierungsstau bei den städtischen Sporthallen aufgetan. Der wird nun nach und nach aufgelöst; 60 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren investiert. Es geht voran, wenn auch manchem zu langsam. Die Sporthallen an der Langenberger Straße, an der Klapperstraße und an der Beisingstraße konnten in diesem Jahr wieder freigegeben werden wie auch die Hallen der Stadthafenschule, der Schmachtenbergschule und der Elsa-Brandström-Realschule. Ein halbes Dutzend Sporthallen der Sport- und Bäderbetriebe sind in den kommenden Wochen und Monaten an der Reihe. Für die Sanierung weiterer 22 Turn- und Sporthallen hat die GVE einen Zeitplan erstellt. Im Sommer 2022 soll die letzte Halle fertig sein.

Vereine müssen ausweichen – Sportpolitiker vermisst schlüssiges Konzept

Den betroffenen Sportvereinen schwant da nicht immer Gutes, denn die Arbeiten ziehen sich bis zu 16 Monaten hin. An Spiel- oder Trainingsbetrieb ist dort dann nicht zu denken. Bestenfalls können Sportler in eine andere Halle ausweichen, was auch eine logistische Frage ist. Wo lagert beispielsweise ein Tischtennisverein seine Tischtennisplatten zwischen? „Ich habe große Sorgen“, sagt Jürgen Klein, Vorsitzender des TV Kupferdreh und für die FDP stellvertretendes Mitglied im Sportausschuss. Für manchen Verein könnte sich die Existenzfrage stelle. „Am Ende haben wir schöne, neue Hallen, aber keine Vereine mehr, die sie nutzen“, zeichnet der Funktionär und Sportpolitiker aus dem Essener Südosten ein düsteres Szenario.

Die Stadtverwaltung sei gefordert. Klein vermisst ein schlüssiges Konzept. Eine Art Umzugsplan, der mit den betroffenen Vereinen abgestimmt ist. „Warum sollte die Stadt nicht auch vorübergehend Tennis- oder Soccerhallen nutzen“, fragt Jürgen Klein und gibt selbst die Antwort: „Das kostet natürlich Geld.“

Auf Drängen des Essener Sportbundes (Espo) hat die Verwaltung immerhin eine Taskforce eingerichtet, um auch diese Fragen zu beantworten, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg. Es gehe „vielleicht um 20 Prozent der Hallen“, betont Rohrberg und fragt: „Was ist mit dem Rest?“ Noch ist der Sanierungsbedarf für alle rund 150 städtischen Sporthallen längst nicht erfasst. Stadt und Vereine dürfte das Thema noch über Jahre beschäftigen.

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