Betriebsrats-Streit

Ruhrbahn-Affäre ums Gehalt: Justiz ermittelt wegen Untreue

Den Betriebsrats-Chef aufs Schild gehoben: In der – in diesem fall streikenden – Belegschaft steht Ahmet Avsar nach wie vor hoch im Kurs.

Foto: André Hirtz

Den Betriebsrats-Chef aufs Schild gehoben: In der – in diesem fall streikenden – Belegschaft steht Ahmet Avsar nach wie vor hoch im Kurs. Foto: André Hirtz

Essen/Mülheim.  Zuständige Staatsanwaltschaft Duisburg sah einen Anfangsverdacht. Derweil hat die Geschäftsführung dem Betriebsratschef das Gehalt gekürzt.

„Absurde Vorwürfe“, hatte es stets geheißen, „taktisch motiviert“. Und dass da mit dem Vorwurf, viel zu viel Geld zu erhalten, doch nur ein umtriebiger Arbeitnehmervertreter der Ruhrbahn eingeschüchtert werden solle.

Während Verdi vor Ort seit drei Wochen die Belegschaft zu Treueschwüren für Betriebsratschef Ahmet Avsar animiert, empfahl die Dienstleistungsgewerkschaft auf Landesebene, eher zurückhaltend zu bleiben – und darf sich nun bestätigt fühlen. Denn der Gehaltssprung Avsars, er ist endgültig zum Fall für die Justiz geworden. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat nach einer Vorprüfung ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst“

Dies bestätigte Anna Christiana Weiler, Sprecherin der Behörde, jetzt auf Anfrage dieser Zeitung: „Wir haben den Fall geprüft und sehen einen begründeten Anfangsverdacht.“ In den vergangenen Tagen seien bereits Personal-Unterlagen angefordert worden, dazu dem Vernehmen nach auch die juristischen Gutachten zweier Essener Anwaltskanzleien, auf deren Grundlage die Ruhrbahn-Geschäftsführung zu dem Schluss kam: Betriebsratschef Avsar bekommt seit drei Jahren deutlich mehr Geld, als ihm zusteht. Ein Fall von Betriebsrats-Begünstigung wäre das, und nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte: Bei den Entsorgungsbetrieben Essen bescherte eine ähnlich gelagerte Personalie dem damaligen Geschäftsführer Klaus Kunze eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die dann später in der Gesamtstrafe aufging.

Ruhrbahn-Betriebsratschef Avsar bemühte sich am Montag, gelassen zu bleiben: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Und weil das so ist, glaube ich, dass ich nichts zu befürchten habe.“ Er setze auf die Ermittlungen der Justiz und hoffe, „dass ich dann irgendwann meine Ruhe habe“.

Avsar bekommt seit April nur das verringerte Gehalt

Denn Sorgen hat Avsar derzeit genug: Nach Informationen dieser Zeitung hat die Ruhrbahn ihm bereits für diesen Monat nicht mehr das bisherige, vermeintlich zu hohe Gehalt der Entgeltstufe 14 ausgezahlt, sondern das verringerte der Entgeltstufe 11. Der Unterschied liegt etwa bei 1600 Euro brutto. Darüber hinaus verlangt das Nahverkehrs-Unternehmen aus den vergangenen sechs Monaten 11 000 Euro „überzahltes“ Gehalt zurück.

Es kann Monate dauern, bis sich die Ermittlungen konkretisieren, auch in der Frage, wer denn nun zu den Beschuldigten zählt. Neben Betriebsratschef Avsar gerät dabei auch Klaus-Peter Wandelenus als einstiger Geschäftsführer der Mülheimer Verkehrs-Gesellschaft ins Blickfeld. Er hatte den Gehaltssprung 2015 abgesegnet. Dass damit Mülheim und nicht der heutige Ruhrbahn-Sitz Essen als möglicher „Tatort“ gilt, ist der Grund dafür, warum die Staatsanwaltschaft Duisburg den Fall bearbeitet.

>> FALL AVSAR: DIE NERVEN LIEGEN BLANK

Wird Betriebsratschef Ahmet Avsar von Ruhrbahn-Mitarbeitern beobachtet? Wird ihm gar vor dem Privathaus „aufgelauert“, mit Fahrzeugen der Einsatzleitstelle? „Diesen Eindruck vermittelte eine Mail, die Verdi in Ruhrbahn-Gremien verbreitete.

Fehlalarm: Der Wagen war der Kundenklage über eine verdreckte Haltestelle nachgegangen.

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