Ruhr CSD

Ruhr CSD sieht AfD und manche Migranten als Problem

Vielfalt wird beim Ruhr CSD am 9. und 10. August in der Essener Innenstadt gefeiert.

Vielfalt wird beim Ruhr CSD am 9. und 10. August in der Essener Innenstadt gefeiert.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Christopher Street Day (CSD) sei weiter wichtig, denn noch immer würden Homosexuelle angefeindet, sagen die Macher des Ruhr CSD.

„50 Jahre Stonewall – be proud, stay free“ lautet das Motto des diesjährigen Ruhr CSD, der am 9. und 10. August in Essen stattfindet. Damit schlagen die Veranstalter, der Verein RuhrPride und die Aidshilfe Essen, einen Bogen zu den Ursprüngen der Bewegung in New York. Vor 50 Jahren widersetzte sich erstmals eine größere Gruppe von Homosexuellen bei der gewalttätigen Razzia im Stonewall Inn, einer Bar mit homo- und transsexuellem Publikum in der Christopher Street im Greenwich Village. Der Christopher Street Day erinnert an den Stonewall-Aufstand. Doch auch heute gibt es viele Herausforderungen.

Anfeindungen von AfD-Politikern – „Das trifft uns sehr“

Auch heute noch sehen sich Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender Anfeindungen ausgesetzt. „Ich lese fast täglich von Gewalt gegen Schwule“, so Dietrich Dettmann, Vorstandsmitglied von RuhrPride. „Es gibt immer noch eine gefühlte Ausgrenzung“, sagt Maik Schütz, Vorstand der Aidshilfe Essen. Er spricht sogar von einem „Rollback“ in der Gesellschaft, etwa von offen homofeindlichen Äußerungen von AfD-Politikern, die zum Teil Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzen. „Das trifft uns sehr“, sagt Schütz. Auch deshalb sei die AfD für die CSD-Veranstalter als Festpartner nicht tragbar.

Anfeindungen erleben Homosexuelle aber auch von manchen Migranten, die aus Ländern kommen, in denen beispielsweise Homosexualität tabuisiert wird oder unter Strafe gestellt ist. „Wir haben da ein Integrationsproblem, aber der Staat unternimmt zu wenig dagegen“, so Schütz. Gegen dieses Denken müsse unbedingt in Integrationskursen angearbeitet werden. Schwierig sei die Situation auch für homosexuelle Asylbewerber in Unterkünften, die drangsaliert werden bis hin zu körperlichen Angriffen. „Wir haben für solche Fälle extra eine Wohngemeinschaft gegründet“, so Schütz. Der CSD könne auch in diesen Bevölkerungsgruppen einen wichtigen Betrag zu Akzeptanz und Toleranz leisten, ist sich Dettmann sicher.

Aber es gebe auch positive Entwicklungen in der Gesellschaft: „In vielen großen Essener Firmen, wie Thyssenkrupp oder Eon, haben sich Netzwerkstrukturen gebildet. Die Firmen bekennen sich, dass sie Platz für Mitarbeiter aller Couleur haben. Wir hoffen, dass der Mittelstand auch noch einsteigt“, sagt Schütz.

Traditionellen Glück-Auf-Parade startet am Samstag um 13 Uhr

Der CSD sei auch 50 Jahre nach Stonewall notwendig, und der Ruhr-CSD sei immer schon politisch gewesen, so Dettmann: „Wir wollen nicht durch nackte Körper auffallen, sondern durch politische Inhalte“. Und so gibt es neben der traditionellen Glück-Auf-Parade, die am Samstag um 13 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz startet und bei der erstmals ein historischer Spielmannszug mitzieht, wieder ein Talkformat mit Politikern. Gegen 18 Uhr findet eine Schweigeminute für die an den Folgen von HIV und Aids Verstorbenen statt.

Beim großen Straßenfest auf dem Kennedyplatz stehen beispielsweise Szene-Größen wie Devin Reger, Tim Berlingen, Janine Marx oder Angelica Glitzer auf der Bühne. Das Programm ist bis 23 Uhr geplant. Drum herum haben Gruppen und Vereine über 20 Infostände aufgebaut. Erwartet werden mehrere tausend Teilnehmer.

Neu ist in diesem Jahr auch eine Miniatur-Ausstellung: In Glasboxen zeigt Künstler Detlef Lehmann am Samstag verschiedene CSD-Umzüge, etwa aus Moskau oder New York. In der ersten Box der Ausstellung wird die historische Stonewall-Szene gezeigt. Die offizielle CSD-Abschlussparty startet am Samstagabend in der Diskothek Delta, Frohnhauserstraße 75.

Viele Ehrenamtliche helfen dabei, den Ruhr CSD zu realisieren

Neu sei in diesem Jahr, dass die Veranstalter mit der Bürgerinitiative „Essen packt an“ und dem Vielrespektzentrum kooperieren, erklärt Sandra Reinhöfer, Vorstandsmitglied bei RuhrPride. Die Ehrenamtlichen helfen etwa dabei, die Sicherheitsauflagen zu erfüllen und Sperren aus Lastwagen, Sprintern und anderen Fahrzeugen rund um den Kennedyplatz zu bewachen.

Die CSD-Grundausstattung, also Sicherheitsmaßnahmen, Toilettenwagen, Bühne, Sanitäter und vieles mehr, kostet schätzungsweise 18.000 Euro. Finanziert wird das alles mit Spenden.

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