Streit um Kapelle

Ruhrmuseums-Chef: Kapelle mit Hakenkreuzen erhalten

Auf den ersten Blick unauffällig: Im Deckenornament der Krankenhaus-Kapelle der Huyssens-Stiftung in Essen-Huttrop verbergen sich allerdings Hakenkreuze.

Auf den ersten Blick unauffällig: Im Deckenornament der Krankenhaus-Kapelle der Huyssens-Stiftung in Essen-Huttrop verbergen sich allerdings Hakenkreuze.

Foto: Socrates Tassos

Essen.  Die mit Hakenkreuzen gestaltete Kapelle im Huyssens-Stift sei ein Zeitdokument, sagt Ruhrmuseums-Chef Theo Grütter. Er ist für ihren Erhalt.

Der „Arbeitskreis Essen 2030“, der den Erhalt der Krankenhaus-Kapelle in der Evangelischen Huyssens-Stiftung in Huttrop fordert, hat einen prominenten Fürsprecher für seine Forderung: Der Leiter des Ruhrmuseums, Theo Grütter, plädiert dafür, den mit NS-Symbolen gestalteten Raum zu erhalten: „Das ist ein Zeitdokument.“

Das Altarbild mit dem blonden Jesus wurde entfernt

Wie berichtet, möchte die Klinikleitung die 1935 errichtete Kapelle umgestalten. Es sei Patienten, Mitarbeitern und Angehörigen nicht zuzumuten, in dem mit „lebensfeindlichen Symbolen“ verzierten Raum zu beten. Namentlich geht es um das Deckendekor, in das Hakenkreuze eingearbeitet sind.

Ein auffälliges Altarbild, das einen blonden Jesus zeigt, war schon in den 1990er Jahren entfernt worden, nun soll auch das Deckenmuster verschwinden. Weiß getüncht soll der Raum zu Gottesdiensten, Meditation und gelegentlichen Konzerten laden. „Ich denke, es hat keinen Sinn, die Kapelle mit diesem zeitlichen Abstand nun umzugestalten“, sagt dagegen Museumschef Grütter. Über 70 Jahre lang sei sie nicht als Provokation wahrgenommen worden. „Da sehe ich keine Gefahr, dass sie jetzt zum NS-Kultort wird.“

Denkmalschützer wollen die Kapelle begutachten

Grütter wirbt daher dafür, die Kapelle in ihrem originalen Zustand als Zeitdokument zu erhalten. Dafür bedürfe es lediglich einer Beschriftung, die den historischen Kontext skizziere. „Man muss den Besuchern den Hintergrund natürlich erklären.“ Das hatte auch Johannes Geymüller vom „Arbeitskreis Essen 2030“ vorgeschlagen, der die ungewöhnliche Gestaltung des Sakralraums für denkmalwürdig hält. Zumal sie auf die Nähe zu den nationalsozialistischen Machthabern verweise, die es in Teilen der Evangelischen Kirche gegeben habe.

Eine historische Würdigung des Raums können sich Klinik und Evangelische Kirche vorstellen, als „Mahnmal“ aber sei eine Krankenhaus-Kapelle ungeeignet. Ob die Kapelle erhaltenswert ist, wollen sich Essens Denkmalschützer bei einem Ortstermin Anfang 2019 ansehen.

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