Laientheater

Ruhrpott Revue aus Essen-Altenessen feiert Zehnjähriges

  Das Ensemble der Ruhrpott-Revue aus Altenessen.

  Das Ensemble der Ruhrpott-Revue aus Altenessen.

Foto: Picasa

Essen-Altenessen.  Die Ruhrpott Revue aus Altenessen feiert ihr Zehnjähriges. Aus diesem Anlass lädt sie zu einer Sondervorstellung in die Zeche Carl ein.

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Auf den Tag genau zehn Jahre nach Gründung der Ruhrpott Revue geben die Theaterlaien am Sonntag, 24. November, eine Sondervorstellung in der Zeche Carl. „Unser Ziel war und ist es, lebensnahe, authentische Ruhrpott-Geschichten, gespickt mit viel Musik, Witz und Spielfreude, auf die Bühne zu bringen“, erzählt Bodo Roßner.

Eines war allerdings von Anfang an anders: Dies sollte ein Mitmachtheater sein. Bodo Roßner hatte zudem eine rein persönliche Motivation, sich auf das ungewohnte Terrain zu begeben. „Ich stand kurz vor der Frührente und wollte etwas gegen die drohende Langeweile tun.“ Ein EFI-Seminar gab den letzten Schub. EFI steht für Erfahrungswissen für Initiativen und sollte beim Einstieg ins ehrenamtliche Engagement helfen.

Schnell kamen in Essen-Altenessen 20 motivierte Mitstreiter zusammen

In Erika Römer (Regisseurin) und Karlheinz Freudenberg (Theaterleiter) und mit Erni Broszik und Dirk Jaletzke (Hausband der Revue) fand Bodo Roßner zwei ebenso motivierte Mitstreiter. Schnell kamen auch 20 Menschen aus Altenessen zusammen, die mitspielen wollten.

Bei allem Idealismus war auch die Ruhrpott Revue auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die gab es nicht auf Verdacht. „Das für Kultur zuständige Mitglied der Bezirksvertretung stellte klar: Wenn ihr Geld haben wollt, müsst ihr erst einmal zeigen, was ihr drauf habt“, erinnert sich Bodo Roßner. Und damit war kein Vorsprechen hinter verschlossenen Türen gemeint.

Zur Maifeier 2010 auf der Zeche Carl bestanden die Laiendarsteller dann ihre Feuertaufe – vor 2500 Zuschauern. Der Anfang war gemacht. Mit den Jahren kamen Sponsoren dazu, „die Garant für eine Weiterentwicklung waren“ (Roßner). Anfangs war die Ruhrpott Revue im Wohnquartier 4 am Palmbuschweg beheimatet. Nach dem Abriss von Kirche und Gemeindehaus fand die bunte Truppe im „Chicago 33“ in der alten Zeche Fritz auf der Helenenstraße Unterschlupf. Geprobt wurde dort, gespielt in der Zeche Carl. 2016 erfolgte der Umzug nach Carl.

Die Rolle des Kumpel Anton auf den Leib geschrieben

In zehn Jahren Ruhrpott Revue schrieb Bodo Roßner so manches Stück – und die Rolle des Kumpel Anton (Schlägerpanne und Bergmannshemd) sich selbst auf den Leib. Stets etwas schräg und karikierend waren die Aufführungen mehr als reiner Klamauk. „Ich wollte immer auch politische Themen aufgreifen und mich einmischen, wenn es etwas gibt“, sagt Roßner.

Der 69-Jährige verarbeitet dabei auch Autobiografisches, wie schon Titel wie „Kumpel Anton geht in Rente“ und „Kumpel Anton genießt die Rente“ verraten. „Kumpel Anton im Multi-Kulti-Land“ zeigt auf, wie verschiedene Kulturen im Stadtteil friedlich zusammenleben können. Das war und ist ein großes Anliegen der Revue. Die Lohntüten-Trilogie hat die 1950er-, 60er- und 70er-Jahre zum Thema: Samstag als Badetag, Beginn der Bergbaukrise, Jugendprotest, Kampf um die Zeche Carl als soziokulturelles Zentrum.

In den vergangenen beiden Jahren standen „Villa Kohlenstaub – Schicht am Schacht“ und „Döner trifft Pommes“ auf dem Spielplan.

Nicht immer trafen die Ideen der Ruhris, wie sich selbst gern nennen, auf ungeteilten Applaus. Das Video fürs Grüne Hauptstadtjahr, in dem Ensemblemitglieder mit roten Zipfelmützen und blauen Latzhosen durchs Bild hüpften, fiel für manchen Betrachter in die Kategorie „Fremdschämen“. „Wir stehen zu den Zwergen“, betont Bodo Roßner, den die Kritik dennoch traf.

„Mehr Bänke für müde Gelenke“

Die Ruhrpott Revue steht allerdings für weit mehr als Bühnenprogramme und Videos. Sie war Initiatorin des Kulturnetzwerks und der Kulturmesse. Letztere wurde 2016 mangels Geld und personeller Möglichkeiten eingestellt. Die Aktion „Mehr Bänke für müde Gelenke“, mit der rund um die Zeche Carl, aber auch im Stadtteil, (Ruhe-)Bänke aufgestellt werden, kommt auch von den Theatermachern.

Und was wünscht sich Bodo Roßner zum Jubiläum? „Dass Elan und Spielfreude der Gruppe bleiben wird und ich vielleicht noch die eine oder andere Rolle spielen kann.“ Und „Spass inne Backen“ sollen sie haben – die Akteure auf der Bühne und das Publikum.

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